Demonstration am 14.04.2018 in Rio de Janeiro für die Aufklärung der Morde an Marielle Franco und Anderson Gomes © Lucas Jatobá/ Amnesty International Brazil
Demonstration am 14.04.2018 in Rio de Janeiro für die Aufklärung der Morde an Marielle Franco und Anderson Gomes © Lucas Jatobá/ Amnesty International Brazil

Meldungen | Brasilien : Brasilien: Die Verhaftung von Maxwell Simões Corrêa ist ein wichtiger Schritt in den Ermittlungen, doch Amnesty International verlangt Antworten darüber, wer die Ermordung von Marielle befohlen hat und warum

Die Zivilpolizei des Staates Rio de Janeiro hat heute eine Reihe von Durchsuchungs- und Beschlagnahmungsbefehlen im Zusammenhang mit den Ermittlungen zur brutalen Tötung der Menschenrechtsverteidigerin Marielle Franco und ihres Fahrers Anderson Gomes ausgeführt. Die Operation gipfelte in der Verhaftung des Feuerwehrmanns Maxwell Simões Corrêa, der beschuldigt wird, die bei dem Attentat verwendeten Waffen versteckt zu haben und der enge Komplize von Ronnie Lessa zu sein, der die Schüsse abfeuerte.

Amnesty International Brasilien

Die Verhaftung von Simões Corrêa ist ein wichtiger Schritt, um diesem Verbrechen auf den Grund zu gehen, und wir hoffen, dass sie dazu beiträgt, die Hauptfragen zu klären, die noch unbeantwortet sind: Wer befahl die Ermordung von Marielle und warum?

Marielle Franco wurde in einem Hinterhalt getötet, der über mehrere Monate hinweg sorgfältig geplant worden war. Bei den Ermittlungen der Zivilpolizei und der Staatsanwaltschaft des Staates Rio de Janeiro wurden zwei Personen identifiziert, die der Begehung der Straftat verdächtigt werden, Elcio de Queiroz und Ronnie Lessa, gegen die derzeit ein Strafverfahren läuft. Es wurde auch festgestellt, dass andere Personen indirekt an der Tat beteiligt waren, indem sie Waffen versteckt und die Ermittlungen behindert haben.

Amnesty International hat den Fall von Anfang an aufmerksam verfolgt. In den ersten Monaten führten wir am 14. jedes Monats Aktionen durch, um Druck auf die Behörden auszuüben und die Menschen für die Verteidigung der Menschenrechte zu mobilisieren. Wir hielten eine Reihe von Treffen über den Fall mit den Behörden ab, darunter mit Staatsgouverneur Wilson Witzel und dem Justizminister der Staatsanwaltschaft von Rio de Janeiro, José Eduardo Gussem, an denen auch Angehörige des ermordeten Stadtrats teilnahmen. Am ersten Jahrestag der Ermordung reichten wir bei den Behörden eine Petition mit 780.000 Unterschriften ein, in der wir fordern, dass der Fall dank nationaler und internationaler Mobilisierung gelöst wird. Mit der großen Öffentlichkeitswirkung und dem öffentlichen Druck, den Amnesty International sowohl national als auch international um den Fall herum erzeugt hat, glauben wir, dass wir dazu beigetragen haben, den Fortgang der Ermittlungen zu gewährleisten.

Die Inhaftierung der beiden Mörder und der mit ihnen verbundenen Personen ist zwar ein wichtiger Schritt zur Durchsetzung des Rechts auf Wahrheit und Gerechtigkeit für die Familien von Marielle und Anderson, aber sie löst weder den Fall noch garantiert sie anderen in Brasilien tätigen Menschenrechtsverteidiger_innen mehr Sicherheit. In der Tat ist Brasilien eines der gefährlichsten Länder für Menschenrechtsverteidiger_innen und hat eine der weltweit höchsten Mordraten für Menschenrechtsverteidiger_innen. Menschenrechtsverteidiger sind Menschen, die, wie Marielle Franco, für eine gerechtere Welt kämpfen, in der Leben und Freiheit geschützt werden, und das sind Menschenrechte, die respektiert werden müssen. Darüber hinaus müssen alle an den Ermittlungen Beteiligten in Sicherheit gebracht werden, insbesondere die Familien der Opfer sowie Zeug_innen und Ermittler_innen. Daher ist es äußerst wichtig, herauszufinden, wer den Mord geplant hat und was die Beweggründe dafür waren.

Jeder Tag, an dem Menschen, die mit den Schießereien in Verbindung stehen, ungestraft bleiben, stellt eine Bedrohung für Marielles Vermächtnis dar und gefährdet die Arbeit und das Leben unzähliger anderer Menschenrechtsverteidiger_innen in Brasilien.
Wir wollen unsere öffentliche Forderung erneuern, dass das Verbrechen aufgeklärt wird, dass alle Verantwortlichen für die Morde an Marielle und Anderson vor Gericht gestellt werden und dass diesem Fall von den zuständigen Behörden höchste Priorität eingeräumt wird. Die Aufklärung dieses brutalen Verbrechens ist von besonderer Bedeutung und von besonderem Interesse für die brasilianische Gesellschaft und die internationale Gemeinschaft. Wir von Amnesty International werden weiterhin darauf bestehen, dass es eine transparente, unabhängige und unparteiische Untersuchung gibt, die die Fragen beantwortet: Wer hat Marielle getötet und warum? Alle an diesem Verbrechen Beteiligten, ob körperlich oder geistig, müssen durch ein faires Verfahren, das internationalen Standards entspricht, vor Gericht gestellt werden. Und obwohl ein schnelles Verfahren nun nicht mehr möglich ist, da seit dem Verbrechen bereits zwei Jahre vergangen sind, ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich die Regierung und die Behörden öffentlich verpflichten, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den Fall zu lösen.

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