Zur Lage Homosexueller in Kamerun

Das Strafgesetzbuch von Kamerun verbietet gleichgeschlechtliche Sexualbeziehungen. Nach Paragraph 347a kann jede Person, die sexuelle Beziehungen zu einer Person des gleichen Geschlechts führt, mit Gefängnisstrafen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren und mit einer Geldstrafe zwischen 20.000 und 200.000 CFA Francs (ca. 27 bis 270 €) bestraft werden. Amnesty International betrachtet Personen, die auf dieser Gesetzesgrundlage inhaftiert werden, als politische Gefangene und fordert ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.

Amnesty International und andere Menschenrechtsorganisationen riefen die kamerunischen Autoritäten wiederholt auf, Homosexualität zu entkriminalisieren und die Rechte von Lesben und Schwulen zu schützen. In seiner Antwort auf einen Brief der New Yorker Menschenrechtsorganisation für Lesben und Schwule (International Gay and Lesbian Human Rights Commission, IGLHRC) bzgl. der elf im Jahr 2005 verhafteten Männer, schrieb der kamerunische Vizepräsident und Justizminister am 23. Januar 2006, es sei ein Vorrecht des Staates, die Freiheit zugunsten des Schutzes der öffentlichen Moral einzuschränken. Der Minister fügte hinzu, „wegen der afrikanischen Kultur , ist Homosexualität kein akzeptierter Wert der kamerunischen Gesellschaft“.

Am 13. März 2006 wurden zwölf junge Frauen vom Eyengué Nkongo College von Deido Plage in Douala suspendiert und von der Polizei festgenommen, nachdem die Großmutter von einer von ihnen sich beschwert hatte, dass eine junge Frau ihre Tochter zu lesbischem Geschlechtsverkehr irreleiten würde. In der Folge wurden vier junge Frauen verhaftet und im New Bell Gefängnis in Douala inhaftiert. Sie wurden vom Gericht schuldig gesprochen, gleichgeschlechtliche Beziehungen ausgeübt zu haben. 

Am 7. Juni 2006 wurden sie freigelassen, nachdem das Gericht eine dreijährige Strafe zur Bewährung ausgesetzt hatte und eine Geldstrafe von 25.000 CFA Francs (ca. 34 €) verhängt hatte. Das Gericht stellte eine sechsmonatige Haftstrafe in Aussicht, sollten sie nochmals eine gleichgeschlechtliche Beziehung eingehen. Die jungen Frauen durften nicht zurück an die Schule und es ist unklar, ob sie ihre Ausbildung in einer anderen Schule fortsetzen konnten. Nach dem Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, den auch Kamerun unterzeichnet hat, ist für jede Person eine höhere Schulbildung zu gewährleisten.

Amnesty International ist darüber besorgt, dass lediglich aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher einvernehmlicher, gleichgeschlechtlicher sexueller Beziehungen Männer und Frauen in Kamerun verhaftet und verurteilt werden. Amnesty International ist außerdem sehr besorgt über die weit verbreitete Homophobie in Kamerun und fordert die kamerunischen Behörden, zivile und religiöse Organisationen sowie die Medien auf, die Menschenrechte aller Bürger Kameruns, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung zu wahren, zu respektieren und zu schützen.

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