Keine Homophobie an Polens Schulen!

MERSI veranstaltet Schulunterricht am Internationalen Tag gegen Homophobie.

Ende Mai fügte Polens Regierungsbeauftragte für Kinderrechte Ewa Sowinska der jüngsten Geschichte homophober Hetzkampagnen in Polen ein neues Kapitel hinzu und manövrierte „Tinky Winky“ in die Hauptnachrichten: Sie äußerte die Befürchtung, dass die Teletubbies-Figur, welche bevorzugt in lilafarbenem Strampelanzug und mit schwarzer Handtasche auftritt, „homosexuelle Werte“ vermitteln könne. Auch die Gruppe Menschenrechte und sexuelle Identität von amnesty international zeigte sich in diesem Monat besorgt – allerdings weniger über die vermeintlich queeren Subtexte der Teletubbies als vielmehr über das vorherrschende Klima der Intoleranz gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender im Nachbarland. 

„Keine Homophobie an Polens Schulen!“ Unter diesem Motto hielt die Berliner MERSI-Gruppe am Internationalen Tag gegen Homophobie, dem 17. Mai, eine Art Schulstunde vor dem Polnischen Kulturinstitut ab und wandte sich gegen die Forderung von Polens Bildungsminister Roman Giertych, „homosexuelle Propaganda“ an Schulen zu verbieten. Nahe der Museumsinsel drückten Aktivistinnen und Aktivisten, darunter die glamouröse Drag Queen Chicago Rose sowie Volker Beck, menschenrechtspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, nochmals die Schulbank und brüteten über einer Klassenarbeit mit kniffeligen Fragen wie z.B.: „Welche Organisation rügte die polnische Regierung für die Diskriminierung von Homosexuellen? Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte oder der Vatikan?“. Lehrerinnen und Lehrer aus den Reihen der Schwulen Lehrergruppe und der AG Lesben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gestalteten den Unterricht und unterstützten die MERSI-Aktion tatkräftig.

Etwa 60 Personen nahmen an der Versammlung teil, neben etlichen gesammelten Unterschriften gehörte ein moderates Medieninteresse zu den Resultaten. Die taz berichtete ausführlich über die „Schulstunde gegen Homophobie“, weitere Meldungen brachten Radio Pride, Siegessäule und vereinzelt polnische Medien – ein kleiner Erfolg, der freilich nicht mit der internationalen Medienresonanz auf das Outing Tinky Winkys durch polnische Regierungsbehörden konkurrieren kann. Mittlerweile wurde der Teletubby-Held von deren Seite als unbedenklich ausgewiesen, MERSI hingegen bleibt besorgt über die Situation von LGBT im Nachbarstaat.

Florian Krauß

IDAHO – International Day against Homophobia:

Der Internationale Tag gegen Homophobie wird am 17. Mai gefeiert und fordert Respekt für Lesben und Schwule weltweit ein. Das Datum wurde zur Erinnerung an den 17. Mai 1990 gewählt, der Tag, an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel strich.