Zaks Mutter Eleni Kostopoulos © privat
Zaks Mutter Eleni Kostopoulos © privat

Griechenland: Mein Sohn wurde zu Tode getreten - deshalb suche ich Gerechtigkeit

Zak Kostopoulos, ein queerer Aktivist, Drag-Künstler und Menschenrechtsverteidiger aus Griechenland, wurde letztes Jahr von zwei Männern brutal zusammengeschlagen, nachdem er ein Juweliergeschäft im Zentrum von Athen betreten hatten. Im Anschluss an den Angriff wurde gezeigt, wie die Polizei gewaltsam versuchte, Zak zu verhaften, während er auf dem Boden liegend im Sterben lag. Laut forensischem Bericht starb Zak an den zahlreichen Verletzungen, die er erlitten hatte.

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Zaks tragischer Tod erschütterte seine Familie, Freunde und die breitere Menschenrechtsgemeinschaft in Griechenland. In einem bewegenden Bericht enthüllt seine Mutter Eleni Kostopoulos, wie sie mit Zaks Tod zurecht kommt und warum sie entschlossen ist, Gerechtigkeit für ihren Sohn zu erlangen.

Zak war mein erstes Kind. Er war ein heller, süßer kleiner Junge, der wie ein riesiger Stern mein Leben mit Licht erfüllte. Ich überschüttete ihn mit meiner Liebe und Zuneigung. Er liebte es, sein Lieblingskuscheltier, seinen Affen, zu halten und lächelte immer.

Während er größer wurde, konnte ich deutlich sehen, wie freundlich und mitfühlend er war. Ich habe nie gehört, dass er zu jemandem ein schlechtes Wort gesagt hat, und er hat die Gefühle der Menschen verstanden und sie geteilt.
In der fünften Klasse erzählte mir sein Lehrer, dass Zak der einzige Schüler war, der sich mit einem ausländischen Jungen anfreundete, der in die Klasse gekommen war. Er entwickelte eine künstlerische Seite, er liebte das Tanzen und ich hörte oft seine singende Stimme und seine rhythmischen Schritte auf dem Boden seines Schlafzimmers. Dann wurde er erwachsen und seine Kämpfe begannen. Zak war stolz darauf, wer er war, aber nach den Maßstäben einiger Menschen stand er außerhalb der Norm. Aufgrund seiner Entscheidungen musste er sich mit Ablehnung, Gewalt und Vorurteilen auseinandersetzen. Aber er beschloss, sich zu wehren und sich nicht nur für sich selbst, sondern für alle Unterdrückten einzusetzen. Er hörte sich ihre Geschichten an, ermutigte sie, half ihnen und ging mit ihnen zu Demonstrationen.

Zak war eine großzügige, selbstlose Person. Er teilte mit anderen, was er hatte, er ließ niemanden im Stich, er war da, als sie ihn brauchten. Er verkündete der Welt, dass er HIV-positiv sei, und setzte sich zum Ziel, anderen zu helfen, die das gleiche Problem hatten. Er wollte, dass sich alle ihrer bewusst werden und sich weiterbilden, um ihnen Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu geben.
Zaks Vater sagte oft zu ihm: "Du wirst die Welt nicht verändern." Aber ich bin mir sicher, dass Zak glaubte, er könnte es schaffen - oder zumindest es versuchen. Er schuldete es sich selbst und seinen Mitmenschen.

Dann kam mitten in der Nacht ein Anruf. Ein Anruf, der meine Welt zerbrechen ließ. Zak war tot. Ich konnte es nicht glauben. Ich würde es nicht akzeptieren. Es war unmöglich. Es war schrecklich. Die Nachricht begann mit Beschreibungen eines mutmaßlichen Raubüberfalls, einer Drogensucht, dem Bedürfnis zu stehlen, das war eine andere Person. Und dann Fotos und Videos von Gewalt, Hass, Töten, Mord.

Tag für Tag schilderten die Medien und die Polizei Zak als etwas, was er nicht war. Das konnte man leicht tun, es war zu ihrem Vorteil, es war ein Deckmantel für ihre Handlungen. Ich weigerte mich, irgend etwas davon zu glauben. Ich kannte meinen Sohn. Er hatte noch nie jemanden verletzt. Ich weiß auch, dass die Wahrheit niemals eilig unterwegs ist, sie geht langsam voran. Als es darauf ankam, fielen all ihre Lügen und falschen Anschuldigungen in sich zusammen. Die ganze Welt sah, wer Zak war - an seinen Handlungen, seinen Schriften, seinen Bilder, seinen Shows.


In der Zwischenzeit war ich überwältigt von der Unterstützung Tausender Menschen, die sich in ganz Griechenland und Europa versammelten und demonstrierten, um Gerechtigkeit für Zak zu fordern. Ich war erstaunt über die Anzahl der Menschen, die ihn getroffen hatten, ihn liebten und von seiner Persönlichkeit berührt waren. Ihre Liebe und ihr Respekt für ihn haben mich bewegt, als sie Geschichten darüber erzählten, wie sie ihn kennengelernt haben oder was er für sie getan hatte.

Die beiden Personen, die meinen Sohn zu Tode getreten haben, sind frei. Sie sind bei ihren Familien zu Hause, sie essen zusammen, sie lachen, sie leben weiter. Die Polizist_innen, die der Beteiligung an Zaks Tötung verdächtigt werden, sind ebenfalls frei. Ihre Abteilung für innere Angelegenheiten hat gegen sie Strafen verhängt, die noch nicht umgesetzt wurden.

Was mich und meine Familie angeht, gehen wir zu einem Grab, um in der Nähe unseres Sohnes zu sein. Wir sprechen in unseren Träumen mit ihm. Wir müssen weiterleben und mit diesem riesigen Verlust fertig werden.
Jetzt wartet meine Familie auf Gerechtigkeit, auf Erlösung. Es ist unsere Pflicht als Zaks Familie, den Kampf am Laufen zu halten, sicherzustellen, dass jedes menschliche Leben geschätzt wird und mit Respekt gewürdigt und behandelt wird und jeder für seine Fehler, für das, was er getan hat und was nicht, bezahlt.

Es gibt ein Bild von Zak mit offenen Armen und einem Schild vor seiner Brust, auf dem "Gratis Umarmungen" zu lesen ist. Das war Zak. Er hatte ein großes Herz, er konnte jeden und alles herzlich umarmen.

Amnesty international fordert Gerechtigkeit für Zak.

 

Der Artikel erschien ursprünglich im englischen Original in der Huffington Post: