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Situation Homosexueller in Albanien
Auf dem Balkan ist Homosexualität noch immer ein großes Tabuthema. Davon zeugt der kurze nachfolgende Artikel, der sich speziell mit Albanien befasst. Aber zahlreiche Fälle deuten darauf hin, wie analog die Situation in den anderen Ländern der Region ist

Das Ergebnis ist überall dasselbe: Die Absonderung eines Teils der Bevölkerung, bis hin zu den tragischen Ergebnissen auf individueller Ebene, von denen Danas berichtet:

Tirana, 17. August 2002.

Bashkim Arapi hat Gift getrunken und ist nach wenigen Stunden in einem Krankenhaus in Tirana, der Hauptstadt Albaniens, gestorben. An seinem Bett war nur sein Partner, mit dem Arapi zwölf Jahre lang gelebt hatte. Auch an der Beerdigung nahmen nur wenige Personen teil, darunter kein einziges Mitglied der Familie oder andere Verwandte. Und alles das nur, weil er der Vorsitzende des albanischen Homosexuellenverbandes war. "Die albanische Bevölkerung hat eine entschieden antihomosexuelle Einstellung. Wenn wir uns öffentlich als Homosexuelle bekennen, so finden wir keine vernünftige Arbeit und werden von der Familie verstoßen. Aber nur die Albaner können die Trag-weite dessen verstehen, was es heißt, von der eigenen Familie verstoßen zu werden", sagt Naser Almalek, Sekretär des Homosexuellenverbandes.  

Der etwa 30-jährige Zahnarzt arabischer Abstammung ist eines der ganz wenigen Mitglieder dieser Organisation, die es wagen, offen und unter Angabe des vollständigen Namens in den Medien aufzutreten. Almalek möchte nicht über die Treffpunkte Schwuler in Tirana sprechen. Er fürchtet, dadurch ihre Sicherheit zu gefährden, denn es gab bereits Angriffe, wenn bekannt wurde, wo homosexuelle Pärchen nachts anzutreffen sind. Almalek erklärt, dass die Schwulen Tiranas sich mittels bestimmter Codes erkennen und Treffen vereinbaren. Aus Sicherheitsgründen will er sie aber nicht nennen. "Die Familien wollen normalerweise lieber gar nicht wissen, was ihre Söhne treiben. Solange die Schwulen ihre Sexualität geheim halten, ist alles in Ordnung. Dann werden sie von ihren Familien nicht verstoßen. Aber kaum bekennt sich jemand in der Öffentlichkeit als schwul, wirft ihn die Familie raus. Das ist ein gewaltiger Druck. Arapi hat ihn nicht ausgehalten. Deswegen hat er sich umgebracht", so Almalek.

Die Nicht-Regierungsorganisationen, die sich mit den Menschenrechten in Albanien befassen, bestätigen hingegen, dass junge Albaner paradoxerweise den Homosexuellenverband häufig dafür missbrauchen, das Land zu verlassen und ins Ausland zu fliehen. Almalek bestätigt, dass es Probleme dieser Art gegeben hat. "Vor einiger Zeit sollten wir an einer großen Demonstration der Schwulen- und Lesbenverbände in den USA teilnehmen. Die Kosten für die Anreise und die Unterkunft wurden übernommen, aber es war wirklich schwer, an die amerikanischen Visa zu kommen. Der Grund war klar. Unsere Mitglieder sind junge Leute, und es war sehr wahrscheinlich, dass einige in Amerika geblieben wären. An diesem Fall sieht man, wie sehr unsere Glaubwürdigkeit bei den diplomatischen Vertretungen in Tirana gesunken ist", folgert er.

Der Homosexuellenverband hat 30 Aktive und insgesamt etwa 200 Mitglieder.

Der Einzige aber, der bereit war mit den Journalisten zu sprechen, war Almalek. Eine Vorstellung von der Lage der Homosexuellen in Albanien vermittelt die Tatsache, dass Homosexualität bis 1995 als Verbrechen behandelt wurde und Artikel 137 des Strafgesetzbuches sogar eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren für Homosexuelle vorsah. Er wurde im Juni 1995 abgeschafft, und unmittelbar nach diesem Datum ließ sich der Homosexuellenverband ins Vereinsregister eintragen. "Unseren größten Sieg haben wir im Januar 1995 errungen, als das Parlament homosexuelle Kontakte legalisiert hat. Das Gesetz sieht heute nur noch für erzwungene homosexuelle Handlungen eine Strafe vor, oder wenn sie mit Minderjährigen geschehen", erklärt Almalek. Einige Mitglieder des Homosexuellenverbandes haben internationale Auszeichnungen für ihre Arbeit bekommen. "Unsere Gemeinschaft in Albanien hat 1995 die größte Anerkennung erfahren, als eines unserer Mitglieder den Menschenrechtspreis Filippo di Suco in Washington bekommen hat", erinnert sich Almalek. Aber sein Lächeln erstarrt unerwartet, als er sich auch daran erinnert, dass dieses Mitglied des Verbandes nach der Preisverleihung beschloss, im Ausland zu bleiben. "Das war ein großer Rückschlag für den Verband und hat viele junge Leute dazu ermutigt, dasselbe zu tun. Aber so etwas passiert heute nicht mehr", unterstreicht Almalek.  

Weitere Informationen bei:
coord.europaorientale(at)amnesty.it
Text von Ben Andoni
Übersetzung: Thomas Kolb 

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