17. jährliches Nuart-Festival in Stavanger, Norwegen, 2. September 2017. Ein Wandgemälde zu Ehren des Trans-Aktivisten Sakris Kupila wurde von Ricky Lee Gordon auf dem Festival gemalt, © Amnesty International
17. jährliches Nuart-Festival in Stavanger, Norwegen, 2. September 2017. Ein Wandgemälde zu Ehren des Trans-Aktivisten Sakris Kupila wurde von Ricky Lee Gordon auf dem Festival gemalt, © Amnesty International

BLOG: Die Bewegung für Trans-Rechte hat lange genug gewartet

Am 31. März feiern Aktivist_innen den Internationalen Tag für Trans-Sichtbarkeit, ein wichtiger Tag für alle, die sich mit Trans-Menschen und Aktivist_innen solidarisieren wollen.

AMNESTY INTERNATIONAL

(ursprünglich auf Huffington Post veröffentlicht)

Von Lesly Lila, Campaignerin für Sexualität, Geschlecht und Identität bei Amnesty International

Unter der Federführung von Kampagnengruppen wie den in den USA ansässigen "Trans Student Education Resources" geht es in diesem Jahr darum, wie Trans-Menschen nicht nur in einem Klima der Transphobie überleben, sondern auch, wie sie sich entfalten und Veränderung ermöglichen können.

Während es Hunderte von wichtigen Themen-Tagen gibt, die um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren, kann die Bedeutung des Internationalen Tages für Trans-Sichtbarkeit nicht genug betont werden. Wir wissen, dass Trans-Menschen mit einem unverhältnismäßig hohen Maß an Mobbing, Gewalt und Diskriminierung konfrontiert sind. Allein im Vereinigten Königreich haben mehr als ein Drittel der Trans-Menschen im Jahr 2017 Hassverbrechen gegen sie gemeldet.

Aus diesem Grund ist die Sichtbarkeit von Trans-Personen und ihren Geschichten so wichtig und glücklicherweise passiert das immer mehr. Wie die Schauspielerin Laverne Cox gegenüber der Zeitschrift TIME sagte: "Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem immer mehr Trans-Leute hervortreten wollen und sagen: ,Das ist, wer ich bin'."

Diese Veränderung geschieht dank des unermüdlichen Aktivismus von Trans-Aktivist_innen, die sich geweigert haben, marginalisiert zu werden und dass ihre Stimmen zum Schweigen gebracht werden. Infolgedessen haben viele Länder Europas in den letzten Jahren zu verstehen begonnen, dass ihr Genderansatz problematisch ist und auf Stereotypen beruht.

Eine Person identifiziert sich möglicherweise nicht unbedingt mit dem Geschlecht, das bei der Geburt zugewiesen wurde und/oder dem männlichen oder weiblichen Geschlecht - und die Person braucht sicher keine medizinische oder psychiatrische Behandlung, um ihre Identität zu bestätigen. Der derzeitige Ansatz hat äußerst schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlergehen von Trans-Menschen.

In einer Reihe von Ländern in ganz Europa gehört die rechtliche Anerkennung der Geschlechteridentität zu den wichtigsten Veränderungen, auf die Aktivist_innen ihre Anstrengungen ausgerichtet haben, damit das wahre Geschlecht vom Staat anerkannt und in ihren Ausweispapieren reflektiert wird. In vielen Ländern, selbst wenn es ein Verfahren gibt, in dem Menschen ihr Geschlecht gesetzlich anerkannt bekommen können, ist es oft erniedrigend und erfordert von Menschen eine psychiatrische Beurteilung, um festzustellen, dass sie eine "psychische Störung" haben und dass sie irreversibel sterilisiert werden müssen. Das ist einfach unverschämt; der Staat hat kein Recht, die Körper und Identitäten der Menschen zu überwachen.

Für den Großteil ihres Lebens konnte Jeanette Solstad Remø, eine Trans-Frau aus Norwegen, keine rechtliche Anerkennung ihres Geschlechts erhalten, weil sie sich weigerte, diese entmenschlichenden Anforderungen zu erfüllen. Infolgedessen konnte sie in ihren offiziellen Dokumenten nicht als Frau anerkannt werden, eine demütigende Erfahrung, die sie zwang, ihre Geschlechtsidentität regelmäßig zu erklären.

Remø und viele andere Aktivist_innen haben jahrelang an der Änderung des Gesetzes gearbeitet und 2016 waren sie endlich erfolgreich, als die norwegische Regierung eine bahnbrechende Gesetzgebung verabschiedete, die es den Menschen ermöglicht, ihr Geschlecht selbst zu bestimmen, ohne sich irgendwelchen zwingenden Anforderungen wie der Sterilisierung zu unterziehen.

"Ich habe jetzt die besten Jahre meines Lebens", sagt Jeanette. "Es ist wunderbar, dass ich mein Leben als die Person leben darf, die ich bin." Und sie sagt, sie sei nicht die einzige - seit der Verabschiedung des Gesetzes haben mehr als 800 Menschen ihr Recht ausgeübt, ihr eigenes Geschlecht zu bestimmen.

In Irland wurden im Jahr 2015 ähnliche Änderungen eingeführt, zuvor gab es keine Möglichkeit für eine Person, ihr Geschlecht gesetzlich zu ändern. Während das neue Gesetz noch verbessert werden muss, um Minderjährige und nicht-binäre Personen einzubeziehen, sagt Sara R. Phillips, Vorsitzende des "Transgender Equality Network Ireland", dass die aktuelle Bedeutung nicht unterschätzt werden sollte: "Sie fördert Würde und Respekt. Die Verabschiedung des Gesetzes ist ein deutliches Zeichen dafür, dass wir gleichberechtigte und geschätzte Bürger sind."

Weitere rechtliche Durchbrüche wurden in Dänemark, Malta und Griechenland erzielt. Und Portugal könnte jetzt das nächste Land sein, in dem die obligatorische psychische Gesundheitsdiagnose als Kriterium für die rechtliche Anerkennung des Geschlechts abgeschafft wird.

Aber diese gesetzlichen Verbesserungen sind immer noch die Ausnahme, nicht die Norm. Die Pathologisierung von Transidentitäten und der damit verbundene Glaube, dass Transgeschlechtliche irgendeiner Störung unterliegen, sind immer noch weit verbreitet. In viel zu vielen Ländern müssen sich Trans-Personen medizinischen oder psychologischen Behandlungen unterziehen, um ihr Geschlecht rechtlich zu verändern.

"Um jemanden zu dieser Entscheidung zu zwingen, muss man die Person als unmenschlich ansehen", sagt Sakris Kupila, ein 21-jähriger Medizinstudent und Menschenrechtsaktivist, der für die Reform der archaischen Gesetze zur Geschlechtsanerkennung in Finnland kämpft. Für diejenigen, die nicht durch dieses Verfahren gehen wollen, ist die "Alternative, das Leben in einem Schwebezustand zu leben", schreibt Sakris. Ohne Reformen sind Trans-Menschen mit Rechtsunsicherheit konfrontiert und werden nicht in ihrem wahren Selbst bei Institutionen anerkannt.

Aber die Bewegung für Trans-Rechte hat lange genug darauf gewartet. Und je mehr Menschen verstehen, dass die Geschlechterperspektive in der Gesellschaft überholt ist, desto mehr sollten das auch unsere Gesetzgeber_innen berücksichtigen.

Nutze diesen Tag für Trans-Sichtbarkeit, um als Verbündete in diesem Kampf zu stehen und unterstütze Aktivist_innen wie Sakris und die Trans-Community, wenn sie gegen die Unterdrückung mobilisieren.

Erfahre mehr auf www.transstudent.org/tdov und folge dem Hashtag #TransThriving und #TDOV auf Social Media.