Dubai, 14. Juli (Reuters)

Wie die offizielle Saudi Press Agency berichtet, wurden am Freitag in Saudi Arabien drei jemenitische Männer hingerichtet, die wegen homosexueller Handlungen und der Belästigung von Jungen verurteilt worden waren.

Die Agentur zitiert eine Mitteilung des Innenministeriums, wonach ein Gericht die drei Männer einer “extrem obszönen Homosexualität und der Imitation von Frauen” für schuldig befunden hatte. Dies sei eine Verletzung islamischer Regeln, die Homosexualität verbieten. 


Die drei Männer, die in der südwestlich gelegenen Stadt Jizan hingerichtet wurden, sind auch wegen Belästigung von Jungen verurteilt worden. Das Ministerium teilte weiterhin mit, dass die Behörden einem wegen Taschendiebstahls verurteilten nigerianischen Mann sowie zwei saudi arabischen Räubern die rechte Hand abschlagen ließen. Der Nigerianer wurde gefasst, als er die in der Großen Moschee der Heiligen Stadt Mekka Betenden bestahl. 


Die beiden Männer aus Saudi Arabien wurden wegen Einbrüchen in Häuser und Geschäfte verurteilt. Die Hinrichtungen ließen die Zahl der im konservativen Königreich allein in diesem Jahr Getöteten auf mindestens 70 steigen. Im vergangenen Jahr wurden in Saudi Arabien mindestens 99 Menschen für verschiedene Vergehen mit dem Tode bestraft. 


Das Königreich wendet die strengen islamischen Sharia- Gesetze an. 
Michele Bonnarens, Christine Steiner 


Hintergrundinformation
Drohende Auspeitschung und Sorge um mutmaßliche politische Gefangene: 


Sechs Männer wurden in den vergangenen Tagen aufgrund von Anklagen hingerichtet, die sich teilweise auf ihre sexuelle Orientierung beziehen. 


Infolge des Schweigens der saudischen Behörden angesichts tausender Appelle befürchtet amnesty international, dass die sechs Personen zu den neun Männern gehören könnten, die laut Berichten wegen “abweichenden sexuellen Verhaltens” zu Auspeitschung und Gefängnis verurteilt wurden. Den verbleibenden drei Männern steht die Hinrichtung vermutlich unmittelbar bevor.

 
Drei der sechs hingerichteten Männer waren saudi-arabische Staatsbürger. Sie wurden am 11. Juli in Abha in der Provinz Asir hingerichtet. Die anderen waren jemenitische Staatsangehörige, die am 14. Juli in der Provinz Jizan hingerichtet wurden. Laut Berichten wurden alle sechs Männer wegen Analverkehrs, Transvestismus, Homosexualität und Vergewaltigung kleiner Kinder verurteilt.

 
amnesty international ist sich bewusst, wie schwerwiegend der Anklagepunkt der Vergewaltigung ist, und erkennt das Recht und die Verantwortlichkeit jeder Regierung an, klar erkennbare Straftäter der Justiz zuzuführen. amnesty international ist jedoch grundsätzlicher Gegner der Todesstrafe in allen Fällen, da sie eine endgültige Verletzung des Grundrechtes auf Leben darstellt. 


Die Organisation befürchtet, dass alle sechs Männer in erster Linie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verurteilt und hingerichtet worden sein könnten. amnesty international betrachtet alle Personen, die einzig aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verhaftet werden, als politische Gefangene, die sofort und bedingungslos frei gelassen werden sollten. 


Mit diesen Hinrichtungen steigt die Zahl der Exekutionen in Saudi-Arabien in diesem Jahr auf 71. 


In Saudi-Arabien wird die Todesstrafe für eine Reihe von Vergehen verhängt, die, neben Gewaltverbrechen, auch solche ohne Todesfolge einschließen, wie z.B. sexuelle Delikte, Apostasie (Abfallen vom moslemischen Glauben), Aberglaube und Drogenvergehen. 
amnesty international