Pressemitteilung zur Anti-Folter-Kampagne

Ein weltweit unerhörter Skandal – Folter an Angehörigen sexueller Minderheitenamnesty International dokumentiert Übergriffe gegen Angehörige sexueller Minderheiten in 30 Ländern / Nicht-heterosexuelle Frauen mehrfach gefährdet / Menschenrechtsorganisation fordert Regierungen und Vereinten Nationen auf, Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle aktiv zu schützen.

Bonn, 22. Juni 2001 – Weltweit werden Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Transvestiten Opfer von Folter und Gewalt. Sie werden sexuell misshandelt, medizinischen und psychologischen Zwangsbehandlungen unterworfen oder gezwungen aus ihrem Heimatland zu fliehen, darauf weist amnesty international in dem heute veröffentlichten Bericht Crimes of hate, conspirancy of silence hin. Der Bericht dokumentiert gewaltsame Übergriffe gegen sexuelle Minderheiten in mindestens 30 Ländern. In mehr als 70 Staaten gelten homosexuelle Beziehungen als Verbrechen. In einigen Fällen werden sie sogar mit dem Tod bestraft.


"Obwohl Folter und Misshandlungen an Angehörigen sexueller Minderheiten in allen Teilen der Welt an der Tagesordnung sind, werden sie von einer Mauer des Schweigens umgeben," erklärt Claudia Jarzebowski, Sprecherin der Koordinationsgruppe "Menschenrechte und sexuelle Identität" von amnesty international. Gesellschaftliche Stigmatisierung von Homosexualität, Straflosigkeit bei Übergriffen gegen Angehörige sexueller Minderheiten, aber auch die Angst der Opfer vor Rache und öffentlicher Blossstellung tragen dazu bei, dass das Schweigen nicht gebrochen wird.


"Tausende Menschen werden gefoltert und misshandelt, weil ihre tatsächliche oder vermeintliche sexuelle Identität angeblich die soziale Ordnung bedroht", sagt Claudia Jarzebowski. Das reicht von institutioneller Benachteiligung bis zu Regierungen, die homophobe Gewalt aktiv schüren, wie Robert Mugabe in Simbabwe. In der Mehrheit der Länder jedoch liegt das Versagen der Regierungen darin, dass sie Ausgrenzung und Gewalt gegen Angehörige sexueller Minderheiten nicht wirksam verhindern.


Aber nicht nur von staatlicher Seite sind Nicht-Heterosexuelle bedroht. In ihrem Bericht dokumentiert die Menschenrechtsorganisation auch Übergriffe in der Privatsphäre, die der Folter gleichkommen. Frauen sind hier auf Grund ihres Geschlechts mehrfach gefährdet. Claudia Jarzebowski: "Das Nebeneinander von Sexismus und Homophobie führt dazu, dass Lesben doppelt gefährdet sind." Dazu gehöre auch, zum Beischlaf oder zur Heirat mit einem Mann gezwungen zu werden.


"Regierungen müssen hier einen klaren Standpunkt einnehmen und ganz deutlich machen, dass Folter und Misshandlungen auf Grund der sexuellen Identität einer Person nicht toleriert und in jedem Fall sorgfältig aufgeklärt werden," so Jarzebowski. Der Kampf gegen die Folter von nicht-heterosexuellen Menschen ist ein integraler Bestandteil der laufenden Kampagne "Für eine Welt frei von Folter", an der sich Mitglieder von amnesty international auf der ganzen Welt beteiligen.


amnesty international begrüsst die Initiative einer Instanz der UNO-Menschenrechtskommission in Zusammenarbeit mit dem Sonderberichterstatter zur Folter, Menschenrechtsverletzungen auf Grund der sexuellen Identität des Opfers vermehrt zu dokumentieren. Die UNO-Gremien insgesamt müssten jedoch die Anliegen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen stärker berücksichtigen, fordert amnesty international.


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