Ecuador - Morddrohungen

Patricio Ordóñez Maico, 27 Jahre alt, und andere Mitglieder der Stiftung „Fundación Amigos por la Vida“

Ein homosexueller Mann, der eine Beschwerde wegen Polizeiübergriffen eingereicht hatte, ist eine Woche, nachdem er bei einem internationalen Menschenrechtstreffen eine Zeugenaussage gemacht hatte, nur knapp einem Mordanschlag entronnen.

Patricio Ordóñez Maico ist Mitglied der in Guayaquil ansässigen nichtstaatlichen Organisation „Fundación Amigos por la Vida“, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen einsetzt. Am 12. März 2004 gelangte ein Eindringling in das Gebäude der „Fundación Amigos por la Vida“ und griff Patricio Ordóñez Maico von hinten mit einem Messer an. Das Opfer konnte sich jedoch wehren, wobei das Messer zerbrach. Daraufhin zog der Täter eine Pistole und drohte damit, den Mann zu erschießen und beschimpfte ihn. Während des Kampfes fiel ihm jedoch die Waffe zu Boden, und Patricio Ordóñez Maico gelang die Flucht. Der Angreifer floh ebenfalls und ließ das zerbrochene Messer und die Pistole zurück. Patricio Ordóñez Maico erlitt Verletzungen an Brust und Rücken und reichte später eine Beschwerde bei der Kriminalpolizei in Guayaquil ein. Obwohl sich Wertgegenstände im Büro befanden, entwendete der Angreifer nichts, was eher auf einen versuchten Mord als auf einen vereitelten Raub schließen lässt.

Patricio Ordóñez war im Mai 2001 und im Juni 2001 in der Hauptstadt Quito von Beamten der Nationalpolizei willkürlich festgenommen und misshandelt worden. Im ersten Fall wurde er von einem Polizeibeamten sexuell missbraucht. Er flehte den Beamten an, es nicht zu tun, und dieser hörte auf und drohte ihm damit, dass er ihn erschießen und in den Fluss Manchagara werfen werde, sollte er eine Beschwerde gegen die Polizei einreichen. Im Juni 2001 reichte Patricio Ordóñez dennoch bei der Kriminalpolizei eine Beschwerde ein. (siehe auch die ai-Pressemeldung: „Ecuador: Anspruch und Wirklichkeit“ vom 3. April 2002).

Patricio Ordóñez Maico hat seitdem mehrere Morddrohungen erhalten. Am 25. Februar 2002 erschien, während er mit Freunden in einem Restaurant aß, einer der von ihm beschuldigten Polizeibeamten, und drohte damit, ihn umzubringen, falls er seine Beschwerde nicht zurückziehe. Patricio Ordóñez reichte eine weitere Beschwerde gegen den Beamten ein, und zog aus Angst um seine Sicherheit in eine andere Stadt.

Einer der von Patricio Ordóñez beschuldigten Beamten wurde zum Verkehrshüter herabgestuft. Dennoch haben die ecuadorianischen Behörden Patricio Ordóñez bisher weder das Ergebnis der Untersuchungen seiner Beschwerden noch mitgeteilt, ob die anderen mutmaßlichen Täter vor Gericht gestellt worden sind. Eine Woche vor dem Angriff auf ihn hatte er seinen Fall bei einem von der „Internationalen Liga für Menschenrechte“ organisierten Treffen öffentlich gemacht.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Ecuador ist eines der wenigen Länder, die in ihrer Verfassung ausdrücklich die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung verbieten. Dennoch sind die meisten der Verbrechen gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle, die amnesty international den ecuadorianischen Behörden gemeldet hat, nicht strafrechtlich verfolgt worden.

EMPFOHLENE AKTIONEN: 

Schreiben Sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie:

  • sich über den Angriff auf Patricio Ordóñez Maico am 12. März 2004 zutiefst besorgt zeigen;
  • darauf hinweisen, dass Patricio Ordóñez Maico angegriffen wurde, nachdem er auf einem internationalen Menschenrechtstreffen der "Internationalen Liga für Menschenrechte" in Quito eine Zeugenaussage gemacht hatte;
  • die Behörden auffordern, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit von Patricio Ordóñez Maico und den übrigen Mitgliedern der „Fundación Amigos por la Vida“ in Absprache mit ihnen zu gewährleisten;
  • fordern, dass unverzüglich umfassende und unabhängige Ermittlungen bezüglich des Angriffs auf Patricio Ordóñez Maico eingeleitet, die Ergebnisse veröffentlicht und die Verantwortlichen ermittelt und vor Gericht gestellt werden;
  • darauf hinweisen, dass Patricio Ordóñez Maico eine Beschwerde gegen seine willkürliche Festnahme und Misshandlung durch Polizeibeamte in Quito am 31. Mai 2001 sowie am 2. Juni 2001 eingereicht hat, und Sie sich bei denn Behörden nach dem Stand der diesbezüglichen Ermittlungen erkundigen und sie zur Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse auffordern.

APPELLE AN:

Ing. Raúl Baca Carbo, Ministro de Gobierno, Policía, Justicia, Cultos y Municipalidades , Ministerio de Gobierno y Policía, Benalcázar y Espejo, Quito, ECUADOR
(Minister für Inneres und Polizeiangelegenheiten – korrekte Anrede: Dear Minister / Estimado Sr. Ministro)
Telefax: (00 593) 22-580 067 (kombinierter Telefon-/Faxanschluss: " Tono de fax, por favor")

Dra. Mariana Yépez de Velasco, Ministra Fiscal General de Estado, Av. Eloy Alfaro N 32 240 y República, Quito, ECUADOR (Generalstaatsanwältin – korrekte Anrede: Dear Attorney General / Señora Fiscal General)
Telefax: (00 593) 22-558 561; (00593) 22-558 565 (kombinierter Telefon-/Faxanschluss: " Tono de fax, por favor")

KOPIEN AN:

Fundación Amigos por la Vida, Los Rios 103 y Manuel Galecio, Guayaquil, ECUADOR (Menschenrechtsorganisation)
 E-Mail: famivida2@hotmail.com

Kanzlei der Botschaft der Republik Ecuador, Kaiser-Friedrich-Str. 90, 1. OG., 10585 Berlin
(Herr Diego F. Morejón Pazmino, Geschäftsträger a.i.)
Telefax: 030-3478 7126
E-Mail: kanzlei@botschaft-ecuador.org

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 27. April 2004 keine Appelle mehr zu verschicken.

UA-111/2004
Index: AMR 28/010/2004