LGBT-Filme auf der Berlinale 2006

Kurzrezensionen von Filme auf der Berlinale 2006

En Soap
Die Transsexuelle Veronica versucht sich umzubringen, wird jedoch von Charlotte, die gerade ihren Ehemann verlassen hat, gerettet. Als Charlotte von Ihrem Ehemann brutal niedergeschlagen wird, versorgt Veronica ihre Wunden. Wenig Story, dafür eine gute Darstellung von Gefühlen und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Paper Dolls
Das mit dem Teddy für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnete Werk zeigt das Leben einer Gruppe von Philipinos in Israel, von denen viele tagsüber als Pfleger älterer Israelis schuften, um nach Dienstschluss in Bars als Transvestiten aufzutreten. Das Werk von Tomer Heyman beschreibt die Probleme, die sich aus dem Entzug der Arbeitserlaubnis ergeben, wenn der Aufenthalt in Israel plötzlich „illegal“ wird und die Betroffenen Misshandlungen durch die Polizei ausgesetzt sind. Empfehlenswert.

Love Other: The Story of Claude Cahune + MM
Der Film zeichnet das Leben zweier Lesben, eines Künstlers und eines Fotografen nach, die in den dreißiger Jahren nach Jersey auswandern, wo sie eine eigene Form des Widerstands finden, als die Insel von den Nazis eingenommen wird. Als Resultat werden sie zum Tode verurteilt. Von der bekannten Regisseurin Barbara Hammer und lohnenswert.

Capote
Ein Muss für alle mit starken Nerven und einer Schwäche für gute schauspielerische Leistungen. Der Film zeigt Capotes Interesse an zwei zum Tode verurteilten Mördern und erklärt möglicherweise, warum Capote nach der Veröffentlichung des Romans „In Cold Blood“ keinen weiteren Roman mehr geschrieben hat.

Eleven Men Out
Der beste Spieler einer Fußballmannschaft verkündigt unvermittelt und ohne erkennbaren Grund, dass er schwul ist und dies auch seit einiger Zeit weiß. Er fliegt aus dem Team, erfährt die üblichen homophoben Reaktionen von Mitspielern und Familie einschließlich des pubertierenden Sohnes und entdeckt den schwulen Untergrund. Viele Klischees, sonst aber okay.

Vacation Land
Das Low-Budget-Video (Produktionskosten 12.000 €) erzählt von den Schwierigkeiten männlicher Homosexueller im Kleinstadtmilieu einer sozial schwachen Wohngegend in Maine, USA, wo der Regisseur selbst aufgewachsen ist. Die Meinungen zum Film waren unterschiedlich. Aus meiner Sicht ist das Werk zwar nicht brillant, dennoch aber durchaus sehenswert.

Beyond Hatred (Jenseits des Hasses)
Ein sehr ungewöhnlicher und bewegender Dokumentarfilm, der mittels Interviews und der Aufzeichnung von Gesprächen von Familienmitgliedern versucht, den Tod des ältesten Sohnes zu ergründen, der einem homosexuellenfeindlichen Überfall zum Opfer gefallen ist. Die Familie fordert Gerechtigkeit, ohne Rache nehmen zu wollen. Der Sohn wurde von drei jungen Rechtsradikalen ermordet, deren Hintergrund in den Diskussionen innerhalb der Familie sowie durch Aussagen ihres Rechtsanwaltes beleuchtet wird.

Kurzrezensionen von Colin de la Motte-Sherman

 

erstellt am: 11.07.2006