Aktivist_innen von Amnesty International Neuseeland bei der Pride Parade in Auckland, 16. Februar 2013, © Amnesty International
Aktivist_innen von Amnesty International Neuseeland bei der Pride Parade in Auckland, 16. Februar 2013, © Amnesty International

Neuseeland legalisiert die gleichgeschlechtliche Ehe

Was mir die Gleichstellung bei der Ehe bedeutet
Von Lexie Matheson, Dozentin und Projektleiterin an der Auckland University of Technology, für Amnesty International Neuseeland

AMNESTY INTERNATIONAL

NEWS SERVICE 074/2013

18. April 2013

Am Dienstag, dem 17. April, legalisierte Neuseeland als 13. Staat die gleichgeschlechtliche Ehe. Das Ehegleichstellungsgesetz (Marriage Amendment Bill) wurde in dritter Lesung mit 77 zu 44 Stimmen beschlossen und tritt im August 2013 in Kraft. Gleichgeschlechtliche und transsexuelle Paare werden dann heiraten dürfen.

Die Ehe bedeutet mir unglaublich viel.

Das war nicht immer so, doch als ich meine Frau kennenlernte, wurde mir klar, dass ich diesen Weg mit ihr gehen wollte. Es lief gut zwischen uns und trotz eines Altersunterschieds von 30 Jahren und der ungewöhnlichen Umstände bezüglich meiner Sexualität heirateten wir schließlich in Te Whare-Karakia o Hato Pateriki raua ko Hato Hohepa, auch bekannt als die katholische St. Patrick’s Cathedral in Auckland.

Es war uns möglich zu heiraten, weil meine Ehepartnerin Cushla eine natürliche Frau ist und ich biologisch ein Mann war, auch wenn ich mich als Frau identifizierte und zu diesem Zeitpunkt bereits mit der Geschlechtsangleichung (Transition) begonnen hatte. Rechtlich gesehen durften wir heiraten, weil ich laut meiner Geburtsurkunde männlich war, was ich aber nicht bin, und die Kirche uns behandelte wie jedes andere heterosexuelle Paar, obwohl sie von Anfang an von meinem Vorhaben wusste, geschlechtsangleichende Maßnahmen vornehmen zu lassen. Das war 2001. Damals war Gleichstellung bei der Ehe nur Zukunftsmusik für die neuseeländische Gesellschaft – wenn überhaupt.

Als meine Transition voranschritt und die bürokratischen und medizinischen Angelegenheiten besprochen wurden – Ausweis, Namensänderung, Führerschein, Hormontherapie, Testosteronblocker, Operation etc. –, da wurde deutlich: Wenn ich meine Geburtsurkunde ändern und den Transitionsprozess abschließen wollte, würde ich etwas einbüßen müssen. Entweder musste ich auf dem Papier ein Mann bleiben, obwohl ich im Grunde rund um die Uhr als Frau lebte, oder meine Ehefrau und ich mussten uns scheiden lassen, sodass ich eine familiengerichtliche Genehmigung zur Änderung meiner Geburtsurkunde erhalten und vollends zur Frau werden konnte.

Eine Entscheidung, die ich nicht treffen wollte – und doch war für mich von Anfang an klar, welchen Weg ich einschlagen würde, da meine Ehe und meine Familie in meinem Leben an erster Stelle stehen und mir wichtiger sind als alles andere.

Ja, Familie.

Meine letzte Handlung als zeugungsfähiger Mann war es, Elternteil eines wunderbaren Sohnes zu werden, der jetzt 10 Jahre alt ist.

Dreizehn Jahre lang lebten wir dieses ungewöhnliche Leben: Meine Ehepartnerin, eine lesbische Frau, verheiratet mit einer Fa’afafine, die rechtlich ein Mann bleiben oder aber sich scheiden lassen musste, um die Formalitäten abzuschließen, und ein Sohn mit einer Mum und einer Mumsie – ein Name, den sich unser Kleiner für mich ausgesucht hat.

Ein gutes, ein angenehmes Leben – jedoch noch nicht vollkommen.

Dann, aus dem Nichts, kam Louisa Wall mit ihrem “Marriage (Equality) Amendment Bill” (Ehegleichstellungsgesetz), das uns von all den Anomalitäten befreien und anderen gleichgeschlechtlichen Paaren die Heirat ermöglichen wird. Ich werde bei Gericht eine Änderung meiner Geburtsurkunde von „männlich“ zu „weiblich“ beantragen können, ohne den furchtbaren Schritt der Scheidung gehen zu müssen, meine Frau kann eine rechtsgültige Beziehung zu einer Frau führen und unser Sohn, der niemals ein Problem damit hatte, zwei Mamas zu haben, kann dann endlich spüren, dass seine Familie komplett ist.

Ein Gewinn für alle.

Ich verstehe nicht, warum irgendjemand anderes davon betroffen sein sollte, dass meine Frau und ich verheiratet sind. Schließlich ist es ganz allein unsere Ehe. Punkt, aus, Schluss.

Wenn mich etwas traurig macht, dann ist es die Art, wie viele Kirchen auf das Gesetz reagiert haben, und die boshaften Worte, die man in diesem Zusammenhang hören konnte. Für mich geht es bei der Ehe nicht um Gott oder die Bibel oder irgendjemand anderen als meine Frau und mich. Es geht um unser Versprechen, einander zu lieben, unser Versprechen, für einander zu sorgen. Unsere Ehe beruht auf unserer Hingabe für die Familie, die wir gegründet haben und die letztendlich nicht anders ist als andere Familien. Eine Eingetragene Partnerschaft ist uns einfach nicht genug und war es auch nie. Für uns war von Anfang an klar: Ehe oder gar nichts.

Ich bin Louisa und dem Parlament dankbar und all den Menschen, die dieses Gesetz unterstützt haben. Ich respektiere diejenigen, die dagegen gestimmt haben, weil ich weiß, dass viele stark an ihren Überzeugungen hängen, und ich hoffe, dass sie die Entscheidung des Parlaments irgendwann reinen Gewissens akzeptieren können und dann mit uns gemeinsam diesen kleinen Schritt hin zu einer noch gerechteren Gesellschaft feiern.

Namaste.