Arcoiris, honduranische LGBT-Organisation, © Amnesty International
Arcoiris, honduranische LGBT-Organisation, © Amnesty International

Urgent Action: Honduras: Sexarbeiterin ermordet

Am 7. Januar wurde eine Sexarbeiterin in San Pedro Sula im Norden von Honduras tot aufgefunden. Sie ist damit bereits die neunte, die seit Anfang Dezember 2013 in dieser Stadt getötet worden ist. Diese Morde müssen umgehend gründlich untersucht werden.

Getötet:

MARCO NOÉ LÓPEZ CASTILLO, Sexarbeiterin
IRINA MARISELA GARCÍA MARADIAGA (23)
IRMA MELISA BENÍTEZ LEWIS (21)
SANDRA LISETH ALDANA PEREZA GABRIELA ALEJANDRA OSORTO (21)
ANA MARÍA SÁNCHEZ ZALDÍVAR (37)
DORIS MALENE GARCÍA (30)
MILAGRO ROSARIO BONILLA (52)
und ZOILA YAMILETH SÁNCHEZ ZALDÍVAR (30)

Am Abend des 7. Januar näherte sich ein graues Fahrzeug der Transgender-Sexarbeiterin Marco Noé López in Barandillas, dem Viertel von San Pedro Sula, in dem sie regelmäßig arbeitete. Laut Medienberichten zwang eine Gruppe bewaffneter maskierter Männer mit schusssicheren Westen Marco Noé López Castillo in ein Fahrzeug. Gegen 5 Uhr morgens fand man ihren Leichnam in einem Plastiksack auf einer Straße in El Playon in San Pedro Sula. Die Sexarbeiterin war erwürgt und ihre Arme und Beine auf dem Rücken gefesselt worden. Im Rahmen der laufenden Ermittlungen erwähnte die Polizei, dass mehrere Autos den Leichnam überrollt hatten.

Seit Anfang Dezember hat die Gewalt gegen Sexarbeiterinnen in San Pedro Sula stark zugenommen. Am 30. Dezember wurden fünf Sexarbeiterinnen an ihrem Arbeitsplatz vor einer Kneipe im Stadtzentrum angegriffen. Ein Kleintransporter, in dem mindestens vier Personen saßen, näherte sich den Frauen und die Insassen eröffneten das Feuer. Irina Marisela García Maradiaga, Irma Melisa Benítez Lewis und Sandra Liseth Aldana Pereza starben sofort. Gabriela Alejandra Osorto erlag ihren Schussverletzungen einen Tag später. Eine weitere Frau überlebte den Angriff mit Verletzungen. Zwei Wochen zuvor, am frühen Morgen des 13. Dezember, waren vier Sexarbeiterinnen in Medina im Zentrum von San Pedro Sula getötet worden. Die genauen Umstände müssen noch geklärt werden. Bekannt ist jedoch, dass mehrere Männer aus einem Kleintransporter stiegen und mit vorgehaltenen Waffen mit den Sexarbeiterinnen diskutierten. Nach einigen Minuten Auseinandersetzung erschossen die Männer Ana María Sánchez Zaldívar, Doris Malene García und Milagro Rosario Bonilla. Eine vierte Frau der Gruppe, Zoila Yamileth Sánchez Zaldívar, wurde entführt und später mit Schussverletzungen in der Gegend El Polvorín tot aufgefunden. Die Medien berichteten darüber hinaus über die Ermordung von fünf Frauen zwischen dem 30. Dezember 2013 und dem 3. Januar 2014 in den Departamentos San Pedro Sula und Cortés.

SCHREIBEN SIE BITTE

FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte leiten Sie umgehend eine unabhängige, gründliche und unparteiische Untersuchung der Ermordung von Sex Arbeiterinnen und Frauen in San Pedro Sula und Cortes, namentlich Irina Marsala García Maradiaga, Irma Melisa Benítez Lewis, Sandra Liseth Aldana Pereza, Gabriela Alejandra Osorto, Ana María Sánchez Zaldívar , Doris Malene García, Milagro Rosario Bonilla und Zoila Yamileth Sánchez Zaldívar, sowie einer weiteren verletzten Frau, ein. Stellen Sie bitte sicher, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.
  • Die Polizei möchte ich dringend auffordern, alle notwendigen Schritte einzuleiten, um weitere Morde zu verhindern und diejenigen Sexarbeiterinnen zu schützen, die ebenfalls bedroht sein könnten.
  • Ich möchte Sie daran erinnern, dass Sie in Übereinstimmung mit honduranischem Recht und internationalen Abkommen alle Mechanismen stärken und in Kraft setzen müssen, um Hassverbrechen gegen LGBTI zu verhindern und Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu unterbinden.

APPELLE AN

REGIONALE STAATSANWÄLTIN
Diana Elvir
Fiscalía Regional del Ministerio Publico
Bo. Lempira, 10 y 11 calle, 5ta y 6ta Ave., Edificio Fernandez Guzman, San Pedro Sula, HONDURAS
(Anrede: Sra. Coordenadora Regional de Fiscales / Dear Regional Prosecutor / Sehr geehrte Staatsanwältin)
Fax: (00 504) 2553 6314 (Kombinierter Telefon-/ Faxanschluss. Bitte sagen Sie "tono de fax, por favor")

POLIZEIPRÄSIDENT
Ramón Antonio Sabillón Pineda
Director de la Policía Nacional
Secretaría de Estado en el Despacho de Seguridad, Plantel Casamata, subida al Picacho, Tegucigalpa, HONDURAS
Fax: (00 504) 2220 1711
(Anrede: Estimado Sr. Director / Dear Director / Sehr geehrter Polizeipräsident)

KOPIEN AN

NETZWERK DER SEXARBEITERINNEN IN HONDURAS RedTraSex Honduras Red Trabajadoras Sexuales de Honduras Comercial La Ronda 2 Nivel Tegucigalpa, M.D.C. Honduras E-Mail: retrasexhonduras@gmail.com

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
S. E. Herrn Ramón Custodio Espinoza
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: 030-3974 9712
E-Mail: informacion.embahonduras.de[at]gmail.com

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 21. Februar 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Offiziellen Angaben zufolge hatte Honduras 2012 mit 85,5 auf 100.000 EinwohnerInnen die höchste Mordrate der Welt. Gewalt gegen Frauen sowie LGBTI (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle) ist weit verbreitet. Zivilgesellschaftliche Gruppen berichteten von 606 ermordeten Frauen im Jahr 2012, dies ist die höchste Anzahl seit 2005.

LGBTI erfahren in Honduras Diskriminierung und Gewalt. Verbrechen gegen LGBTI müssen ausnahmslos untersucht, bestraft und wirksam entschädigt werden. Jüngste Reformen des Strafgesetzbuchs wie in Artikel 321, die die Möglichkeit eröffnen, diese Verbrechen und Hassverbrechen zu verfolgen, sollten dringend gefördert und geschützt werden, so dass dieser Standard erhalten und wirksam umgesetzt werden kann. Im November 2013 schrieb Amnesty International einen offenen Brief an alle PräsidentschaftskandidatInnen, um sie im Vorfeld der Wahlen zu verpflichten, sich der Beendigung der Menschenrechtskrise zu verschreiben. In diesem Brief wurde u.a. auf die weitverbreitete Gewalt gegen Frauen und LGBTI hingewiesen.

Amnesty International fordert die honduranischen Behörden auf, der Eindämmung des hohen Maßes an Gewalt gegen Frauen und Mädchen Vorrang einzuräumen. Die Behörden müssen die Ausarbeitung und Stärkung von Sonderprotokollen voranbringen, die das Problem der Gewalt gegen Frauen und Mädchen in all ihren Formen thematisieren. Sie sollten auch den wirksamen Zugang zum Rechtssystem und den Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt, einschließlich angemessener Untersuchungen unter Einbeziehung der Gender-Perspektive, und die Bestrafung der Verantwortlichen gewährleisten. Honduras sollte dringend das Fakultativprotokoll zum Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau ratifizieren.

Die honduranischen Behörden sollten den bisherigen institutionellen Fortschritt bei der Untersuchung und Bestrafung dieser Straftaten konsolidieren und sicherstellen, dass Entschädigungen bereitgestellt werden. Die Behörden sollten zudem differenzierte Protokolle fördern, sicherstellen und umsetzen, die den fairen und vorurteilsfreien Zugang zum Rechtssystem sowohl bei den Ermittlungen als auch im Strafverfahren und hinsichtlich der Bestrafung von Straftaten ermöglichen. Artikel 321 des Strafgesetzbuchs zu Hassverbrechen sollte dringend in der jetzigen Form beibehalten werden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to conduct an independent, thorough and impartial investigation into the killings of sex workers and women in San Pedro Sula and Cortes (naming those above), and to bring those responsible to justice.
  • Calling on the police to take all the necessary measures to prevent further attacks and protect those sex workers who may be at risk of similar attacks.
  • Reminding them that in line with international and national legal norms, they must strengthen and enforce all the mechanisms to prevent hate crimes against LGBTI people and violence against women and girls.
Dateien:
140113 Honduras UA 007-2014
140113 Sex workers killed in Honduras