Ecuador - Sorge um Sicherheit/Morddrohungen

Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, die sich für die Rechte von Homo-, Bi- und Transsexuellen einsetzen, darunter die Organisationen: „Quitogay“ in Quito, „Equidad“ in Quito, „Fundación Amigos por la Vida“ in Guayaquil, „Fundación Ecuadoriana de Minorías Sexuales“ in Guayaquil

Eine homophobe Gruppe hat erklärt, sie werde im April 2001 damit beginnen, Mitglieder der Menschenrechtsorganisation „Quitogay“ zu töten und auch die übrigen Homosexuellen, Bisexuellen und Transsexuellen umbringen. In jüngster Zeit sind außerdem Polizisten beschuldigt worden, Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung gefoltert und mit dem Tode bedroht zu haben. amnesty international befürchtet, dass Mitglieder der oben genannten Organisationen sowie andere Bürger Ecuadors aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in großer Gefahr sind.

Die in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito ansässige Menschenrechtsorganisation „Quitogay“, die sich für die Rechte von Angehörigen sexueller Minderheiten einsetzt, hat am 23. März 2001 eine Drohung per E-Mail erhalten, in der es hieß: „Nach langwierigen Recherchen haben wir herausgefunden, wer ihr seid, wie ihr lebt und wo ihr arbeitet und [kennen] den ganzen Mist, mit dem ihr euch beschäftigt (...) [wir] haben entschieden, den menschlichen Abschaum, den ihr darstellt, auszulöschen, damit unser Land als Vorbild in der Welt angesehen werden kann und wir nichts mit perversen Tunten zu tun haben.“ (“luego de arduas jornadas de investigación podemos saber quienes son ustedes, como viven y en que trabajan, sobre todo las huevadas en las que andan metidos ... se ha resuelto... se elimine esta basura humana ... así este país sea bien visto y un ejemplo para el mundo, y no andemos por ahí topándonos con tanto maricón pervertido.”).

In der Nachricht wurden die von „Quitogay“ unterstützten Personen als „geistig Behinderte, Schwuchteln und menschlicher Abschaum“ (desequilibrados mentales, maricones and basura humana) beschimpft. Die Verfasser der Nachricht warfen Homo-, Bi- und Transsexuellen außerdem vor, Krankheiten zu verbreiten. Die Verfasser erklärten, sie wollten eine „vollständige soziale Säuberung [erreichen] ... wir sind gut organisiert ... diese soziale Säuberung durchzuführen ... weil wir so leben müssen, ohne euch und ohne die Gefahr, dass unsere Kinder eurem verdammten Beispiel folgen.“ (... la limpieza sera total ... [nosotros] estamos bien organizados ... para efectuar esta limpieza total ... porque así se debe vivir sin ustedes y sin el riesgo de que nuestros niños sigan su maldito ejemplo).

Obwohl diese massiven Drohungen direkt an die Mitglieder von „Quitogay” und sexuelle Minderheiten gerichtet waren, war in der Nachricht von einer „sozialen Säuberung des gesamten Landes” die Rede. Zur selben Zeit sollen Polizisten homo-, bi- und transsexuelle Bürger Ecuadors gefoltert und mit dem Tode bedroht haben. Laut Angaben von Menschenrechtsorganisationen sind in den vergangenen sechs Monaten allein in Guayaquil 60 Angehörige sexueller Minderheiten willkürlich festgenommen worden. Organisationen, die sich für die Rechte von Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden, einsetzen, haben diese und andere Vorfälle bei den Behörden zur Anzeige gebracht. Bislang konnten aber nur wenige Fortschritte erzielt werden. Auch amnesty international beobachtet diese Vorfälle mit großer Sorge.

Als im Januar dieses Jahres Polizisten vorgeworfen wurde, Angehörige sexueller Minderheiten schikaniert zu haben, gingen Mitglieder der Organisation „Fundación Ecuadoriana de Minorías Sexuales“ zur Polizeizentrale, um die verantwortlichen Polizisten zu identifizieren. Als sie hineingingen, drohte ihnen ein Polizist damit, sie zu töten, wenn sie eine Aussage machten.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Seit 1997 stehen einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen in Ecuador nicht mehr unter Strafe. Die Verfassung des Landes schreibt vor, dass alle Menschen ohne Diskriminierung wegen ihrer sexuellen Orientierung als gleich angesehen werden und die gleichen Rechte, Freiheiten und Chancen haben (Artikel 23, Absatz 3). Darüber hinaus schreibt ein am 24. Juni 1998 unterzeichnetes Exekutivdekret zur Umsetzung des Menschenrechtsplans der Regierung vor, dass die Regierung sicherstellen soll, dass Vertreter der Sicherheitskräfte niemanden aufgrund seiner sexuellen Orientierung verfolgen oder schikanieren. (Artikel 26)

Als die Organisation „Fundación Amigos por la Vida“ jedoch im Juni 2000 einen von den Behörden genehmigte Kundgebung für die Rechte von Schwulen und Lesben organisierte, wies der Polizeichef von Guayas die Polizei an, die Kundgebung aufzulösen, bevor der Marsch begonnen hatte. Offenbar folgte er damit den Anweisungen des Gouverneurs von Guayas. Berichten zufolge umstellte die Polizei die Kundgebungsteilnehmer, setzte Tränengas ein und verhinderte so die Veranstaltung.

EMPFOHLENE AKTIONEN: 

Schreiben Sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie

Ihre Sorge um die Sicherheit der Mitglieder der oben genannten Organisationen zum Ausdruck bringen;

 die Behörden auffordern, alle erforderlichen Maßnahmen einzuleiten, damit die betroffenen Organisationen ihre legitime Arbeit fortsetzen können;

 die Behörden bitten, sofort eine umfassende Untersuchung der Einschüchterungen und Drohungen einzuleiten, die Ergebnisse der Ermittlungen zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

APPELLE AN:

Dr. Juan Manrique Martínez, Ministro de Gobierno y Policía, Ministerio de Gobierno y Policía,
Espejo y Benalcázar, Quito, REPUBLIK ECUADOR
(Innenminister - korrekte Anrede: Señor Ministro)
Telefax: (00 593) 2-580 067

Ing. Jorge Guillermo Molina Nuñez, Inspector General de la Policía Nacional
Ramírez Dávalos 612 y Av. 10 de Agosto, Quito, REPUBLIK ECUADOR
(Polizeichef - korrekte Anrede: Señor Inspector General)
Telefax: (00 593) 2 508 724

KOPIEN AN:

Equidad Quito, Rabida N 26-32 y Santa María, Quito, REPUBLIK ECUADOR (Menschenrechtsorganisation)
E-Mail: equidad@ecuanex.net.ec

Quitogay (Menschenrechtsorganisation)
E-Mail: quitogay@quitogay.com

Fundación Amigos por la Vida, Pedro Carbo 1106 y Colón, 10º piso, Guayaquil, REPUBLIK ECUADOR (Menschenrechtsorganisation)

 E-Mail: famivida[at]yupi.com
Kanzlei der Botschaft der Republik Ecuador, Kaiser-Friedrich-Str. 90, I. OG., 10585 Berlin
(S.E. Dr. h. c. Werner Moeller-Freile)
Telefax: 030-3478 7126; 030-3478 7127 
E-Mail: mecuadoral@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 11. Mai 2001 keine Appelle mehr zu verschicken.

UA-073/2001
Index: AMR 28/010/2001
Datum: 29. März 2001