"Art Speaks Louder Than Words": Künstler_innen für LGBTI-Rechte in Russland © Phil Wheeler / Anna Goodson Illustration Agency
"Art Speaks Louder Than Words": Künstler_innen für LGBTI-Rechte in Russland © Phil Wheeler / Anna Goodson Illustration Agency

Russland: Ein Jahr nach der "Schwulensäuberung" in Tschetschenien gibt es noch immer keine Gerechtigkeit für die Opfer

Die russischen Behörden haben keine wirksamen Maßnahmen gegen die gewalttätige Verfolgung schwuler Männer in Tschetschenien ergriffen, sagte Amnesty International ein Jahr nach der Aufdeckung einer Reihe von homophoben Verbrechen in der südlichen Republik.

AMNESTY INTERNATIONAL

PRESSEMITTEILUNG

4. April 2018

Ein Bericht der Zeitung Nowaja Gazeta enthüllte eine erschreckende "Schwulen-Säuberung" in Tschetschenien, bei der Dutzende Männer entführt, gefoltert und getötet wurden. Bis heute wurde jedoch nicht eine Person für diese Verbrechen zur Rechenschaft gezogen.

"Vor einem Jahr wurde diese schockierende Nachricht aus Tschetschenien von der russischen Regierung lächerlich gemacht und verneint. Seitdem haben wir ein schockierendes Ausmaß von Verleugnung, Ausflüchten und Untätigkeit der Behörden erlebt, die sich wiederholt geweigert haben, eine offizielle Untersuchung der berichteten abscheulichen Verbrechen einzuleiten. Die glaubwürdigen Beweise der Novaya Gazeta und anderer werden stattdessen ignoriert ", sagte Denis Krivosheev, stellvertretender Direktor für Osteuropa und Zentralasien bei Amnesty International.

Die Opfer dieser Verbrechen mussten sich auf die Menschenrechtsgemeinschaft Russlands verlassen, die den Menschen, die in Tschetschenien verfolgt und von den Behörden in Russland ignoriert wurden, Unterstützung und Sicherheit geboten haben.

Die unermüdliche Arbeit von Menschenrechtsverteidiger_innen, unter anderem aus dem russischen LGBT-Netzwerk, hat dazu geführt, dass 116 Menschen aus Tschetschenien sicher ausreisen konnten. Davon haben 98 Personen Russland verlassen.

Igor Kochetkov, Gründer und Ratsmitglied des russischen LGBT-Netzwerks, sagte: "Im vergangenen Jahr haben das russische LGBT-Netzwerk und die Nowaja Gaseta die Arbeit übernommen, die der Staat leisten sollte. Wir haben die Sicherheit der Opfer sichergestellt und ihre Aussagen gesammelt und veröffentlicht.

"Aber wir können keine Untersuchung einleiten und die strafrechtliche Verfolgung der Täter sicherstellen. Die russischen Behörden wollen das anscheinend nicht tun."

Amnesty international appelliert erneut an die russischen Behörden, die Berichte über Entführungen, geheime Inhaftierungen, Folterungen und Tötungen von Männern, die in der tschetschenischen Republik als schwul angesehen wurden, umgehend und wirksam zu untersuchen.

Sie müssen unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit von LGBTI-Personen in der Region und anderswo in Russland zu gewährleisten.