Kirgistan: Erpressungen und Bedrohungen von Schwulen nehmen zu

Die schwule Community in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek scheint immer häufiger Zielscheibe von korrupten Polizisten zu sein. Es sind meist Polizisten des niedrigsten Dienstgrades, die hohe Erpressungsgelder fordern.

Sie drohen damit, die sexuelle Identität ihrer Opfer zu enthüllen. Um ihren sozialen und beruflichen Status zu schützen, sehen sich die Opfer dazu gezwungen, ihren Erpressern das Geld auszuhändigen. Die Rechtsanwältin Galina Kaisarova beschreibt dies so: „Ist der Ruf einer Person ruiniert, wird ihr Leben an Bedeutung verlieren und die Karriere wahrscheinlich beendet sein.“ Obwohl Homosexualität laut der Verfassung von 1998 in Kirgistan nicht mehr illegal ist – zuvor drohten bei Festnahme zwei Jahre Gefängnisstrafe – sind gleichgeschlechtliche Beziehungen weiterhin mit einem starken Stigma besetzt. Vorurteile in der Gesellschaft durch fehlendes Verständnis und geringe Aufklärung über Sexualität und Gesundheit führen in der schwulen Community zu einer Kultur der Geheimhaltung.

Aufgrund dieser Situation hat das UNDP (United Nations Development Programme) ein HIV/AIDS-Bewusstseins-Programm initiiert, um die vielen Mythen um Homosexualität zu entkräften und aufzuklären. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich. Einige Polizisten halten an Vorurteilen fest, andere erleben solche Veranstaltungen als eine Art Offenbarung. So äußerte sich einer unter ihnen: „Es ist gut, dass dieses Seminar gehalten wurde, weil wir jetzt verstehen, dass Homosexuelle Mitbürger sind wie wir.“ Probleme in der Vergangenheit wurden eingestanden, jedoch bestritten Bischkeks Polizeichefs weiterhin, dass systematische Erpressungen der schwulen Community stattfinden. Werden diese korrupten Praktiken nicht gestoppt, besteht für Tausende das Risiko, weiterhin derartigen Einschüchterungen ausgeliefert zu werden.

Barbara Schütte, Hamburg 
Quelle: IWPR (Institute for War and Peace Reporting)