Graffiti gegen sexuelle Belästigung in Kairo, 24. September 2012, © Amnesty International
Graffiti gegen sexuelle Belästigung in Kairo, 24. September 2012, © Amnesty International

Ägypten: 16 Männer zu Haftstrafen nach beispielloser homophober Verfolgung verurteilt

In Reaktion auf die Nachricht, dass ein Gericht in Kairo 16 Männer wegen "Ausschweifung" zu drei Jahren Gefängnis und anschließenden Bewährungstrafen von drei Jahren verurteilt hat, sagte Najia Bounaim, Kampagnenleiterin von Amnesty International Nordafrika:

AMNESTY INTERNATIONAL

28. November 2017

"Diese Urteile verletzen den Kern von Humanität und sind ein weiteres Beispiel für die andauernde Verfolgung von LGBTI-Personen und für die umfassende Unterbindung von Menschenrechten durch die ägyptischen Behörden. Die Strafverfolgung verletzt die Rechte dieser Männer auf gleiche Behandlung, unabhängig von ihrer vermeintlichen sexuellen Orientierung."

"In den beispiellosen Verfolgungen der letzten zwei Monaten wurden mehr als 70 LGBTI-Personen festgenommen, mehr als 40 Personen wurden bis zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die ägyptischen Behörden müssen die Urteile gegen die 16 Männer sofort aufheben und sie bedingungslos freilassen."

"Mindestens fünf der verurteilten Männer wurden nach ihrer Festnahme im September erzwungenen Analuntersuchungen ausgesetzt, was einen Verstoß gegen das völkerrechtliche Verbot von Folter und anderen Misshandlungen darstellt. Wir verurteilen diese Maßnahmen auf das Schärfste."

Laut der ägyptischen Initiative für Persönlichkeitsrechte wurden mindestens 76 Menschen in ganz Ägypten aufgrund ihrer vermeintlichen sexuellen Orientierung verhaftet, nachdem bei einem Konzert von Mashrou' Laila am 22. September in Kairo eine Regenbogenfahne gezeigt worden war. Viele der von den Sicherheitskräften verhafteten Männer wurden durch Online-Dating-Apps in eine Falle gelockt. Mehr als 60 Mitglieder des ägyptischen Parlaments haben ein zutiefst diskriminierendes Gesetz vorgeschlagen, das gleichgeschlechtliche sexuelle Aktivität zum ersten Mal in dem Land explizit kriminalisieren würde.