LGBTI in Kenia
Mary und ihre Partnerin, ein offen lesbisch lebendes Paar in Kenia © Pete Muller – Foto: © Pete Muller

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Interview mit Akinyi Margareta Ocholla; sie ist Aktivistin für Minority Women in Action in Kenia; darüber hinaus hat sie einen M.Sc. in Meteorologie, ist Forschungsbeauftragte des kenianischen Ministeriums für Höhere Bildung, Künstlerin und Malerin, und war im vergangenen Jahr im Women’s Secretariat von ILGA (International Lesbian and Gay Association).

C.M-S: Würdest du dich bitte kurz vorstellen?

A.M O.: Mein Name ist Akinyi Margareta Ocholla. Ich bin halb schwedisch, halb kenianisch, bin aber in Kenia aufgewachsen und habe die meiste Zeit meines Lebens in Kenia verbracht. Ich arbeite für Minority Women in Action, eine lesbisch-bisexuelle Organisation, die es seit sechs Jahren gibt. Die Organisation hat im Jahr 2006 ihre Arbeit aufgenommen und versucht das Leben von lesbischen und bisexuellen Frauen in Kenia zu erleichtern, indem sie die Öffentlichkeit informiert, sowie Fähigkeiten und Wissen in der Community aufbaut. So wird die Community mit verschiedenen Angeboten versorgt und über das Thema Gesundheit im Allgemeinen aufgeklärt.

C.M-S: Was sind die Probleme, mit denen es Frauen in Kenia zu tun haben?

A.M O.: Zunächst haben sie es mit der allgemeinen Fehlinformation der Öffentlichkeit zu sexueller Orientierung zu tun, die dann natürlich zu einem hohen Maß an Stigma und Diskriminierung, in manchen Fällen gar zu Gewalt führt. Wir haben Mitglieder, die zu uns kommen und sagen, dass ihre Eltern sie nicht verstehen, dass ihre Eltern ihr Leben unerträglich machen, was häufig zu Depressionen führt. Diese Situation hat sogar zu einigen Selbstmorden geführt… nicht nur innerhalb unserer Organisation, sondern darüber hinaus innerhalb der weiteren LGBT-Community. Ein weiteres Problem ist, den Job nicht zu verlieren, die Ausbildung nicht beenden zu können.

Es gab auch einige Vorfälle, bei denen Lesben vergewaltigt wurden. Man hört diese Geschichten sehr oft. Wir hören, dass Leute geschlagen und belästigt werden. Aber Vergewaltigung ist eine sehr private Gewalt, die dich so tief verletzt. Das ist nicht unbedingt etwas, von dem du allen erzählen willst, was vielleicht der Grund dafür ist, dass wir nicht so viel davon hören.

C.M-S: Und wie ist die Situation für Schwule in Kenia?

A.M O.: Da gibt es die gewöhnliche Diskriminierung, Stigma, Schläge, die Herausforderung, den Job nicht zu verlieren, wenn man im Job offen schwul ist. Probleme am Arbeitsplatz.

C.M-S: Gibt es eine LGBT-Gruppe, die Info zu Diskriminierung und Gewalt sammelt ?

A.M.O.: Ich habe davon gehört, dass Einzelne direkt zur Polizei gehen, um dort nach Gerechtigkeit zu verlangen. Ich bin jedoch nicht sicher, ob das klappt, da wir nicht alle Fälle verfolgen können. Aber es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die zur Gay and Lesbian Coalition kommen und um rechtliche Beratung und Unterstützung bei der Beobachtung ihres Falles bitten. Sie fragen nach den Anwälten der Coalition und versuchen so die rechtliche Unterstützung zu bekommen, die sie brauchen.

C.M-S: Während der Konferenzii wurde erwähnt, dass es positive Fortschritte in Kenia gibt. Welche?

A.M O.: Eine Sache ist ein verstärktes Interesse der Öffentlichkeit daran, dieses Phänomen, das Homosexualität genannt wird, zu verstehen. Es ist nicht länger eine Angelegenheit der Entrüstung – „Oh, darüber möchte ich nicht sprechen!“ –, sondern vielmehr ein Gegenstand der Neugier, der nun in den Köpfen umgeht. Die Leute möchten davon hören. Sie möchten darüber etwas lernen. Sie möchten über diese Dinge diskutieren und sprechen. Sie möchten eine Lesbe mit ihren eigenen Augen sehen; sie möchten einen schwulen Mann mit ihren eigenen Augen sehen. Ziemlich häufig höre ich die pauschale Bemerkung: „Ich habe nicht gewusst, dass es Lesben in Kenia gibt. Heute habe ich eine Lesbe mit meinen eigenen Augen gesehen!“ Natürlich haben die Leute bereits viele Lesben in ihrem Alltag gesehen, aber diese Lesben waren ihnen gegenüber nicht „out“. Die Bevölkerung beginnt nun damit, dass sie das Thema diskutieren möchte, sich damit beschäftigen möchte, in einem Raum mit uns sitzen und darüber sprechen möchte. Auch wenn eine geläufige Frage lautet: „Wie macht ihr’s im Bett? Wie habt ihr Sex?“ – was einen etwas entmutigen kann – ist das doch ein wichtiger Teil der ganzen Diskussion. Oder die Frage: „Warum bist du homosexuell?“ Sie möchten die Ursachen der Homosexualität verstehen. …
Eine andere Sache, die ich bemerkt habe, ist die jüngere Generation. Auch wenn sie so aufgewachsen sind, wie der Rest von uns, mit einer falschen oder fehlgeleiteten Ausbildung – zumindest was den Teil angeht, wo es um Homosexualität geht – sind sie nicht abgeneigt, davon zu sprechen. … Sie mögen viele Vorurteile haben and feste Vorstellungen über uns – aber sie wollen zuhören. Für mich ist das eine sehr positive Sache.

C.M-S: Gibt es Gesetze gegen Homosexualität ?

A.M O.: Wir haben ein Strafgesetzbuch mit den §§162 bis 165. Der erste der beiden (§162) behandelt Sex mit einer anderen Person, der gegen die Ordnung der Natur verstößt. Für jede Person, die durch sexuelle Handlungen gegen die Ordnung der Natur verstößt, ist Gefängnis vorgesehen. § 165 nennt ausdrücklich schwule Männer. Für „einen Mann, der Sex mit einem anderen Mann hat“, ist ebenfalls eine Gefängnisstrafe vorgesehen. Viele Leute sagen, dass nur schwuler Sex kriminalisiert wird und Lesben davon nicht berührt werden; wenn man sich aber den ersten Paragraphen anschaut – „jede Person, die Sex mit einer anderen Person hat“ –, dann fallen wir unter diese Kategorie. Und einige Leute argumentieren sogar, dass JEDE Person, „die Sex gegen die Ordnung der Natur hat“ (was auch immer das bedeutet) – auch Heterosexuelle – in diese kriminelle Kategorie gehören könnte. Ob sie in naher Zukunft aufgehoben werden können, ist schwer zu sagen.

Das Interview führte Colin de la Motte-Sherman

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