Artwork der koreanischen Künstlerin © JaSeon @bnnbno, https://www.instagram.com/bnnbno
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Kommentar: Amnesty International gibt uns eine Liste von Orten auf der ganzen Welt, an denen queere Menschen unsere Hilfe brauchen.

Als queere PoC (Person of Color) war ich fassungslos, als ich hörte, dass Brunei eine strafrechtliche Bestimmung einführte, die Steinigungen wegen gleichgeschlechtlicher Handlungen ermöglichen würde. Als Mensch war ich besorgt, dass ein so grausames Gesetz in Kraft treten würde, das es den Behörden von Brunei erlaubt, die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Religion und Glauben einzuschränken.

VON FRANCISCO BENCOSME
Amnesty International USA

Als jemand, der in der Region arbeitet, dachte ich: könnte ich auf der Straße getötet werden, weil ich der bin, der ich bin, wenn ich nach Brunei reise? Wichtiger noch, ich dachte an die unzähligen LGBTQ + -Aktivist_innen in Brunei, die Angst vor Rückschlägen haben müssen. Ich dachte an ihre Angst um ihr Leben und das Leben ihrer Familie und Gemeinschaft - und ob sie die Möglichkeit hätten, in anderen Ländern Sicherheit und Asyl zu suchen.

Die Entwicklungen von Brunei müssen ein Weckruf sein. Wir müssen uns zeigen und äußern, nicht nur für Brunei, sondern für LGBTQ + Menschen auf der ganzen Welt. Wenn wir uns in Brunei für die Menschenrechte einsetzen, müssen wir uns auch andernorts für die Menschenrechte einsetzen. Die Situation für LGBTQ + Menschen erinnert uns weltweit an die Weisheit von Dr. Martin Luther King, Jr.:

"Ungerechtigkeit ist überall eine Bedrohung für die Gerechtigkeit. Wir sind in einem unausweichlichen Netzwerk, wo das eine auf dem anderen beruht, gefangen, verknüpft wie in einem einzigen Stück Stoff, das unser Schicksal darstellt."

Bei Amnesty International USA mobilisieren wir unsere Stärken, Schwächen, Ängste und Hoffnungen und setzen sie in Handlungen um. Und obwohl es richtig ist, von den Ereignissen in Brunei schockiert zu sein, müssen wir uns daran erinnern, dass all unsere Kämpfe und Ungerechtigkeiten sich überschneiden und unserer LGBTQ + -Familie überall in der Welt die Hand reichen, wo immer sie sich auch im Kampf um Menschenrechte befindet. Hier sind einige Orte, auf die wir unsere Aufmerksamkeit und unser Handeln richten können.

Das nördliche Dreieck

Die Ungerechtigkeiten, mit denen die Bevölkerung El Salvadors, Guatemalas und Honduras konfrontiert ist, werden von Tag zu Tag schlimmer. Wie Amnesty dokumentiert hat, ist die LGBTQ + -Gemeinschaft im nördlichen Dreieck zunehmend und gezielt Gewalt und Bedrohungen ausgesetzt, da die Behörden in ihren Ländern sie nicht schützen, so dass sie keine andere Wahl haben, als aus ihren Ländern zu fliehen wobei sie, um in Mexiko Asyl zu suchen, weitere Gefahren zu ertragen haben. Unsere Reaktion auf die humanitäre Krise an der Grenze muss von unserer Sorge um LGBTQ + Menschen, die einfach nur in Sicherheit leben wollen, geprägt sein.

Finnland

Oder nehmen Sie Finnland, wo man sich einmischend fordert, trans und gender nicht konforme Menschen zwangsläufig sich dahingehend zu äußern, eine "psychische Störung" zu haben, um ihr Geschlecht neu zuordnen zu können Sakris Kupila, 21, hat sich nie als Frau identifiziert, muss aber nach finnischem Recht mit einer "psychischen Störung" diagnostiziert werden, um einen neuen Namen zu bekommen. Für Sakris ist die Wahl klar. Er widersetzt sich dieser demütigenden Behandlung und fordert eine Gesetzesänderung. Die Rechte von LGBTQ + in Finnland sollten ebenfalls Teil unseres Kampfes sein - wir können mit der Unterzeichnung dieser Petition beginnen.

Ägypten

Wir müssen auch für die Freilassung der ägyptischen Transgender-Aktivistin Malak al-Kashef kämpfen, die zu Hause wegen ihrer Teilnahme an einem friedlichen Protest entführt wurde. In Ägypten haben die Behörden eine bedrohliche Kampagne gegen LGBTQ + durchgeführt und Dutzende von Verhaftungen und erzwungenen Analuntersuchungen durchgeführt, um "chronische Homosexualität" zu verfolgen. Diese Untersuchungen stellen eine Folter dar, die zu einer offensichtlichen Verletzung grundlegender Menschenrechte führt.

Taiwan

In Taiwan wurden das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehe und Initiativen zur Förderung von LGBTQ + -inklusive Schulen in einem öffentlichen Referendum abgelehnt. Der Staat ist jedoch verpflichtet, diskriminierende gleichgeschlechtliche Ehegesetze zu ändern, und so gibt es tatsächlich einen legalen Weg, der nach vorne führt.

Malaysia

Desgleichen gab es in Malaysia eine Verurteilung mit Prügelstrafen und eine Geldstrafe für zwei LGBTQ + -Menschen, die sexuelle Beziehungen hatten. Reformen in einem Land wie Malaysia (oder auch Taiwan) erfordern Top-Down- und Bottom-Up-Ansätze, um die Rechte von LGBTQ + zu schützen und zu bekräftigen - auch sie verlangen unsere Aufmerksamkeit.

Uganda

Überall auf dem afrikanischen Kontinent nehmen die Rechte für LGBTQ + -Menschen ab, da Homophobie auf dem Vormarsch ist und von den Behörden sanktioniert wird. Menschen in Uganda müssen immer noch mit "lebenslangen Haftstrafen" rechnen wegen des "Verbrechens", schwul zu sein.

Russland

Bei der "neuen Verfolgungswelle" in Tschetschenien werden LGBTQ + -Personen sowohl mit staatlichen als auch nicht-staatlichen Mitteln entführt und gefoltert, eingesperrt oder getötet. Dies hat sich in der ganzen Geschichte Tschetscheniens fortgesetzt. Seit Dezember 2018 gab es mindestens zwei Tote und 40 LGBTQ + aus Tschetschenien in Haft. Amnesty International hält die Behauptungen trotz des Schweigens der russischen Führung für glaubwürdig.

Tansania

Hunderte verstecken sich, und Tausende leben täglich in Daressalam in Angst, wo das jüngste brutale Vorgehen gegen die Anti-LGBTQ + -Gesetzgebung zugenommen hat. Viele queere Aktivist_innen fürchten Gewalt und sind aus ihrer Gegend geflohen oder bleiben in ihren Häusern, nachdem Paul Makonda, der Verwaltungsleiter der Stadt, eine Liste von über 100 Namen zusammengestellt hatte, nachdem er Tausende von Tipps aus der Öffentlichkeit erhalten hatte.

Die Vereinigten Staaten von Amerika

Dadurch wird das, was in unserem Land für LGBTQ + -Rechte geschieht, noch stärker an unsere Außenpolitik geknüpft. Die Vereinigten Staaten können sich nicht gegen diese Ungerechtigkeiten aussprechen, wenn wir die universellen Menschenrechte hier nicht zu Hause akzeptieren. Die Trump-Regierung setzte ihre Anti-LGBTQ + -Rhetorik fort, wie das Entfernen von queeren und trans-Menschen aus der Politik und der .gov-Site, das Verbannen von Transgender-Menschen aus dem Militär und ein Memo, das die Bürger dazu zwingen wollte, bei dem Geschlecht zu bleiben, das ihnen bei Geburt zugewiesen wurde; dies sind ein paar der schlimmsten Vergehen, aber es gibt weit mehr. Diese Angriffe treffen allesamt den Kern der Frage, die wir jetzt bezüglich Brunei stellen: Wo können LGBTQ + -Personen sicher sein? Ob in Brunei, im nördlichen Dreieck, in Finnland oder in den Vereinigten Staaten, die Verteidigung der Rechte von LGBTQ + -Menschen bleibt in unserer gemeinsamen Verantwortung.