Vincy ist eine aufstrebende Musiker_in in Hong Kong. Vincy benutzt für sich das Pronomen „sie“(„they“), um ihre nicht-binäre, Trans*identität zum Ausdruck zu bringen, © Amnesty International
Vincy ist eine aufstrebende Musiker_in in Hong Kong. Vincy benutzt für sich das Pronomen „sie“(„they“), um ihre nicht-binäre, Trans*identität zum Ausdruck zu bringen, © Amnesty International

Hong Kong: mehr Aufklärung über Trans*-Themen nötig

Vincy ist eine aufstrebende Musikerin in Hong Kong. Vincy benutzt für sich das Pronomen "sie"("they"),um ihre nicht-binäre Trans*identität zum Ausdruck zu bringen. Sie sind 25 Jahre alt, kümmern sich nicht wirklich um den Valentinstag und werden ihn dieses Jahr möglicherweise gar nicht feiern.

Wie ist dir deine Geschlechtsidentität bewusst geworden?

Im Sommer 2015 ist mir klar geworden, dass ich trans* bin. Zu dieser Zeit habe ich einen heterosexuellen Mann gedatet und dieser fragte mich eines Tages, ob ich mich als gender-fluid queer bezeichenen würde. Seitdem lese ich viel mehr über das Thema und rede mit meinen nicht-binären Trans*Freund*innen darüber.

Hast du das Gefühl, dass es seit deinem Coming Out schwieriger geworden ist, Partner_innen zu finden?

Ich habe mich von meinem Ex-Freund ein paar Wochen nach meinem Coming Out getrennt. Er war ziemlich progressiv, aber es gab Schwierigkeiten, die wir nicht überwinden konnten.Er hat mir oft Fragen gestellt, die ich als starken Eingriff in meine Persönlichkeitssphäre und als unangenehm wahrgenommen habe. Als wir zusammen kamen, war ich femininer, hatte langes Haar und trug Kleider. Im Laufe der Beziehung habe ich dann damit begonnen, mich maskuliner anzuziehen. Ich denke, dass meine Erkenntnis, trans* zu sein, auf jeden Fall unsere Beziehung verändert hat.

Es ist für mich schwieriger mit der Liebe geworden in Hong Kong, wo nach außen sichtbare Beziehungen sehr cisgender [wenn die Art und Weise, wie eine Person ihre Geschlechtsidentität definiert und zum Ausdruck bringt, mit dem Geschlecht übereinstimmt, das der Person bei Geburt zugewiesen wurde] und heteronormativ [die Annahme oder Propagierung von Heterosexualität als Normalzustand] sind. Sogar in der LGBT-Community sind diejenigen, die nach außen sichtbar in Erscheinung treten, schwule und lesbische Cisgender-Personen. Viele Leute empfinden den Umgang mit mir als sehr verwirrend, weil sie nicht wissen, wie sie mich einordnen sollen: bin ich nun männlich oder weiblich? Manchmal sehe ich die Verwirrung in ihren Gesichtern. Wenn Leute immer Zweifel haben, ist es schwierig mit ihnen intim in Kontakt zu kommen.

Aktuell date ich jemanden. Wenn wir ausgehen, halten uns viele Leute entweder für ein schwules oder lesbisches Paar. Wir werden ein bisschen angestarrt, vor allem an Tagen, an denen ich mich eher männlich kleide oder an denen ich nicht viel Makeup trage. Ich weiß es zu schätzen, dass es ihm egal ist, ob die Leute uns anstarren. Wir machen einfach unser Ding und wir fühlen uns gut dabei. Es bedeutet mir sehr viel, dass wir ausgehen können und uns nicht vor der Öffentlichkeit verstecken müssen.

Was müsste getan werden, um Trans* Personen ein angenehmeres Leben in Hong Kong zu ermöglichen?

Es braucht mehr Aufklärung allgemein über Trans*-Themen in Hong Kong. Da die Queer-Community in den Medien sichtbarer wird, brauchen wir auch eine positive Darstellung der Trans*-Community.

Ich würde gerne mehr positive Darstellungen von Trans*-Personen im Film und Fernsehen sehen, beispielsweise sollten die Leute aufhören, sich über Männer lustig zu machen, die Kleider tragen, das ist nicht lustig. Da gibt es viele kleine Dinge, die das Leben von Trans*-Personen einfacher machen würden.

Das ist zwar heute noch ein Wunschtraum, aber ich hoffe, dass wir dies auf lange Sicht erreichen können.

Kannst du uns kurz etwas über dein Engagement für Trans*-Rechte in Hong Kong erzählen?

Ich gebe mein Bestes, um Genderthemen, wenn auch nicht spezifisch Trans*-Themen, anzusprechen, wenn ich meine Musik promote. Solche Gespräche sind zunächst schwierig, da viele Leute davon ausgehen, es gäbe gar kein Problem.

Es ist schon schwer genug, die Gleichberechtigung von Frauen in der Musikindustrie anzusprechen, geschweige denn in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Bis jetzt sind die Menschen, mit denen ich eng zusammen gearbeitet habe, eher progressiv und aufgeschlossen, aber oft genug ist es schwierig, Trans*-Rechte in der Musikszene anzusprechen.