Soshi Matsuoka wirkt als Schriftsteller und hält Vorträge und Seminare zu LGBT Themen in Schulen, © Amnesty International
Soshi Matsuoka wirkt als Schriftsteller und hält Vorträge und Seminare zu LGBT Themen in Schulen, © Amnesty International

Japan: "Ich hoffe, dass die homosexuelle Ehe in der Zukunft anerkannt wird."

Soshi Matsuoka befindet sich im letzten Jahr seines Studiums in Tokio. Darüber hinaus wirkt er als Schriftsteller und hält Vorträge und Seminare zu LGBT Themen in Schulen, um Menschen ein tieferes Verständnis zu vermitteln.

Für ihn hat der Valentinstag keine Relevanz, da er denkt, dass der Tag auf der Prämisse heterosexueller Beziehungen basiert.

Wann bist du dir deiner sexuellen Orientierung bewusst geworden?

Ich bin mir meiner sexuellen Orientierung zum ersten Mal in meinen frühen Jugendjahren bewusst geworden. Ich fühlte mich ganz natürlich von meinen Freunden des gleichen Geschlechts angezogen. Zunächst war ich mir nicht ganz sicher, ob ich wirklich Männer mochte oder ob ich sie bloß bewunderte. Ich dachte mir: "Nein, das kann nicht sein.".

Während ich zur Junior High School ging, erkannte ich, dass ich schwul bin. Aufgrund der gesellschaftlich akzeptierten Vorstellung, dass Männer sich von Frauen angezogen fühlen, machte es mich etwas unsicher. Was würde ich in der Zukunft machen? Würde ich heiraten können? Wie würde ich es meiner Mutter sagen?

In der High School lachten meine Freunde mich dafür aus, dass ich der "Schwule" unserer Gruppe war. Dann fragten sie mich: "Im Ernst, stimmt das" und ich konnte die Frage nicht beantworten.

Ich lebte in Nagoya und ging dann an die Universität in Tokio. Während der Frühjahrsferien bevor ich nach Tokio ging erzählte ich meinen Freunden, dass ich schwul bin. Sie reagierten wirklich gut und einer meiner Freunde war so nett zu sagen: "Schwul sein ist nur eines von den vielen Dingen, die ausmachen, wer du bist. Für mich bist du einfach du." Ich hatte Glück, mich unter derart wunderbaren Menschen zu befinden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich gedacht, dass meine Sexualität ein großer Teil dessen ist, wer ich bin aber ich realisierte, dass dem tatsächlich nicht wirklich so war.

Wie hat deine Familie reagiert, als du dich geoutet hast?

Als ich im zweiten Jahr an der Universität studierte kam meine Mutter in den Ferien zu Besuch und fragte, ob ich eine Freundin hätte. Ich dachte mir nur: "Oh Mann, geht das wieder los.". Aber dann fragte sie mich anschließend, ob ich einen Freund gefunden hätte. Ich dachte nicht, dass die Mitglieder meiner Familie zu diesem Zeitpunkt von meiner sexuellen Orientierung wüssten aber ich schätze, sie muss es irgendwie über die Gerüchteküche erfahren haben und so fiel ich wohl in ihre Falle.

Meine Mutter sagte: "Es ist wichtig, dass du jemanden an deiner Seite hast falls du krank wirst. Das macht mir am meisten Sorgen, weil du so zerbrechlich bist. Es ist mir egal, ob es ein Mann oder eine Frau ist." Sie ist eine ziemlich moderne Mutter.

Einmal habe ich meinen Partner mit zum Haus meiner Eltern in Nagoya genommen, damit er meine Familie kennenlernt. Als ich ihn vorstellte, behandelten sie ihn alle als "jemanden den ich mag" ohne nach unserer sexuellen Orientierung zu fragen. Sie haben sich sicherlich Gedanken um unsere sexuelle Orientierung und all das gemacht aber sie sind nicht darüber hergefallen. Sie haben uns wirklich ganz natürlich akzeptiert.

Zeigst zu Zuneigung für dienen Partner in der Öffentlichkeit?

Wir halten uns nicht an den Händen oder zeigen unsere Zuneigung füreinander in der Öffentlichkeit. Ich bin die Art von Person, die sich darum sorgt, was andere von mir denken, sodass ich solche Dinge nicht tue.

Wir sind jetzt seit zweieinhalb Jahren zusammen aber die Intensität unserer Beziehung ist so ziemlich unverändert. Wir sind wie zwei alte Männer. Abgesehen von unbedeutenden Zänkereien streiten wir uns selten. Unsere Beziehung ist von Anfang an ziemlich stabil ohne plötzliche Emotionsausbrüche gewesen.

Was hälst du vom Valentinstag?

Als ich noch ein Schüler war, war der Valentinstag ein Anlass zu dem Mädchen den Jungs, in die sie verliebt waren, Schokolade schenkten. Es hatte nichts mit mir zu tun. Allerdings liebe ich Schokolade, sodass ich mich immer gefreut habe, wenn ich welche bekommen habe.

Im Fall von einigen schwulen Pärchen schenkt derjenige, der die "weibliche Rolle" einnimmt oder "femininer" ist, dem anderen Schokolade aber das fühlte sich für mich nicht richtig an. Darum dachte ich mir, dass ich einfach nichts machen muss.

Am Howaito Dē ["Weißer Tag"] (der 14. März - ein Monat nach Valentinstag - ist in Japan der Tag, an dem Männer den Frauen, die ihnen am Valentinstag Schokolade geschenkt habe, ein Gegengeschenk machen sollen) tat ich, was von mir erwartet wurde und schenkte den Mädchen etwas, die mir Schokolade geschenkt hatten. Am Howaito Dē habe ich auch schon meinem Partner Schokolade geschenkt.

Man könnte sagen, meine beste Erinnerung an Valentinstag ist, dass ich keine habe. Da die Prämisse auf heterosexuellen Beziehungen basiert, fühlte ich mich ausgeschlossen. Es gab jemanden, dem ich Schokolade kaufen wollte aber derjenige, der Schokolade kauft, ist normalerweise die Frau, sodass ich als Mann gezögert habe, dies zu tun.

Hast du dieses Jahr etwas für Valentinstag geplant?

Ich habe bisher nicht viel darüber nachgedacht. Heutzutage ist es üblich für Leute, ihren Freunden oder Kollegen Sachen zu schicken. Falls Valentinstag in der Zukunft noch gefeiert wird hoffe ich, dass es sich eher zu einem Anlass für Menschen entwickelt, ihre positiven Gefühle gegenüber ihrer Familie, ihren Freunden oder einfach jedem, den sie mögen, zu zeigen anstatt nur ein Tag zu sein, an dem Frauen Männern Schokolade schenken. Jeder Mensch ist anders und einige verlieben sich, während andere das nicht tun.

Welche Veränderungen möchtest du für LGBT Menschen sehen?

LGBT Menschen müssen sichtbarer sein. Ich würde gerne mehr Möglichkeiten für alle sehen, sich mit solchen Menschen zu vertrauen und anzufreunden.

Die Medien haben eine derartige Kluft zwischen den Menschen, die LGBT sind und den Menschen, die es nicht sind, geschaffen, dass der geläufigste Stereotyp einer LGBT Person eine eher feminine Transfrau ist. Dadurch sind Menschen oft überrascht, wenn ich sage, dass ich LGBT bin, weil ich wie der Junge von nebenan aussehe. Daher denke ich, dass es schön wäre, wenn sie wüssten, dass LGBT Menschen überall um sie herum sind.

Es wäre großartig, wenn es ein grundlegendes Antidiskriminierungsgesetz gäbe, sodass Menschen bei der Arbeitssuche oder in anderen Situationen nicht mit Vorurteilen konfrontiert werden. Darüber hinaus hat jeder verschiedene Auffassungen über die Institution der Ehe und ich denke, es ist nicht gerecht, dass heterosexuelle Paar heiraten können, homosexuelle Paare aber nicht. Ich hoffe, dass die homosexuelle Ehe in der Zukunft anerkannt wird.