Läufer Robin bei den Gay Games in Köln
Läufer Robin bei den Gay Games in Köln

Anstoß zur Veränderung: ein MERSI-Jahr in Hamburg

Der thematische Schwerpunkt der Hamburger MERSI-Gruppe lag in den letzten Monaten auf Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen. Im Mittelpunkt der Bemühungen steht dabei die Ächtung der medizinischen Praxis, intersexuellen Menschen entweder im frühen Kindesalter ohne Einwilligungsfähigkeit – oder Erwachsenen ohne Aufklärung über Folgen und Risiken – auf operativ-medikamentösem Weg ein eindeutiges Geschlecht „zuzuweisen“. Dieses Vorgehen wird als fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte (Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Selbstbestimmung und Würde sowie auf Nicht-Diskriminierung) gewertet, da die Maßnahmen in den allermeisten Fällen aus medizinisch-gesundheitlicher Sicht keinerlei Rechtfertigung haben. Amnesty International nahm zu diesem Thema bislang keine Position ein. Auf Initiative unserer Gruppe setzt sich nun die deutsche Sektion auf internationaler Ebene für eine solche Positionierung ein.

Wir konnten den Intersex-Schwerpunkt auch im Rahmen der Lesbisch-Schwulen Filmtage Hamburg setzen, mit einem Spielfilm und zwei Dokumentationen zum Thema. Das überwiegend homosexuelle Publikum wurde für das Thema Intersexualität und Menschenrechte sensibilisiert. Dazu haben die persönlichen Schilderungen von Lucie Veith, der Vorsitzenden von Intersexuelle Menschen e.V. beigetragen, die im Anschluss an die Dokumentation eine Stunde über ihre Erlebnisse berichtete.

Parallel dazu präsentierte MERSI Hamburg während der Filmtage den Dokumentarfilm „Kuchus of Uganda“. Nach der Filmaufführung begrüssten wir Henriette Gunkel von der Fort-Hare-Universität Südafrika zum Talk-Sofa, um Fragen zum Thema Homosexualität und Menschenrechte in Afrika zu besprechen. Monate nach dieser Veranstaltung erfuhren wir von der Ermordung des ugandischen LGBTAktivisten David Kato, einem der Hauptakteure des Dokumentarfilms, und nahmen im Februar spontan an einer Mahnwache teil.


Ein Höhepunkt des Jahres 2010 war eine von MERSI Hamburg organisierte Benefiz- Lesung mit dem Schauspieler und Musiker Gustav-Peter Wöhler: „Von Oscar W. zum CSD – eine literarische Zeitreise durch 100 Jahre schwule Geschichte“ im Hamburger Fleetstreet-Theater. Das Publikum lobte die gute Atmosphäre, das abwechslungsreiche Programm und die mitreißende Vortragskunst Wöhlers, der sich seinerseits für ein aufgeschlossenes, begeistertes Auditorium bedankte.


Einen vielfältigen Eindruck hinterlassen CSD-Besucher_innen aus der ganzen Welt in unserem Trailer „Liebe ist ein Menschenrecht“ – anzuschauen auf der MERSI-Hamburg-Website: www.mersi-hamburg.de. Auch in diesem Jahr waren wir drei Tage lang mit einem Stand beim CSD-Straßenfest am Jungfernstieg vertreten. Dort informierten wir über den aktuellen Stand der Menschenrechte für LGBT auf der ganzen Welt. Bei der Petition zu Menschenrechtsverletzungen im Irak konnten wir über 500 Unterschriften sammeln.

Parallel dazu wurde unser Läufer Robin online angefeuert, der bei den Gay Games in Köln für MERSI Hamburg am Marathon teilnahm und einen sensationellen dritten Platz machte – über 1.000 € an Spendengeldern sind dabei zusammen gekommen.


Das spannende Jahr schlossen wir mit dem ein oder anderen Glühwein in Weihnachtsstimmung ab, den wir allerdings in erster Linie als Unterstützung unserer Arbeit verkauften – an dem MERSI-Glühweinstand beim Winter-Pride.


Im Mai 2011 hatten wir erstmals ein echtes LGBTI-Treffen: Lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell und intersexuell – es bleibt bunt bei MERSI Hamburg.