DKQ Dni Kultury Queer (Queere Kulturtage)

Der erste Pride-Auftritt in Warschau im Jahr 1998 bestand aus drei Personen. Im Laufe weniger Jahre wurde daraus eine immer größere Veranstaltung, und durch die Unterstützung zahlreicher Organisationen konnte, von Presse- und Medienaufmerksamkeit begleitet, am 1. Mai 2003 ein Pride mit 4000 TeilnehmerInnen, darunter internationale Gäste, gefeiert werden. Die Parade bewegte sich ungestört durch das Zentrum Warschaus.

Für dieses Jahr ist ein dreitägiges Queeres Kulturfestival, DKQ - Dni Kultury Queer geplant. Neben Diskussionen zu sozialen und kulturellen Aspekten wird es Auftritte von Theatergruppen und KünsterInnen aus Polen, Deutschland, Schweden, den USA sowie Vorträge und Seminare geben. Dieses Ereignis ist in Polen einzigartig und wird daher sicher erhebliches Medieninteresse auf sich ziehen. Homophobie ist auf offizieller wie privater Seite jedoch nach wie vor alltäglich.

In Krakau, wo ein kulturelles und akademisches Festival ähnlich dem in Warschau stattfinden sollte, widerrief die Universität unter dem Druck populistischer und nationalistischer Gruppen ihre Zusage für eine LGBTKonferenz in einem ihrer Gebäude. Der Stadtrat nahm die Genehmigung für eine Parade eine Woche vor dem geplanten Termin zurück.

Selbst in Warschau war es unmöglich, in diesem Jahr vom 1.-3. Mai einen Pride zu organisieren. Als offizieller Grund, die Demonstration durch die Innenstadt nicht zu genehmigen, wurde die Gefahr terroristischer Angriffe genannt. Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass der EU-Beitritt Polens am 1. Mai, der u.a. mit zahlreichen auch im Fernsehen übertragenen Straßenfestivals gefeiert wurde, eine Rolle spielte.

Einige Fortschritte gibt es dennoch. In den gebildeten Bevölkerungskreisen nimmt die positive Haltung zu, oder LGBT werden zumindest als nicht abweichend betrachtet. Die Queeren Kulturtage werden ein wichtiges Ereignis in Polen sein. Gerade die internationalen Gäste zeigen allen LGBT in Polen, dass sie sich nicht allein zu fühlen brauchen, sondern ein gleichwertiger Teil der Gesellschaft sind. Vor allem jedoch, dass Diskriminierung falsch, LGBT zu sein aber normal ist.

Matgosia Lesniak, Warschau

(Die Autorin ist LGBT-Koordinatorin der polnischen Sektion von amnesty international.) (aus dem Engl.: Anke Guido)

 erstellt am: 01.06.2004