© Julia Bereciartu/Anna Goodson Illustration Agency http://www.agoodson.com
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Russland muss die maskierten Angreifer nach heimtückischem homophoben Angriff ausfindig machen

Amnesty International fordert von den russischen Behörden, umgehend die Verantwortlichen für einen brutalen homophoben Übergriff in Sankt Petersburg aufzufinden und vor Gericht zu bringen. Bei dem Angriff wurden zwei Menschen verletzt; einer von ihnen erblindete auf einem Auge.


4. November 2013

Den Angaben von Aktivist_innen in Sankt Petersburg zufolge überfielen am Sonntagabend zwei maskierte, mit Luftgewehren und Baseballschlägern bewaffnete Männer das Büro von LaSky, einer Nichtregierungsorganisation, die Homosexuellen mit HIV Unterstützung bietet.

„Dieser neueste hinterhältige Angriff ist auf traurige Weise bezeichnend für die im heutigen Russland so weit verbreitete Homophobie. Wenn nichts getan wird, um diesem Hass Einhalt zu gebieten, müssen wir mit weiteren Gewalttaten rechnen“, sagt Denis Krivosheev, stellvertretender Direktor für Europa und Zentralasien bei Amnesty International.

„Die russischen Behörden müssen die Verantwortlichen für diese Gewaltverbrechen aufspüren, verhören und strafrechtlich verfolgen. Russlands Präsident Putin hat öffentlich bekanntgegeben, dass bei den kommenden Olympischen Winterspielen in Sotschi das Land alle lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen und intersexuellen (engl. LGBTI) Aktivist_innen willkommen heißen werde, doch solche Versprechen wirken leer angesichts der nicht enden wollenden Hassdelikte.“

Berichten zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft Sankt Petersburg nun wegen Rowdytums.

„Es handelt sich hier um einen ernst zu nehmenden, gewalttätigen Überfall mit schwer Verletzten, der auch tödlich hätte enden können. Die Verantwortlichen müssen hierfür in vollem Umfang die rechtlichen Konsequenzen tragen“, so Denis Krivosheev.

Der Angriff auf LaSky ereignete sich während einer sogenannten „Coffee Party“, einer wöchentlichen Versammlung junger LGBTI und Heterosexueller mit dem Ziel, Toleranz und Verständnis herzustellen. Etwa 25 bis 30 Personen waren bei der Versammlung am Sonntag anwesend.

Der gewaltsame Angriff erschütterte die LGBTI-Gemeinden sowohl in Sankt Petersburg als auch in ganz Russland.

Anastasia Smirnova vom russischen LGBTI-Netzwerk teilte den Medien mit, dass Polizist_innen am Tatort erschienen seien, jedoch kurz darauf wieder gingen, da sie „keine Anhaltspunkte für ein Verbrechen sahen“.

Amnesty International konnte jedoch durch die Information eines lokalen Aktivisten bestätigen, dass zwei Menschen verletzt wurden und einer von ihnen auf einem Auge erblindete. Der Aktivist, der anonym bleiben möchte, sagte, der Angriff habe noch weiter zur ängstlichen und angespannten Stimmung in der LGBTI-Gemeinde beigetragen.

Vor einigen Monaten hat Russland ein vage formuliertes Gesetz für die gesamte russische Föderation verabschiedet, das die Diskriminierung von LGBTI-Personen und einer Reihe von Organisationen, die sich für LGBTI-Rechte in Russland einsetzen, institutionalisiert.

Das Gesetz schränkt die Rechte auf Redefreiheit und Versammlung der LGBTI-Personen ein und hat landesweit bei Bürgerwehren eine Welle von Gewalt ausgelöst. „Die russischen Behörden müssen dieses homophobe Gesetz unverzüglich zurückziehen“, fordert Denis Krivosheev.