Jahresversammlung der deutschen Sektion von Amnesty International in Dresden, Pfingsten 2015 © Amnesty International / Photo: Sarah Eick

Meldungen : Amnesty Jahresversammlung 2015: Amnesty International soll mehr zum Thema Intersexualität und Menschenrechte arbeiten

Die Jahresversammlung von Amnesty Deutschland unterstützt die Forderung von Queeramnesty, die Arbeit zum Thema Intersexualität und Menschenrechte auf internationaler Ebene zu intensivieren und dabei die Kernforderungen zum Thema deutlich hervorzuheben. Der entsprechende Antrag wurde bei der Jahresversammlung am 24. Mai 2015 mit wenigen Gegenstimmungen und Enthaltungen angenommen.

Der Vorstand der Deutschen Sektion wird sich demnach auf internationaler Ebene dafür einsetzen, dass die inzwischen vorliegende Positionierung von Amnesty zum Thema innerhalb der Bewegung breiter bekannt gemacht und mit Berichten, Hintergrundinformationen und Einzelfällen sowie mit Vorschlägen für Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit ergänzt wird. Bei der Recherche sollen insbesondere die Menschen, welche direkt von Intersex spezifischen Menschenrechtsverletzungen betroffen waren und es immer noch sind, im Direktkontakt einbezogen werden.


Der Antrag wurde von der Themenkoordinationsgruppe Queeramnesty eingereicht und von vielen Amnesty Koordinationsgruppen unterstützt: Heilberufe, Kinderrechte, Gegen Folter, Menschenrechtsverletzungen an Frauen, Antirassismus, WSK (Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte) sowie von vielen Bezirken, Regionalgruppen, Hochschulgruppen und Einzelpersonen. Die Schweizer Sektion wird sich ebenfalls für eine Intensivierung einsetzen. Vielen Dank an alle für die Unterstützung!
Begleitend zum Antrag hat Queeramnesty einen Flyer mit den Forderungen von Amnesty herausgegeben und bei der Jahresversammlung einen Workshop zum Thema organisiert, bei dem verschiedene Aktionsmöglichkeiten diskutiert wurden.


Hintergrund:

In Deutschland wird nach Schätzungen von Experten jeden Tag ein intersexueller Mensch geboren. Intersexuelle Menschen, die sich selbst auch als Zwitter oder Hermaphroditen bezeichnen, entsprechen in ihrer genitalen, chromosonalen und hormonalen Charakteristik wie auch in ihrer Fortpflanzungsanatomie nicht den gemeinhin geltenden Standardkategorien von männlich und weiblich. Intersexualität tritt in einer großen Spannweite unterschiedlicher Erscheinungsformen auf und stellt keine Krankheit dar. Intersexuelle Kinder können (mit einigen ganz seltenen Ausnahmen) ohne gesundheitliche Schäden aufwachsen. Dennoch werden sie als "abnormal" klassifiziert und medizinischen Behandlungen unterworfen: Ohne die Einwilligung der intersexuellen Menschen selbst werden in der Regel im Kindesalter kosmetische Genitaloperationen an ihnen vollzogen, um das Genital zu "vereinheitlichen". Dabei wird in Kauf genommen, dass das sexuelle Empfinden vermindert oder gänzlich zerstört wird. Noch immer gibt es Fälle bei denen intersexuelle Kinder durch Kastration ihrer Fortpflanzungsfähigkeit beraubt werden. Eine solche Entfernung gesunder, hormonproduzierender innerer Organe und die dadurch notwendige lebenslange Substitution mit körperfremden Hormonen löst schwere gesundheitliche Probleme aus. Die meisten Opfer dieser Praxis tragen massive physische und psychische Schäden davon, unter denen sie ein Leben lang zu leiden haben. Wissenschaftliche Studien belegen diese Praxis und deren schwerwiegende Folgen. Medizinisch nicht indizierte traumatisierende Zwangsbehandlungen (d. h. ohne die Zustimmungsmöglichkeit der Betroffenen) stellen einen erheblichen Verstoß gegen das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und die Würde intersexueller Menschen dar. Diese Menschenrechtsverletzungen geschehen in vielen Ländern der Welt. Amnesty International ruft daher in der Positionierung von 2013 alle Staaten auf, diese Behandlungen zu stoppen. Dieser Aufruf blieb jedoch bis heute ohne konkrete Folgen.

Der Flyer zu Intersexualität ist hier als PDF zum Herunterladen oder als gedruckte Version zu beziehen über intersex(at)queeramnesty.de

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