Demonstration vor dem nigerianischen Hochkommissariat in London, 17. Mai 2013 © See Li/Demotix/Corbis
Demonstration vor dem nigerianischen Hochkommissariat in London, 17. Mai 2013 © See Li/Demotix/Corbis

VERFOLGUNG VON LGBTI IN NIGERIA

Nach Artikel 214 des Criminal Code Act, des nigerianischen Strafgesetzbuchs, macht sich jede Person, die mit einer anderen "unnatürlichen Geschlechtsverkehr" hat, eines Verbrechens schuldig und ist mit 14 Jahren Haft zu bestrafen.

Nach Artikel 215 wird ein Versuch der unter dem vorigen Paragraphen beschriebenen Handlungen mit einer 7-jährigen Haftstrafe belegt und nach Artikel 217 wird jeder Mann, der mit einem anderen Mann eine "schwere Unanständigkeit" (gross indecency) begeht, sei es öffentlich oder privat, mit drei Jahren Haft bestraft.

In den zwölf nördlichen Bundesstaaten Nigerias gilt seit dem Jahr 2000 das islamische Sharia Recht, nach dem homosexuelle Handlungen mit Steinigung bestraft werden. Laut dem Strafgesetz des Bundesstaates Kano - andere Sharia Gesetze sind ähnlich formuliert - begeht jeder, der mit einer Frau oder einem Mann Analverkehr hat, das Verbrechen der Sodomie und wird, wenn er verheiratet ist, mit dem Tod durch Steinigung bestraft. Ist die Person nicht verheiratet, wird sie mit bis zu 100 Peitschenhieben und einem Jahr Haft bestraft. Auch eine Frau, die eine andere sexuell stimuliert, kann, wenn sie verheiratet ist, mit Steinigung bestraft werden.

Seit dem Inkrafttreten dieser Gesetze wurden mehrere Menschen zum Tod durch Steinigung verurteilt, es ist jedoch kein Fall bekannt, in dem ein solches Urteil in Nigeria vollstreckt wurde.

Auch die Anglikanische Kirche Nigerias und ihre Erzbischöfe lehnen Homosexualität ab, wie Peter Akinola, der sich wiederholt für eine Verschärfung der strafrechtlichen Verfolgung Homosexueller ausgesprochen hat oder Nicolas Okoh, der Schwule mit Pädophilen gleichsetzt.

Es gibt in der nigerianischen Gesellschaft einen sehr breiten Konsens gegen Homosexualität, die einer Studie zufolge von 97 % der Nigerianer abgelehnt, als ein dekadenter Import des "Westens" und als "unafrikanisch" angesehen wird, obwohl es in Nigeria gerade die britische Kolonialverwaltung war, die mit ihrem Criminal Code von 1916 Homosexualität zur Straftat machte.

LGBTI Menschen leben in Nigeria in großer Gefahr vor gewalttätigen Übergriffen, auch von Seiten ihrer eigenen Familien, bei denen sie misshandelt, rituellen Vergewaltigungen und magischen "Heilungen" unterworfen werden. Die Täter werden nicht strafrechtlich verfolgt, auch wenn die Übergriffe öffentlich wurden, wie 2008 die Schläger-Attacke auf Mitglieder des House of Rainbow deren Namen und Fotos zuvor von Zeitungen in einer Hetzkampagne veröffentlicht worden waren. Genauso wenig wurde ermittelt, als 2011 die Vergewaltigung von drei angeblich lesbischen Frauen durch zehn Männer als Video kursierte. Häufig werden Homosexuelle denunziert, von der Polizei verhaftet, geschlagen, gefoltert und vergewaltigt. In den Gefängnissen sind sie zudem den Misshandlungen durch andere Häftlinge ausgesetzt.

Bei der Fussballweltmeisterschaft 2011 haben Gerüchte über homosexuelle Spielerinnen der Super Falcons, der nigerianischen Frauenfußballmannschaft, die homophobe Haltung der Trainerin offen gelegt, die keine lesbischen Spielerinnen in ihrem Team duldet.

Schwulenaktivisten, wie Rowland Jide Macaulay, Gründer der House of Rainbow Metropolitan Community Church oder Mac-Iyalla, von Changing Attitude, einer Schwulengruppe innerhalb der Anglikanischen Kirche, mussten Nigeria wegen Todesdrohungen verlassen und haben in Großbritannien Asyl erhalten.

Im Januar 2014 hat Präsident Goodluck Jonathan die Same Sex Marriage (Prohibition) Bill unterschrieben, ein Gesetz, das seit Jahren in Nigeria diskutiert und den legislativen Kammern vorgelegt wurde. Dieses Gesetz stellt gleichgeschlechtliche Ehen unter Strafe und alle, die eine Hochzeitszeremonie durchgeführt oder gefördert haben. Es dehnt damit die strafrechtliche Verfolgung auch auf alle Unterstützer von Homosexuellen aus.

Das Gesetz kriminalisiert die Rede-, die Vereinigungs- und die Versammlungsfreiheit und die Tätigkeit vieler Menschenrechtsorganisationen und Organisationen der Zivilgesellschaft. Das Gesetz sieht eine 10-jährige Haftstrafe für jeden vor, der LGBTI unterstützt, sich mit ihnen trifft oder eine Gruppe zur Verfechtung ihrer Menschenrechte bildet.

Die Unterzeichnung des Gesetzes durch Staatspräsident Goodluck Jonathan wird als populistischer Akt gewertet, der seine Position für die nächste Präsidentenwahl stärken soll. Es hat die homosexuellenfeindliche Stimmung in Nigeria weiter angeheizt und bereits in den Tagen nach seinem Inkrafttreten wurden 10 Personen in verschiedenen nigerianischen Bundesstaaten, unter anderem in Anambra, Enugu, Imo und Oyo festgenommen. Amnesty International wurde berichtet, dass die Polizei in verschiedenen Bundesstaaten Listen von vermeintlichen Homosexuellen führt.