„Soziale Säuberungen“: Gewalt gegen Lesben in Kolumbien

Lesben, Schwule, Bisexuelle, HIV-Positive und Prostituierte stehen zunehmend im Fadenkreuz der Paramilitärs und Guerillas. Diese Menschen werden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität sowie bei dem Verdacht einer HIVInfektion von den am Bürgerkrieg beteiligten Gruppen verfolgt und terrorisiert.

Seit über 40 Jahren herrscht in Kolumbien ein bewaffneter Bürgerkrieg. Die am Konflikt beteiligten Rebellenorganisationen wie die Organisation FARC (Fuerza Armada Revolucionaria de Colombia) und die von den staatlichen Sicherheitskräften unterstützten Paramilitärs verbreiten seit Jahrzehnten Angst und Schrecken unter der Zivilbevölkerung.

Die Paramilitärs werden oft von den staatlichen Sicherheitskräften unterstützt. Täglich verschwinden Menschen aus ihren Dörfern, Frauen werden vergewaltigt, missbraucht und ermordet. Mit so genannten sozialen Säuberungen gehen die bewaffneten Konfliktparteien vor allem gegen marginalisierte gesellschaftliche Gruppen vor und verfolgen damit das Ziel,„sozial Unerwünschte“ aus der kolumbianischen Gesellschaft zu eliminieren.

Lesben, Schwule, Bisexuelle, HIV-Positive und Prostituierte stehen zunehmend im Fadenkreuz der Paramilitärs und Guerillas. Diese Menschen werden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität sowie bei dem Verdacht einer HIVInfektion von den am Bürgerkrieg beteiligten Gruppen verfolgt und terrorisiert. Morddrohungen und die Durchsetzung kostenpflichtiger HIV-Zwangstests schaffen ein Klima des Terrors.

Immer wieder werden Frauen gezwungen, ihre Häuser und Dörfer zu verlassen oder sich rigiden Verhaltensregeln zu unterwerfen. Bei ihrem gewaltsamen Vorgehen gegen Homosexuelle und Frauen, die nicht den gängigen Geschlechtsstereotypen entsprechen, stützen sich die Rebellenorganisationen und Paramilitärs auf patriarchalische Wertvorstellungen und tradierte Geschlechtsstereotypien.

In ihren Machtbereichen verfolgen sie die Kontrolle des Verhaltens der Frauen etwa durch Kleiderordnungen und Sperrstunden und greifen vehement in die Privatsphäre ein. Die Bereiche Sexualität und Fortpflanzung werden wie in anderen militärischen Konflikten zu brutalen Kriegsschauplätzen, und der Körper der Frau wird als militärisches Ziel missbraucht.

Sexistische und homophobe Einstellungen sind in der kolumbianischen Bevölkerung noch weit verbreitet, obwohl die rechtlichen Grundlagen zur Bekämpfung der Diskriminierung von Homosexuellen und damit der gleiche Rechtsschutz für alle Personen unabhängig ihrer Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Minderheit bereits seit dem Jahr 1980 in Kolumbien nach und nach geschaffen wurden.

Die Menschenrechtslage sexueller Minderheiten in Kolumbien und die Akzeptanz sexueller Verschiedenheit verschlechtert sich zunehmend mit der Verschärfung sozialer Spannungen und den anhaltenden Gräueltaten der Bürgerkriegsparteien.

MERSI setzt sich daher im Rahmen der weltweiten ai-Kampagne „Hinsehen & Handeln - Gewalt gegen Frauen verhindern“ für den Schutz der Frauen und insbesondere Lesben in Kolumbien ein und fordert die Regierung Kolumbiens auf, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit Verbrechen aufgeklärt und die Täter bestraft werden sowie damit die Opfer Unterstützung erhalten.

Quellen:
http://www.amnestyusa.org,
http://www.amnesty.de,
http://www.kolumbien-aktuell.ch,
http://www.usofficeoncolombia.org

Weitere Informationen zur Kampagne „Hinsehen & Handeln: Gewalt gegen Frauen verhindern“ und zur Situation der Frauen in Kolumbien:

Die ai- Reportage „Zersprengtes Leben – Straftaten gegen Frauen in Zeiten des Konflikts“

Document of Amnesty International AMR 23/040/2004 (Oct. 2004): Colombia - "Scarred bodies, hidden crimes": Sexual Violence against women in the armed conflict:

http://www.amnesty.org