Mexico - Sorge um Sicherheit / Morddohungen

César Salazar Góngora, ein Homosexueller aus Merida im mexikanischen Bundesstaat Yucatan, wurde am 10. August 2001 von drei Männern brutal angegriffen und sexuell misshandelt.

Nachdem er den Übergriff zur Anzeige gebracht hatte, erhielt er wiederholt telefonische Morddrohungen. amnesty international kritisiert, dass die Behörden weder ihrer Pflicht nachgekommen sind, ihn zu schützen, noch den Angriff und die Morddrohungen zu untersuchen.

César Salazar Góngora meldete den Überfall am 13. August 2001 im Büro der Staatsanwaltschaft des Bundesstaates (Procuraduría de Justicia del Estado - PJE). Als er am 27. August 2001 erneut die Staatsanwaltschaft aufsuchte, stellte er fest, dass seine Anzeige verloren gegangen war. Die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft stritten ab, jemals eine Meldung über den Überfall erhalten zu haben.

César Salazar Góngora bestand darauf, dass seine Anzeige erneut aufgenommen wurde, obwohl die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft dies nur zulassen wollten, wenn er sich bereit erklärte, nichts über seinen vorherigen Bericht an die Staatsanwaltschaft zu erwähnen. Als César Salazar Góngora der Meldung hinzufügen wollte, dass er seit seiner vorherigen Anzeige mehrere telefonische Morddrohungen erhalten hatte, sollen die Vertreter der Staatsanwaltschaft erklärt haben, dass diese Drohungen unbedeutend seien und keine Ermittlungen erforderten.

Nachdem der Fall in den mexikanischen Medien Aufsehen erregt hatte, willigte der Staatsanwalt des Bundesstaates schließlich ein, sich am 4. September 2001 mit César Salazar Góngora zu treffen. Er sagte zu, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen beschleunigen und man innerhalb von zwei Tagen Maßnahmen zum Schutz von César Salazar Góngora ergreifen werde. Nach Kenntnis von amnesty international sind bislang jedoch keine Schutzmaßnahmen eingeleitet worden, sodass César Salazar Góngora sich versteckt hält, nachdem er im Haus seiner Familie weitere Drohungen erhalten hat.

Laut Angaben seiner Verwandten suchten Vertreter der Staatsanwaltschaft und Polizisten das Haus der Familie auf und gaben an, den Überfall und die Drohungen zu untersuchen. Die Behördenvertreter sollen die Familie jedoch in einschüchternder Weise befragt haben, um die Aussagen von César Salazar Góngora in Zweifel zu ziehen. Angesichts dieses Vorgehens der Behördenvertreter fürchtet die Familie noch mehr um die Sicherheit von César Salazar Góngora.

Trotz seiner Zusagen von Anfang September 2001 hat der Staatsanwalt des Bundesstaates Berichten zufolge der Familie bislang nichts über den Verlauf der Ermittlungen mitgeteilt. Obwohl bekannt ist, dass die Drohungen im Haus der Familie von César Salazar Góngora eingegangen sind und er somit dort besonders gefährdet ist, hat der Staatsanwalt César Salazar Góngora gewarnt, er werde festgenommen, wenn er nicht zu Hause sei, um Anrufe entgegen zu nehmen.

Hintergrundinformationen

amnesty international vorliegenden Berichten zufolge sind in Mexiko bereits zahlreiche Homosexuelle und Angehörige anderer sexueller Minderheiten angegriffen oder getötet worden. In vielen Fällen haben die Behörden nach Kenntnis von amnesty international keine angemessenen Maßnahmen eingeleitet, um die gefährdeten Menschen zu schützen und die Anschläge wirksam zu untersuchen sowie die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

In den vergangenen sechs Monaten sind allein im mexikanischen Bundesstaat Colima vier Homosexuelle ermordet worden. Die Behörden des Bundesstaates haben dem Vernehmen nach keine effektiven Ermittlungen eingeleitet und erklärt, sie seien nicht für den Schutz der gefährdeten Menschen zuständig.

EMPFOHLENE AKTIONEN: 

Schreiben Sie bitte Telefaxe, E-Mails oder Luftpostbriefe, in denen Sie 

  • sich besorgt darüber zeigen, dass die Staatsanwaltschaft von Yucatan nicht angemessen auf die Anzeige von César Salazar Góngora reagiert hat, der am 10. August 2001 Opfer eines brutalen Überfalls geworden war;
  • fordern, dass das Verhalten der Staatsanwaltschaft zum Gegenstand einer umfassenden Untersuchung wird;
  • die Behörden auffordern, in Abstimmung mit den betroffenen Personen umgehend Maßnahmen zum Schutz von César Salazar Góngora und seiner Familie einzuleiten und die für den Überfall Verantwortlichen vor Gericht zu stellen;
  • sich nach dem Verlauf der Ermittlungen zu dem Überfall und den Morddrohungen (Aktenzeichen 168/21°/01) erkundigen;
  • die Behörden an ihre Verpflichtung erinnern, Homosexuelle und Angehörige anderer sexueller Minderheiten vor Übergriffen zu schützen.

APPELLE AN:

Gobernador Patricio Patrón Laviada, Palacio Gubernamental, Calle 61 Col. Centro, Mérida 97000, Merida, Yucatan, MEXIKO (Gouverneur des Bundesstaates Yucatan – korrekte Anrede: Estimado Gobernador)
Telefax: (00 52) 99 280 900
E-Mail: über: www.yucatan.gob.mx/comentarios.htp 

Procurador Miguel Angel Díaz Herrera, Calle 22 No. 157, Merida 97205, Yucatan, MEXIKO 
(Staatsanwalt von Yucatan – korrekte Anrede: Señor Procurador)
Telefax: (00 52) 99 280 900

General Rafael Marcial Macedo de la Concha, Procurador General de la República, Procuraduría General de la República, Av Reforma Norte esq. Violeta 75, Col. Guerrero, Delegación Cuauhtémoc, México D.F., C.P. 06300, MEXIKO (Generalstaatsanwalt - korrekte Anrede: Sr. Procurador General)
Telefax: (00 52) 5-346 2776, (00 52) 5-346 0904

KOPIEN AN:

Grupo Indignación, Apdo. 110-97310 Cordemex, Mérida, Yucatán, MEXIKO
(Organisation, die sich für die Rechte Homosexueller einsetzt)
E-Mail: ipddh[at]sureste.com

Kanzlei der Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten
Klingelhöferstraße 3, 10785 Berlin
(I.E. Patricia Espinosa Cantellano)
Telefax: 030-269 323 325
E-Mail: rfaemb[at]edina.xnc.com

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 31. Oktober 2001 keine Appelle mehr zu verschicken.

UA-Nr: UA-237/2001 
AI-Index: AMR 41/033/2001