Schwul-lesbische Organisation Tavilam (Schicksal)

Im April 1999 gründete sich in Ulaan Bataar, der mongolischen Hauptstadt, die schwul-lesbische Organisation Tavilam (Schicksal). Im November 1999 war ein Mitglied von Tavilam bei ai-2918-Mitglied Claudia Koltzenburg in Hamburg zu Besuch.

Während dieser Woche bot sich u.a. die Gelegenheit, im Politikunterricht einer Gesamtschule die Arbeit von ai aus lesbisch-schwuler Perspektive vorzustellen. Das Interview entstand bei den Vorbereitungen dafür.

Unser Gast möchte seinen Namen nicht veröffentlichen, also nennen wir ihn Idre. In englischer Sprache von Idre autorisiert, stammt die Übersetzung von der Interviewerin.

Claudia: Im heutigen mongolischen Recht wird Homosexualität nicht erwähnt also ist es nicht illegal lesbisch oder schwul zu leben Warum habt Ihr Eure Organisation gegründet ?

Idre: Ja, es gibt triftige Gründe für unsere Organisation: Im Dezember 1998 wurde ein Schwuler ermordet. Gleich darauf begann die Polizei alle Schwulen zu verfolgen und zu inhaftieren, die ihr in der Mongolei bekannt waren. Also gibt es Belästigungen durch die Polizei.

Claudia:Auch für Lesben?

Idre: Ja. Dann wurde im Februar ein 19jähriger Schwuler in einem unfairen Zeitungsartikel geoutet, indem ein aktuelles Foto mit seinem vollen Namen verwendet und Unwahrheiten über ihn verbreitet wurden. Das war eine schwere Schädigung für alle, denn erstens ist Homsexualität tabu und zweitens sind mongolische Leute sehr diskret, was ihr Privatleben angeht. Also fanden wir uns zusammen, weil wir über diesen urimoralischen Umgang mit einem von uns sehr verärgert waren.

Claudia: Wie arbeitet Eure Organisation ?

Idre: Wir unterstützen Schwule und Lesben, indem wir ihnen Informationen geben. Wir helfen uns gegenseitig in der coming-out-Phase und bieten Rat, wenn es Probleme mit Freunden und Familie gibt. Wir haben ein Büro im Zentrum der Hauptstadt, das nur Schwulen und Lesben bekannt ist, denn draussen hängt kein Schild. Treffen tun wir uns dort oder bei Freunden. Gruppentreffen finden draussen statt, sobald es dunkel geworden ist. Im Juli 1999 veranstalteten wir ein Wochenendseminar über safer sex und HIV/AIDS-Prävention. Das war sehr schwierig zu organisieren, aber wir fanden einen sehr netten indischen Hetero, dem wir vertrauten und der unsere Namen geheimhielt. 20 Männer nahmen teil.

Claudia: Wle viele Mitglieder hat Taviam und wie gewinnt Ihr neue?

Idre: Seit April ist unsere Organisation ständig gewachsen und wir haben etwa 150 Mitglieder, 5 davon Lesben. Im Mai hatten wir nämlich großes Glück und konnten einen positiven Interview-Artikel in einer mongolischen Zeitung platzieren. Darin erklärten wir der allgemeinen Bevölkerung, dass Homosexualität natürlich ist. Die meisten neuen Mitglieder meldeten sich auf diesen Artikel hin und sagten, sie seien sehr froh, von uns zu erfahren.

Claudia: Was habt Ihr als Nächstes vor?

Idre: Es gibt ein asiatisches Netzwerk von Lesben und Schwulen, das sich letztes Mal auf den Philippinen traf. Aus der Mongolei nahmen drei Beamte teil. Das nächste Mal wollen wir Mitglieder unserer Organisation hinschicken können, damit sie für sich selbst sprechen. 

TAVILAM

zu deutsch: Schicksal 
gegründet: 30.06.99
Mitglieder: 150 
Ziele: Schutz und Förderung der Rechte von Schwulen und Lesben in der Mongolei


Adresse:
PO. Box 405,
Ulaanbaatar 210644,
Mongolei 
E-Mail: idre9[at]hotmail.com