Nepal: CSD in Kathmandu

Am 10. August wurde in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, nun schon zum vierten Mal der CSD gefeiert. Keine Selbstverständlichkeit in diesem Land, das in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen sorgte, weil Metis (lokale Bezeichnung für Transgender) wiederholt willkürlich von der Polizei festgenommen, gefoltert und vergewaltigt wurden.

Am 10. August wurde in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, nun schon zum vierten Mal der CSD gefeiert. Keine Selbstverständlichkeit in diesem Land, das in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen sorgte, weil Metis (lokale Bezeichnung für Transgender) wiederholt willkürlich von der Polizei festgenommen, gefoltert und vergewaltigt wurden.

MERSI hatte dazu u.a. auch im Jahr 2004 eine Eilaktion durchgeführt. Das nepalesische bürgerliche Recht verbietet „unnatürliche sexuelle Handlungen“, definiert jedoch nicht klar, was darunter zu verstehen ist.

Bei der farbenfrohen Parade zogen ca. 200 Teilnehmer mit einer traditionellen Musikkapelle drei Stunden, zum Teil in bunten Kostümen und die Metis in den weiblichen Kostümen ihrer jeweiligen Stämme oder Kasten, vom Touristenbezirk Thamel zum historischen Durbar Square, dem früheren Königspalast mit prächtigen Tempelanlagen. Hier wurden nach einer Schweigeminute zahlreiche Kerzen für die verstorbenen AIDS-Opfer angezündet. Auf ihren Schildern und Transparenten forderten die Metis, Tas (Partner der Metis), Schwulen und Lesben gleiche Bürgerrechte, ein Ende der Diskriminierung und die Verankerung der Rechte von sexuellen Minderheiten in der neuen nepalesischen Verfassung.

Der Veranstalter der Parade war erneut die Blue Diamond Society (BDS), eine NGO, die sich für AIDS-Aufklärung und die Rechte sexueller Minderheiten in Nepal einsetzt. Die Demonstration war ordentlich bei der Polizeibehörde angemeldet und genehmigt worden. Dabei ist nicht zuletzt auch die Tatsache förderlich, dass die BDS sich in den letzten Jahren eine Reputation als ernstzunehmende menschenrechtspolitische Kraft im Lande erworben hat. Der Umzug wurde wie auch schon früher nicht offiziell als CSD annonciert, sondern fand bewusst zeitgleich mit dem traditionellen Hindufest „Gai Jatra“ statt. Bei diesem Fest, das ursprünglich zu Ehren der im vergangenen Jahr Verstorbenen stattfand, ziehen zumeist Knaben in verschiedenen Kostümierungen durch die Straßen. Heutzutage dient dieses Fest auch als karnevalsähnlicher Anlass für Satire und spöttische Kommentare auf die Tagespolitik in den nepalesischen Medien, was in den Anfangsjahren der BDS als ein günstiges Datum für die Gay Parade erschien.

An der Parade nahm als einziger Ausländer und internationaler Vertreter auch der Gruppensprecher von MERSI, Rupert Haag, teil, der sich in Nepal zur Recherche für eine neue MERSI-Buchveröffentlichung aufhielt. In zahlreichen Interviews befragte er LGBT-AktivistInnen und Mitglieder der örtlichen Gemeinschaften, die von ihrer Diskriminierung oder der Menschenrechtsarbeit vor Ort berichteten. Das Buch erscheint voraussichtlich im Herbst 2007.

Rupert Haag

erstellt am: 20.11.2006