Sommeruni in Marseille

Wo sich Lesben und Schwule aus halb Europa treffen Der Université d’été Euroméditérranéenne des Homosexualités (UEEH) liegt eine einfache Idee zu Grunde: Einmal im Jahr sollen sich engagierte Leute aus dem lesbischwulen Kuchen treffen können, neue Projekte anreißen und spannende Diskussionen führen. 1979 das erste mal durchgeführt, ist die UEEH zu einem Fixpunkt im französischen lgbt-Kalender geworden.

Unter anderem sicher auch dank der hochoffiziellen Unterstützung aus Ministerien und Regionalverwaltung. In der letzten Juliwoche haben sich denn auch etwa 600 Lesben und Schwule im Campus von Luminy bei Marseille eingefunden. Ein Großteil der TeilnehmerInnen kommt aus Paris, was angesichts von nur noch 3 Stunden TGV-Distanz auch kein Wunder ist. Etwa ein Drittel sind Frauen. Weitere Kategorisierungen sind nicht leicht, wird doch die diversité hier ganz groß geschrieben: Von den Soeurs de la Perpetuelle Indulgence über die autonome Lesbe bis zum Intello findet sich ein breites Spektrum von Leuten

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Dem euromediterranen Namen wird die UEEH dank der behandelten Themen voll und ganz gerecht
So hat unsere französische Schwestergruppe von amnesty Frankreich, die Commission homosexualités et droits humains, einen internationalen Zyklus organisiert: Seminare zu "Koran und Homosexualität" oder "lgbt-Situation in Osteuropa" fanden sich ebenso in der Veranstaltungsreihe wie ein gut besuchtes Forum zum Thema "Instrumentalisierung der Homosexualität im Rahmen der Globalisierung". An diesem Forum nahmen auch Researcherinnen aus dem Internationalen Sekretariat von amnesty teil. Die anschließende Diskussion verlief kontrovers und bissig, wie man das im assoziativen Milieu Frankreichs gewohnt ist.


Die Morgenveranstaltungen haben die Organisatorinnen in weiser Voraussicht mit weniger kopflastigen Themen belegt.Künstlerische Ateliers, Massagekurse oder Filme sollten auch die grössten Partyköniginnen aus den Betten locken. Wer mehr Freude an der Natur hatte, konnte sich auch an den nahen Calanques, der felsigen Südküste, entspannen. Eine halbe Stunde wandern, und ein wunderschöner Nacktbadestrand nahm einen in Empfang. Eine wunderbare Unimensa, lange Nächte und nostalgische Studizimmer rundeten den Anlass angemessen ab. 


Quintessenz: 
Wer etwas Französisch spricht und sich im Juli eine Woche freischaufeln kann, der oder die liegt in Luminy auch nächstes Jahr goldrichtig.


http://www.ueeh.org
http://www.amnesty.asso.fr/05_amnesty/


Hans Markus Herren, Bern