Gay Pride vs. No Pride in Riga

Die Veranstalter der Gay-Pride-Events 2007 in der lettischen Hauptstadt (die lettische LGBT-Organisation Mozaika) erhielten starke Unterstützung aus aller Welt.

Nachdem in den zwei vorangegangenen Jahren die Gay-Pride-Events in der lettischen Hauptstadt Riga entweder verboten oder durch Gegendemonstrationen massiv behindert worden waren, erhielten die Veranstalter, die lettische LGBT-Organisation Mozaika, beim Riga Pride 2007 starke Unterstützung aus aller Welt.

Das internationale Sekretariat von amnesty international organisierte hierzu eine große Solidaritätsaktion: Zu der nun offiziell genehmigten Veranstaltung reisten ca. 60 Mitglieder aus amnesty-Sektionen an, von Finnland bis Italien, aber auch aus Australien. Für die deutsche Sektion nahm der MERSI-Gruppensprecher teil. Mit Hilfe weiterer Unterstützergruppen aus ganz Europa kam so eine Demonstration von ca. 500 TeilnehmerInnen zustande, schätzungsweise ein Drittel davon aus Lettland. Diese waren meist Mitglieder von Mozaika, aber auch einige solidarische junge Familien, ein paar SeniorInnen und vier PriesterInnen der lutherischen und anglikanischen Kirchen von Riga nahmen teil.

Die vierstündige Veranstaltung war jedoch in keiner Weise mit einem CSD in westlichen Ländern zu vergleichen. Mehrere hundert lettische PolzistInnen bewachten den Park, in dem der Riga Pride 2007 der krönende Abschluss der von Mozaika veranstalteten sogenannten „Friendship Days“ werden sollte. Die TeilnehmerInnen konnten das rings umzäunte Gelände nur über einen einzigen Zugang betreten. Dabei oblag es den PolizistInnen, durch Handtaschenkontrollen und rechtes Augenmaß die „No-Pride“-Leute der homophoben GegendemonstrantInnen herauszufiltern. Bei Beginn der Pride-Veranstaltung hatte sich dann eine Gruppe von knapp einhundert Menschen, darunter Neonazis, fundamentalistische Christen wie der Anführer der evangelikalen Sekte „Neue Generation“ und Familien mit Kindern, in „No Pride“-T-Shirts am Zaun versammelt, von denen einige Sprüche brüllten wie „Adolf Hitler, Kommunisten, Homosexualismus!“. Der Anführer der „Neuen Generation“ Alexey Ledyaev gab währenddessen TV-Interviews, in denen er die heterosexuelle Familie als einzigen Wert propagierte und „Homosexualismus“ als bekämpfenswerte Krankheit darstellte. Seine Sekte hatte zusammen mit der „Ersten Partei Lettlands“ die „No-Pride“-Gegenveranstaltung auf der anderen Seite der Innenstadt veranstaltet. Das Motto lautete dort: „Die ganze Welt ist gegen die homosexualistische Propaganda. Und du?“. Mehrere tausend BesucherInnen hörten sich homophobe Rockbands an, skandierten schwulenfeindliche Sprüche und verteilten Aufkleber und T-Shirts mit der Aufschrift „Die ganze Welt und Ritdiena ist gegen Schwule. Ich bin es auch.“ (Die Zeitung Ritdiena hatte das Festival mit organisiert).

Mehr oder weniger unbeirrt davon feierten indessen die Pride-TeilnehmerInnen im Vermanes-Park ein fröhliches Fest der LGBT-Solidarität. Nach einem Rockkonzert begann die eigentlich Demonstration, bei der die Mitwirkenden, wie im Zoo begafft und teilweise übelst beschimpft von den Menschen hinter dem Zaun, einige Runden im Park drehten. Anschließend hielten diverse lettische und europäische PolitikerInnen, Priester und LGBT-AktivistInnen, darunter auch MdB Volker Beck aus Deutschland, feurige Reden und Grußwörter. Einzig zu Beginn eine Farbattacke aus einer Pumpgun und zu Ende der Veranstaltung ein paar Knallkörper der No-Pride-Leute waren kurze Störungsversuche, bevor zuletzt alle Pride-TeilnehmerInnen zwischen den Absperrungen in Busse gebeten wurden, um zwischen der pöbelnden Menge hindurch an einen sicheren Ort am Stadtrand gefahren zu werden.

Zum Abschluss der Veranstaltung äußerte sich Linda Freimane, 39-jährige Anwältin und Gründerin von Mozaika: „Wir sind sehr glücklich darüber, dass der Riga Pride dieses Jahr in einem völlig anderen politischen Klima als in den Jahren zuvor stattfinden konnte. Wir sind überzeugt, dass es besonders wichtig gerade für die lettische LGBT-Community ist, durch solche Veranstaltungen an die Öffentlichkeit zu gehen. Wir zeigen allen Menschen in Lettland, das es uns gibt, auch wenn viele von uns vielleicht noch Angst haben, sich zu zeigen. Gerade deswegen danken wir auch der lettischen Polizei für Ihre großartige Unterstützung bei dieser Veranstaltung. Und wir danken allen internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre große Solidarität.“

Rupert Haag

erstellt am: 14.09.2007