Die AIDS-Epidemie und ihre Folgen

Als die ersten Aids-Fälle in Mexico im Laufe der achtziger Jahre auftauchten, führte dies nicht wie in den USA zu Solidaritätsbekundungen. Im Gegenteil, viele Schwule starben in völliger Isolation, ohne von ihren Freunden oder schwul-lesbischen Gruppierungen unterstützt zu werden.

Später entstanden als Reaktion darauf die ersten Aids-Organisationen wie die staatliche Fondasida. Leider wurde die Entwicklung von Programmen und Konzepten durch konservative Organisationen, wie Pro-Vida, la Asociación de Padres de Familia oder der hardliner-Flügel der katholischen Kirche, blockiert. Es gab Anfang der neunziger Jahre kaum Aufklärungskampagnen über Kondome und Sexualität und eine relativ ineffiziente und kurzlebige staatliche Stelle namens CONASIDA.

Das hat sich geändert, aber es gibt nach wie vor Probleme im Zusammenhang mit Aids. Die Aids-Organisation El Frente Nacional de Personas Afectadas por el VIH-SIDA, Frenpavih, wies im letzten April darauf hin, dass 1.350 Aidskranke keine Aids-Medikamente erhielten. Die staatliche Stiftung Fondasida beschloss, bereits betreuten Kranken in den Bundesstaaten Veracruz und Mexico City keine Medikamente mehr zu liefern. 80 % der Erkrankten erhalten keine Proteasehammer, wodurch Aids von einer chronischen in eine tödliche Krankheit verwandelt wird.

In Mexico City sterben im Jahr durchschnittlich 500 Menschen an Aids

Nach Angaben der mexicanischen Zeitung Reforma vom 25 November 2001 sterben in Mexico City im Jahr durchschnittlich 500 Menschen an Aids, der größte Teil davon zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt. Carmen Soler, Leiterin des Aids-Programms von Mexico City erklärte, dass seit 1983 14.000 Menschen in Mexico City aidskrank geworden sind. Besonders junge Männer zwischen zwanzig und fünfunddreißig Jahren erkranken daran, und zwar auf sexuellem Weg. In Mexico City erkranken landesweit am meisten Einwohner, wobei das Risiko bei homosexuellem Geschlechtsverkehr ohne Kondome am höchsten ist. Im Programm sind 1.300 HIV-Kranke, die entweder von Geldern der Regierung über Fondasida oder über Mittel der Stadt selbst behandelt werden.

In einer solchen Situation ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Lesben- und Schwulenbewegung sich teilweise mit anderen linken Gruppen solidarisiert, wie z.B. der zapatistischen Befreiungsarmee EZLN. Schließlich hatten diese indigenen aufständische 1994 in ihrem Kongress im lakandonischen Dschungel beschlossen, sich für ein staatliches Antidiskriminierungsgesetz, eine bessere Aufklärung über Homosexualität an Schulen, die Aufstellung von Lesben und Schwulen für Regierungsposten und eine staatliche Kampagne gegen Homophobie einzusetzen. Viele der mexicanischen Lesben und Schwulen solidarisieren sich auch mit der Partei der demokratischen Revolution PRD, obwohl die Schließung von schwul-lesbischen Bars in Mexico City durch Mitglieder der PRD für den Verlust von Sympathien gesorgt hat.

Eva Gundermann