Banda Aceh Stadt, Indonesien, © PBI
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Indonesien: Auspeitschen schwuler Männer ist abscheuliche Grausamkeit

Als Reaktion auf 83 Peitschenhiebe, verübt an zwei Männern in der indonesischen Aceh-Provinz, weil sie Sex miteinander hatten, sagte der stellvertretende Direktor für Südostasien und den Pazifik von Anmesty International, Josef Benedict:

23. Mai 2017

"Dieses scheußliche Schauspiel, das vor mehr als tausend höhnischen Zuschauer_innen durchgeführt wurde, ist ein äußerst grausamer Akt. In die Privatsphäre der beiden Männer wurde gewalttätig eingedrungen, sie wurden in ihrem eigenen Haus überfallen und um sie zu demütigen und körperlich zu verletzen, wurde ihre "Bestrafung" heute durchgeführt.


"Die Behörden in Aceh und Indonesien müssen sofort das Gesetz aufheben, das diese Strafen verhängt, die eine grausame, unmenschliche und erniedrigende Behandlung darstellen und Folter gleichkommt.


"Prügelstrafen und die Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen sind offensichtliche Verletzungen internationaler Menschenrechtsgesetze. Die internationale Gemeinschaft muss Indonesien unter Druck setzen, um eine sicherere Umgebung für die LGBTI-Gemeinschaft zu schaffen, bevor sich die Situation weiter verschlechtert. Niemand darf für einvernehmliche sexuelle Beziehungen bestraft werden. "

Hintergrund
Die beiden Männer wurden am 28. März 2017 verhaftet und wegen einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher sexuellen Beziehungen (liwath) unter dem Aceh Islamic Criminal Code angeklagt. Sie wurden am 17. Mai von dem Banda Aceh Shari'a Court zu 85 Schlägen verurteilt, die Zahl der Peitschenhiebe wurde reduziert, weil sie zwei Monate in Haft verbracht hatten.
Die Scharia-Statuten sind seit der Verabschiedung des Sonderautonomiegesetzes der Provinz in Aceh in Kraft und werden von islamischen Gerichten durchgesetzt.
Dies ist das erste Mal, dass schwule Männer unter dem Scharia-Gesetz in der Provinz angeklagt worden sind.
Einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen werden nach dem indonesischen Strafgesetzbuch (KUHP) nicht als Verbrechen behandelt.