Verletzungen bei einem der drei Opfer als Folge des Angriffs © privat
Verletzungen bei einem der drei Opfer als Folge des Angriffs © privat

Meldungen | Benin : Benin: Nach Angriff von drei Trans-Personen werden sie und ihre Verteidiger*innen bedroht

Nachdem drei Trans-Frauen von einer Gruppe von Männern in einer Bar in der Hauptstadt Cotonou gezwungen wurden, sich auszuziehen und geschlagen und ausgeraubt wurden, sagte Amnesty International heute, dass die Behörden in Benin sofort alle notwendigen Maßnahmen ergreifen müssen, um Trans-Personen und die Vereinigungen, die sie verteidigen, zu schützen.

Der Angriff, der in der Nacht des 30. April stattfand, wurde von den Angreifern gefilmt und das Video dann in den sozialen Medien veröffentlicht. Nach dem Angriff suchten Kani, Fati und Jennifer - so nennen sich die drei Trans-Frauen selbst – bei einer lokalen Trans-Vereinigung Zuflucht, erhielten aber weiterhin Drohungen.

„Der Angriff auf die drei Trans-Frauen muss die Behörden dazu veranlassen, stärkere Maßnahmen zu ergreifen, um sie und alle ihre Verteidiger*innen zu schützen“, sagte Fabien Offner, Researcher bei Amnesty International in Westafrika. „Sie sollten sicherstellen, dass Trans-Personen und intergeschlechtliche Menschen, die Opfer solcher Übergriffe werden, Zugang zu Rechtsmitteln haben. Auch die Täter*innen müssen identifiziert und in einem fairen Prozess belangt werden.“

Die drei Trans-Frauen berichteten Amnesty International, dass sie Opfer einer Falle wurden, die ihnen von einem vermeintlichen Freund gestellt wurde, der sie zu einer "Geburtstagsparty" in einer Bar eingeladen hatte, in der sie sich regelmäßig zu Drinks trafen.

Nach ihrer Ankunft hatten sie das Gefühl, dass die "Geburtstagsparty" nicht stattfinden würde. Ihr "Freund" ging in der Bar ein und aus, während Männer, die sie nie getroffen hatten, sich neben sie setzten und sie genau beobachteten.

Eine der drei Frauen erzählte Amnesty International:

„Unser 'Freund' bat Fati, sich ihm außerhalb der Bar anzuschließen. Sie bemerkte dann, dass er nicht mehr draußen auf sie wartete. Zwei Männer fingen an, Fati anzugreifen und ihre Habseligkeiten zu stehlen, nachdem sie sie gefragt hatten, ob sie ein Mann oder eine Frau sei. Wir wollten hinausgehen, um ihr zu helfen, aber die Tür war bereits geschlossen. Wir konnten weder weglaufen noch Fati helfen. Schließlich wurde die Tür geöffnet, und wir konnten zu ihr nach draußen gehen. Ich wurde gefragt, ob ich ein Mann oder eine Frau sei. Ich habe nicht geantwortet, dann habe ich gesagt, dass ich eine Transfrau bin. Der Mann, der mir die Frage gestellt hat, hat nicht verstanden, was ich gesagt habe. Er hat mich dann angefasst und angefangen, mich zu ohrfeigen, als er sah, dass ich keine Brüste habe.“

Sie fügte hinzu:

„Sie hatten angefangen, Fotos von uns zu machen. Dann drohten sie uns, dass wir uns ausziehen müssten. Sie zwangen uns, unsere Kleidung auszuziehen. Ich schrie, um sie zu bitten, uns zur Polizeiwache zu bringen, aber sie schlugen mich weiter, dann versuchte ich, Fati zu verteidigen, und jemand schlug mir mit einer Bierflasche an den Hals. Während der ganzen Zeit haben uns Leute gefilmt und fotografiert (...) Schließlich konnten wir dank der Taxi-Motorrad-Fahrer entkommen.''

Amnesty International hat mehrere Videos gesichtet, die eine lärmende Männermenge vor den drei Trans-Frauen zeigen, die an eine Wand gepresst, gezwungen wurden, sich auszuziehen, und daran gehindert wurden, ihre Genitalien mit den Händen zu verdecken.

Das ärztliche Attest eines der Opfer, das von Amnesty International eingesehen wurde, kommt zu dem Schluss, dass "schwere Körperprellungen mit den Misshandlungen, die die Patientin angeblich erlitten hat, vereinbar sind", und hat eine Woche völlige Arbeitsunfähigkeit verordnet.

Seit dem Angriff war keine der drei in der Lage, nach Hause zurückzukehren. Nachdem die Videos in den sozialen Medien gepostet wurden, drohten einige der Eltern, sie zu töten oder zu vergiften, wenn sie nach Hause zurückkehrten. Andere Eltern rieten ihnen, sich für eine Weile bedeckt zu halten.

In der Nacht zum 1. Mai brachen zwei Personen in das Gebäude des Vereins ein, in dem die drei Opfer Zuflucht gefunden hatten.

"Sie kletterten in den Innenhof des Gebäudes, wurden aber von Leuten gesehen, die auch schrien, um sie zu verscheuchen", sagte der Vorsitzende des Vereins gegenüber Amnesty International. Er erzählte, dass sich im Laufe des Tages eine Menschenmenge vor dem Gebäude versammelte, die auf die ein- und ausgehenden Personen zeigte. Er sagte Amnesty International, dass er sich bedroht fühlte.

Andere LGBTI-Rechtsvereine in ganz Benin, die sich teilweise öffentlich für die drei Frauen eingesetzt haben, haben nach den Übergriffen ebenfalls Drohungen erhalten.

Der Präsident einer der Rechtsvereine sagte Amnesty International:

"Bevor die drei angegriffen wurden, wurde ich bereits beleidigt, und ich habe nie darauf reagiert. Die Situation verschlimmerte sich, nachdem sie angegriffen worden waren, da fünf Mitglieder des Vereins, darunter auch ich, Drohungen erhielten. In der Gegend, in der ich lebe, gehe ich kaum noch aus, und meine Eltern drohten, mich aus dem Haus zu werfen und beschuldigten mich, ein verdammtes Kind zu sein."

Die Präsidentin und Gründerin einer anderen LGBTI-Rechtsvereinigung berichtete Amnesty International ebenfalls, dass sie telefonisch Todes- und Vergewaltigungsdrohungen erhalten habe, nachdem sie den Übergriff in einem Video anprangerte, welches am 2. Mai auf der Facebook-Seite der Vereinigung veröffentlicht wurde.

„Die Menschenrechte dieser drei Trans-Frauen müssen von allen respektiert werden. Die Behörden müssen verhindern, dass sie in einem feindlichen Umfeld leben“, sagt Fabien Offner. „Der Gesetzgeber sollte die Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität und des Geschlechtsausdrucks ausdrücklich im Gesetz verbieten und Menschenrechtsverteidiger*innen anerkennen und schützen, die die Rechte von Trans- und intergeschlechtlichen Menschen verteidigen.“

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