Homosexuelle Männer und AIDS im Senegal

Vor drei Jahren wurde im Senegal (Westafrika) ein Homosexuellenverband namens AND LIGEEY gegründet.

AND LIGEEY hat inzwischen mehr als 300 Mitglieder, kann aber nach wie vor nur im Untergrund agieren, da im muslimischen Senegal Homosexualität rechtlich als "Akt wider die Natur" gilt (Artikel 319, Paragraph 3 des Strafgesetzbuches (Code Penal) in der Fassung des Gesetzes Nr. 66-16 vom 12. Februar 1966) und ein bis fünf Jahre Haft vorgesehen sind.

Von der staatlichen Anti-Aids-Kampagne, die weltweit als vorbildlich gilt, sind Homosexuelle ausgeschlossen worden. Ein Angebot AND LIGEEYs zur Zusammenarbeit wurde von der Regierung ausgeschlagen. Auch ai-Senegal steht einer Aufnahme von AND LIGEEY als ai-Igbt-Gruppe, wie es sie in anderen Ländern bei den ai-Sektionen gibt, ablehnend gegenüber.

Ai-Senegal befürchtet, dass ihnen von der Öffentlichkeit und von ihren staatlichen und zivilgesellschaftlichen Kooperationspartnern durch die Gründung einer solchen ai-Gruppe die "Propagierung" von Homosexualität vorgeworfen werden könnte und dadurch andere, als wichtiger erachtete Anliegen, z. B. die Abschaffung der Todesstrafe, gefährdet werden könnten. Als weitere Begründung wurde angeführt, dass im Senegal homosexuelle Männer nicht ausschließlich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung körperlicher Gewalt ausgesetzt seien. Dem widersprechen die Ergebnisse der Studie zur Situation homosexueller Männer im Senegal, die im Oktober 2002 für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Dakar angefertigt worden ist und die auch dem Internationalen Sekretariat von amnesty international inzwischen zur Auswertung vorgelegt wurde.

Hintergrund zu AIDS im Senegal

Die durchschnittliche Lebenserwartung ab der Diagnose "AIDS" beträgt im Senegal ein Jahr; ca. 2% der senegalesischen Bevölkerung sind von AIDS betroffen. Medikamente, die den Verlauf der Krankheit verzögern würden, kann sich kaum jemand leisten. Hier werden viele Menschen in der Anonymität, und also unauffällig, dem Tode preisgegeben. Von Regierungsseite scheint man zu hoffen, dass sich das Problem von selbst erledigen wird.

Um eine eigene Anti-Aids-Kampagne unter homosexuellen Männern durchführen zu können, fehlt es AND LIGEEY an den finanziellen Mitteln. Als staatlich nicht anerkannte Organisation kann sie noch nicht einmal ein Bankkonto eröffnen. Bei ai-Schweiz hat sich die Gruppe "ai for gays and lesbians" bei ai-Senegal darum bemüht, dass wenigstens eine administrative Zusammenarbeit zugunsten von AND LIGEEY ermöglicht werde - bislang ohne Erfolg.

Erich Kofmel, Johannesburg, 15.4,2003

Zum Weiterlesen: 

Die erwähnte Teilstudie mit dem Titel "Homosexualität im Senegal" ist per Mail vom Autor direkt erhältlich erichkofmel[at]myfaz.net