die russische Aktivistin Evdokia Romanova
die russische Aktivistin Evdokia Romanova © David Imbago Jacome/Amnesty International

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Die Frauenrechtskommission (CSW) ist ein globales Treffen von weltweit agierenden Frauenrechtsaktivist_innen, ein Ort, um Meinungen zu äußern und um Geschichten miteinander zu teilen. Eine Frau, die nach New York zu dem Treffen fahren wird, hat eine besondere Geschichte zu erzählen, die den Kampf für Frauenrechte symbolisiert.

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Im letzen Jahr hat Evdokia Romanova, 27 aus Russland auf Facebook einen Beitrag über eine LGBTI-Ausstellung in St. Petersburg gepostet. Was daraufhin folgte, hatte sie nicht erwartet.

Die russischen Behörden sahen ihren Einsatz für LGBTI-Rechte, sexuelle und reproduktive Gesundheit und die Sensibilisierung für HIV / Aids als Gefahr. Sie wurde festgenommen und wegen der Ordnungswidrigkeit der "Propaganda von nicht traditionellen sexuellen Beziehungen zwischen Minderjährigen, die das Internet nutzen" von einem Gericht zu einer Geldstrafe von 50.000 Rubel verurteilt.

Seit ihrer Festnahme kämpft Evdokia mit einem Verlust an Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, sodass sie ihre Social-Media-Accounts einstellte. Sie hat gegen die Entscheidung Einspruch eingelegt, aber die Strafe bezahlt. Das ist die einzige Wahl, wenn sie die Grenze frei überqueren will.

Jetzt, da sie ihr Leben wieder zusammensetzt und sich wehrt, reist Evdokia nach New York, um ihre Geschichte als Menschenrechtsaktivistin zu teilen und über die Bedeutung von Frauenrechten, sexuellen und reproduktiven Rechten und von Menschenrechtsverteidiger_innen zu sprechen. Das ist ihre Geschichte:

"Letztes Jahr wurde ich von der russischen Regierung sehr schikaniert. Es war eine der größten Herausforderungen, die ich überwunden habe. Ich wurde beschuldigt, homosexuelle Propaganda im Internet verbreitet zu haben. Mein Gesicht erschien in den lokalen und nationalen Medien und auch in den sozialen Medien. Mein Bild lief unter der Überschrift "Feinde der Nation". Viele der Menschen in meiner Umgebung sind homophob und ich hatte Angst, aus dem Haus zu gehen. Ich hatte Angst, Opfer eines Hassverbrechens zu werden.

Letzten August wurde ich von der Polizei zur Vernehmung geladen, doch in gewisser Weise war ich selbst mein Feind geworden, ich war regelrecht paranoid. Ich dachte, dass die Regierung mein Telefon abhört und meine E-Mails liest. Diese Gedanken waren in meinem Kopf. Aber in Wirklichkeit war die Polizei in meinem Haus gewesen. Sie hatten meine Nachbarn, meine Freunde, die Leute, mit denen ich arbeitete, befragt.

Ich war schockiert von den Vorwürfe vor Gericht. Sie hatten keinerlei Grundlage, es war so beängstigend zu erkennen, dass diejenigen, die Macht hatten, tun konnten, was immer sie wollten. Als Menschenrechtsaktivistin dachte ich, ich würde Menschen unterstützen und Gutes tun, aber ich musste eine riesige Geldstrafe zahlen, weil ich einfach auf Facebook gepostet hatte.

In den vergangenen drei Monaten habe ich wieder Energie sammeln können und den Wunsch, mich zu wehren, doch in den sozialen Medien fand es wenig Beachtung. Die Leute fangen an, es zu vergessen, und obwohl jeder Tag seine Höhen und Tiefen hat, bin ich jetzt davon weniger emotional betroffen. Ich habe erkannt, dass ich jetzt nicht aufgeben werde. Ich bin gut darin, die Bedeutung der Menschenrechte zu fördern, und ich bin gut darin, mit Menschen zu arbeiten - und diese Anschuldigungen sind kein Grund, mir das zu nehmen.

Viele Menschen in meinem Land verstehen nicht, was Menschenrechte bedeuten. Durch meinen Fall habe ich so viel über die Macht der Propaganda gelernt. In meinem Land denken die Menschen, dass alles, was mit Menschenrechten oder internationalem Aktivismus zu tun hat, ein westliches Konzept ist. Sie glauben nicht, dass Ungleichheit existiert. Sie beginnen zu argumentieren, obwohl sie nicht die Geschichten anderer angehört oder Statistiken gelesen haben. Ich möchte daher Menschen bilden und Diskussionen anregen.

Inspiriert werde ich durch Freund_innen, Familie und Kolleg_innen. Mein Vater war Professor für Soziologie, er war mein Mentor und hat mich immer unterstützt. Er ist letztes Jahr gestorben, aber er inspiriert mich immer noch, meine Arbeit fortzusetzen. Trotz aller Herausforderungen hat meine Arbeit eine Wirkung. Ich habe hart gearbeitet, um die Gleichstellung zu fördern.

Menschen verändern sich und dadurch auch ihre Wahrnehmung. Die Leute sprechen viel offener über Menschenrechte und das hat mich wirklich bewegt.

Ich freue mich sehr, mit Amnesty International zu der Konferenz zu reisen. Als ich letztes Jahr verhaftet wurde, war Amnesty eine unglaubliche Unterstützung. Durch die "Brave Campaign" wurde deutlich, dass ich nicht alleine bin und trotz aller Herausforderungen, die es gibt, gibt es auch so viele Menschen, die engagiert kämpfen und zu einer besseren Gesellschaft beitragen wollen.

Die CSW ist eine Chance, um Teil einer globalen Initiative zu sein, andere Menschenrechtsverteidiger_innen zu treffen und zu echten Veränderungen beizutragen. Junge Menschen wurden viel zu lange aus den Entscheidungspositionen ausgeschlossen, aber es gibt eine neue Generation, die leidenschaftlich, professionell und angetrieben von dem Wunsch nach Veränderung arbeitet. Wir müssen in diesen Räumen der Veränderung präsent sein - und ich möchte alle jungen Menschen ermutigen, sich zu engagieren, Inspiration zu suchen und ihre Meinung zu sagen.

Ich hoffe, dass sich die Dinge zum Besseren ändern werden. Diese Welle des Konservatismus und der Bewegung nach rechts wird nicht ewig anhalten und wir werden uns in eine Gesellschaft entwickeln, die Rede- und Meinungsfreiheit gewährt. Zusammen müssen wir weitermachen."

Evdokia spricht am Freitag, den 16. März, auf der Sitzung über Menschenrechtsverteidigerinnen (WHRDs). Als Teil ihrer "Brave Campaign" fordert Amnesty International eine spezifische Anerkennung und Schutz für WHRDs und stellt sicher, dass die endgültigen vereinbarten Schlussfolgerungen von CSW62 eine Passage zu WHRDs enthalten.

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