Fire - Wenn Liebe Feuer fängt - Bild: © Deepa Mehta
Fire - Wenn Liebe Feuer fängt - Bild: © Deepa Mehta

Preisgekrönter Film als emanzipatorisches Bravourstück gefeiert

Im Ausland wurde Fire, der 14fach preisgekrönte Film der indischen Filmemacherin Deepa Mehta, 43, als emanzipatorisches Bravourstück sensibler Gesellschaftskritik gefeiert.

Auch die indische Zensurbehörde sah Mitte letzten Jahres keinen Anlaß, Einspruch zu erheben als es darum ging, Fire in indischen Kinos zu zeigen. Gezeigt werden zwei Frauen, die in ihren arrangierten Ehen auf körperliche Zuwendung verzichten müssen. Der emotionalen Annäherung der beiden Schwägerinnen folgt das körperliche Verlangen und schließlich dessen Erfüllung, gegen jegliche gesellschaftliche Norm.

Bis Ende 1998 hielt sich der Widerstand gegen den Film in Grenzen. Im Dezember organisierte die Hindu-Bewegung Shiv Sena landesweite Randale, da der Film angeblich die indischen Familienideale unterläuft, die ohnehin schon lange unterlaufen werden. Aufgrund der Proteste mußten die Aufführungen vielerorts abgebrochen werden. Doch den aktivisten der Shiv Sena geht es längst nicht nur um die Verhinderung dieses Films. Seit ca. 10 Jahren betreiben sie verstärkt Kampagnen gegen "nicht-indisches" Gedankengut, d.h. nicht-hinduistisch.

Insofern ist die Verunglimpfung von Fire im Kontext religions-und staatspolitischer Machtkämpfe zu sehen: "Kultur, Tradition und althergebrachte Werte sind schon immer vorgeschoben worden als Mittel zur Unterdrückung und Diskriminierung.", schreibt die Campaign for Lesbian Rights (CLR) in ihrem jüngsten Unterstützerinnenaufruf. Die Shiv Sena macht sich zum Anwalt einer vermeintlich originär indischen. d.h. hindu-dominierten Kultur.

In diesem Klima wird es sogenannten Minderheiten fast unmöglich ihre Identität im öffentlichen Diskurs zu behaupten. Lesbische Frauen sind in Indiens Öffentlichkeit bislang kein Thema gewesen. Ihre Isolation und Unsichtbarkeit bedeutete ein Nicht-Vorhandensein kollektiver Identität', so die CLR. Die CLR verschafft sich dennoch zunehmend Gehör, unterstützt von zahlreichen Gruppen der indischen Menschenrechts-und Bürgerbewegung, denn die gewalttätigen Auseinandersetzungen um Fire markieren einen vorläufigen Höhepunkt des gesellschaftlichen Konflikts im multireligiösen Vielvölkerstaat Indien um Reform oder Restauration.

Der indische Minister für Information Pramod Mahajan teilte Mitte Februar mit, daß die Regierung Kürzungen an dem Film "Fire" nicht zustimmt.

C.Jarzebowski