Harte Zeiten für Gays in Südkorea

Lim Tae-hoon (28), ein südkoreanischer Gay-Rights-Aktivist, wurde im Februar 2004 inhaftiert. Der Grund war seine Weigerung, Militärdienst zu leisten.

Obwohl Südkorea die Menschenrechte und die Gewissensfreiheit anerkennt, lehnt die südkoreanische Justiz das Recht auf Verweigerung aus Gewissensgründen ab; pazifistische oder religiöse Argumente gelten nicht. Derzeit gibt es etwas 800 aus Gewissensgründen Inhaftierte. Das Strafrecht sieht eine Inhaftierung von bis zu 18 Monaten vor. Ein Ersatz- oder Zivildienst ist in Korea unbekannt.

Lim Tae-hoon musste während der Musterung zu seiner Sexualität Stellung nehmen. Er wehrte sich gegen einen Fragebogen, auf dem angegeben werden muss, ob man schwul, bisexuell oder transsexuell sei. Bei einem „Ja“ wird man an Psychiater überwiesen und als „Abnormaler“ nicht zum Militär zugelassen. Wer sich als Homosexueller bzw. Transgender outet, dem wird sofort eine „Persönlichkeitsstörung“ und „Verhaltensstörung“ attestiert. Unter diesen Umständen weigerte sich Lim, den Militärdienst zu leisten und wurde daraufhin in Haft genommen.

Aktiv an allen Fronten
Lim Tae-hoon ist seit 1997 in einer der wenigen lesbischen und schwulen Selbsthilfeorganisationen des Landes aktiv. Er engagierte sich u.a. gegen die AIDSPolitik der Regierung und machte sich für die Einrichtung einer nationalen Menschenrechtskommission stark. Zuletzt erhob Lim Tae-hoon seine Stimme für zivile Alternativen zum Wehrdienst. Außerdem wirkte er federführend in Komitees gegen die Diskriminierung von Schwulen, Lesben und gegen Zensur im Internet, wo schwul-lesbische Internet-Inhalte als anstößig unzugänglich gemacht wurden.

Gleichgeschlechtliche Liebe ist in Korea bis heute ein Tabu und wird gesellschaftlich geächtet. Im Jugendschutzgesetz wird Homosexualität als schädlich für die Jugend klassifiziert. In der Hauptstadt Seoul mit über neun Millionen Einwohnern gibt es nur eine kleine Bar- und Discoszene. Die meisten Koreaner betrachten sie als eine abnormale Krankheit, die behandelt werden muss. In Schulbüchern wird Homosexualität gar nicht oder nur diskriminierend erwähnt. Schwule Koreaner ziehen es daher vor, ihre sexuelle Neigung zu verbergen. Wenn die Firma erfährt, dass man schwul ist, verliert man seinen Job. In einigen Fällen wurden homosexuelle Schüler und Studenten aus der Schule geworfen.

Tradition vs. Fortschritt
Das größte Problem ist für die meisten jedoch der Druck der Familien. Äußerlich wirkt Korea zwar fortschrittlich und ist hoch technisiert, doch die konfuzianischen Traditionen sind stark. Der Familie kommt die größte Bedeutung zu, spätestens mit Mitte dreißig muss ein Koreaner verheiratet sein. "Viele Schwule heiraten, nur um dem Druck ihrer Familien zu entgehen", sagte Lim. Andere litten unter psychischen Problemen, nicht wenige "bringen sich dann um", so Lim.

Auch Identifikationsfiguren im öffentlichen Leben muss man mit der Lupe suchen. Hong Seok Chon etwa, ein erfolgreicher TV-Komiker, der sich 2001 mutig als erster prominenter Koreaner outete, löste damit einen Sturm der Entrüstung in ganz Korea aus und verlor seinen Job beim Fernsehen. Inzwischen geht es für ihn wieder aufwärts: Er hat einen Vertrag für ein Buch, in dem er seine Geschichte als Homosexueller in Korea erzählen wird.

Immerhin: Hongs Bekenntnis löste wochenlange Debatten aus. Intellektuelle, Kommentatoren und Politiker solidarisierten sich mit ihm. Die Medien berichteten erstmals von den Problemen, denen Homosexuelle in Korea ausgesetzt sind. Hongs Bekenntnis hat die Schwulen und Lesben in Korea einen großen Schritt nach vorne gebracht. Auch Lim Tae-hoon hatte erst danach den Mut gefasst, öffentlich zu seiner Liebe zu Männern zu stehen.

erstellt am: 01.06.2005