Nadia April (Women‘s Leadership Centre Namibia), Rupert Haag (Queeramnesty) und Franza Drechsel (Rosa-Luxemburg-Stiftung) © Queeramnesty
Nadia April (Women‘s Leadership Centre Namibia), Rupert Haag (Queeramnesty) und Franza Drechsel (Rosa-Luxemburg-Stiftung) © Queeramnesty

Namibia: „Wir existieren!“

Nadia April über lesbenpolitischen Aktivismus in Namibia

 

 

Bei einer Kooperationsveranstaltung von Queeramnesty, der Hirschfeld-Eddy-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung berichtete Nadia April vom Women‘s Leadership Centre (WLC - https://www.wlc-namibia.org/) am 17. September 2019 von ihrer feministisch ausgerichteten lesbenpolitischen Arbeit. Diese zielt insbesondere darauf ab, die von der Regierung für nicht-existent gehaltenen LGBTQ*-Personen sichtbar zu machen, Lesben zu bestärken und die geltenden Antihomosexualitätsgesetze abzuschaffen. Wichtiger Bestandteil der Bestärkung ist Kunst: Gedichte oder Geschichten zu schreiben, zu tanzen, zu trommeln – all das trägt nicht nur zu einem Gemeinschaftsgefühl bei, sondern stärkt die jungen Lesben* grundlegend.

Ein besonders herausragender Moment war das „Namibian Lesbian Cultural Festival 2017“ in Windhoek (https://economist.com.na/31761/after-hours/first-lesbian-festival-held-in-windhoek/), wo über 60 junge Lesben aus acht Regionen die Gelegenheit hatten, sich für eine Woche auszutauschen und weiterzubilden. Am Ende stand eine öffentliche Aufführung mit Tänzen und Performances. Während die Teilnehmerinnen* gutes Feedback gaben, kam es im Anschluss in Sozialen Medien und in ländlichen Gegenden allerdings auch zu Anfeindungen. Das machte deutlich, dass Lesben in Namibia, vor allem in Windhoek, zwar ihre Schutzräume haben, Homosexualität aber von großen Teilen der Bevölkerung nicht akzeptiert wird.

Eine wichtige Frage, die sich dadurch stellte, war, wie die jungen Lesben* sichtbar sein können, ohne sich zu gefährden. Infolgedessen wurde bei einem zweiten Festival, dem „Feminist Leadership Institute“ im Mai 2019 abgefragt, wer von den Teilnehmerinnen* offen lesbisch lebt und damit weniger negative Überraschungen erlebt, wenn Beiträge von ihr* in Sozialen Medien veröffentlicht werden. Zum ersten Mal wurden während dieses Festivals auch Frauen* aus den anderen WLC-Projekten eingeladen – und diese reagierten überaus offen auf die lesbischen Teilnehmerinnen*.

Das WLC führt darüber hinaus Trainings durch, beispielsweise mit Lehrer*innen, Pastor*innen oder traditionellen Autoritäten. Durch die Sensibilisierung dieser gesellschaftlich einflussreichen Personen erhofft sich WLC auch eine wachsende gesellschaftliche Akzeptanz von LGBTQ*. Diese Trainings stoßen auf großes Interesse. So betonte Nadia, dass lutherische Kirchen auf die Mitwirkung von LGBTQ* angewiesen seien, da diese sich in diversen kirchlichen Musikgruppen besonders einbrächten.

Neben Empowerment-Veranstaltungen und Sensibilisierungs-Trainings setzt sich WLC in der Allianz DAN für eine Abschaffung der seit 1927 geltenden und 1980 verschärften Antihomosexualitätsgesetze ein, auch wenn Lesben nicht auf Grundlage der Gesetze verfolgt werden (für mehr Informationen zu den Gesetzen siehe The Other Foundation 2017: Seite 7 - http://theotherfoundation.org/wp-content/uploads/2017/06/Canaries_Namibia_epub_Draft2_CB2.pdf). Dabei strebt DAN weniger eine juristische Auseinandersetzung an, als vielmehr einen Wandel innerhalb der Gesellschaft. Das Nachbarland Südafrika zeigt nur zu gut, dass Queerness gesellschaftlich akzeptiert sein muss, damit LGBTQ* sicher leben können. Eine bald erscheinende Lesbische Anthologie soll dieses Ziel noch erreichbarer machen.