Vertreter der LGBT-Organisationen Colectivo Violeta and Asociación Kukulcan: © Amnesty International
Vertreter der LGBT-Organisationen Colectivo Violeta and Asociación Kukulcan: © Amnesty International

URGENT ACTION: Honduras – ALEXANDER DAVID SÁNCHEZ ÁLVAREZ, Menschenrechtsverteidiger

Der Menschenrechtsverteidiger Alexander David Sánchez Álvarez wurde in der vergangenen Woche zwei Mal von Unbekannten mit Schusswaffen bedroht.

Amnesty International geht davon aus, dass er aufgrund seines Einsatzes für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern ins Visier genommen wird. Sein Leben ist in Gefahr. Am 14. Januar stand der Krankenpfleger und LGBT-Aktivist Alexander David Sánchez Álvarez gemeinsam mit anderen AktivistInnen vor dem Büro der LGBT-Organisation Colectivo Violeta, als ein weißes Auto mit dem Kennzeichen PCC1964 anhielt. Ein Mann stieg aus, ging auf Alexander David Sánchez Álvarez zu und zog eine Pistole. Er richtete die Pistole auf Alexander David Sánchez Álvarez und seinen Freund und sagte "Ihr seid diejenigen, die uns noch fehlen" ("Ustedes nos faltan"). Sie berichteten der örtlichen Polizei von diesem Zwischenfall.

Am 19. Januar war Alexander David Sánchez Álvarez auf dem Weg zur Arbeit beim Zentrum für Prävention, Behandlung und Rehabilitation für Folteropfer und ihre Familien (Centro de Prevención, Tratamiento y Rehabilitación de las Víctimas de la Tortura y sus Familiares - CPTRT). Dort arbeitet er als Krankenpfleger. Als er zweieinhalb Blocks vom Büro entfernt die Straße überquerte, tauchte ein Motorrad mit zwei Männern auf. Als sie an ihm vorbeifuhren, schlug einer der Männer Alexander David Sánchez Álvarez mit einer Pistole ins Gesicht und hinterließ ein Hämatom unter seinem rechten Auge. Danach fuhren die beiden Männer schnell weiter. Alexander David Sánchez Álvarez berichtete dem Staatsanwalt für Menschenrechte noch am selben Tag von diesem Zwischenfall. Man hat ihm aber trotz der Sorge um seine Sicherheit keinen Schutz angeboten.

Alexander David Sánchez Álvarez setzt sich aktiv für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern ein. Er arbeitet unter anderem ehrenamtlich für einige LGBT- und Menschenrechtsorganisationen. Darüber hinaus hat er an Demonstrationen gegen den Putsch vom 28. Juni 2009 teilgenommen.

Lokalen Organisationen zufolge wurden allein seit dem 7. Januar 2011 drei Personen aus der LGBT-Gemeinschaft getötet. Im vergangenen Jahr haben honduranische NGOs mindestens elf Tötungen von Mitgliedern der LGBT-Gemeinschaft dokumentiert. Am 20. Januar 2011 erklärte die Interamerikanische Menschenrechtskommission, dass sie "sehr besorgt über ernstzunehmende Drohungen, Gewalttaten und Morde an Mitgliedern der Transgender-Gemeinschaft in Honduras [ist], insbesondere über die steigende Zahl der Morde an Mitgliedern der LGBT-Gemeinschaft". Im Dezember 2009 wurde der LGBT-Aktivist Walter Trochez ermordet. Er war zuvor wiederholt bedroht worden und hatte bereits einen Mordversuch überlebt.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Amnesty International geht im Report 2010 über Honduras besonders auf den starken Anstieg bei Morden an Transgender-Frauen nach dem Staatsstreich vom Juni 2009 ein. Zwischen dem Jahr 2003 und März 2009 haben Menschenrechtsorganisationen 17 Mordfälle an Transgender-Frauen registriert. Örtliche Menschenrechtsorganisationen berichteten über zwölf solcher Fälle zwischen Ende Juni und Dezember 2009. Zu diesem Zeitpunkt lagen keine Informationen über etwaige eingeleitete Untersuchungen dieser Tötungen vor.

Amnesty International dokumentierte den Fall von Walter Trochez, der im Dezember 2009 in Tegucigalpa getötet wurde. Er hatte sich für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern eingesetzt. Neun Tage vor dem Mord war er geflohen, nachdem maskierte Männer ihn entführt hatten. Sie hatten ihn über Personen befragt, die dem Putsch ablehnend gegenüberstanden. Seinen Angaben zufolge sagten sie ihm, dass sie den Befehl hätten, ihn zu töten. Die Untersuchungen in diesem Fall haben zu keinen Anklagen oder Schuldsprüchen geführt.

Im April 2010 äußerte Amnesty International Besorgnis über die Situation der LGBT-Gemeinschaft in Honduras gegenüber dem UN-Menschenrechtsrat im Rahmen der universellen regelmäßigen Überprüfung (UPR).

EMPFOHLENE AKTIONEN

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fordere Sie auf, die gegen Alexander David Sánchez Álvarez gerichteten Drohungen in unabhängiger, umfassender und unparteiischer Weise zu untersuchen, die Ermittlungsergebnisse bekannt zu machen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.Ich bitte Sie eindringlich, unverzüglich angemessene Schutzmaßnahmen für Alexander David Sánchez Álvarez in Übereinstimmung mit seinen Wünschen zu ergreifen.
  • Ich möchte Sie daran erinnern, dass MenschenrechtlerInnen das Recht haben, ihren Aktivitäten ohne Einschränkungen oder Angst vor Repressalien nachzugehen, wie es in der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern festgeschrieben ist.

APPELLE AN

MINISTERIN FÜR JUSTIZ UND MENSCHENRECHTE
Ana Pineda
Ministra de Justicia y Derechos Humanos
Casa Presidencial, Boulevard Juan Pablo Segundo
Palacio José Cecilio del Valle
Tegucigalpa, M.D.C., HONDURAS
(korrekte Anrede: Estimada Sra. Ministra)
Fax: (00 504) 2290 5129

STAATSANWALT
Sr. Luis Alberto Rubí
Fiscal General de la República
Lomas del Guijarro, Avenida República Dominicana
Edificio Lomas Plaza II
Tegucigalpa, HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear Attorney General)
Fax: (00 504) 221 5667

KOPIEN AN
MENSCHENRECHTSORGANISATION
Centro de Prevención, Tratamiento y Rehabilitación de las Victimas de Torturas y sus Familiares (CPTRT)
Colonia Palmira, Avenida República de Brasil
Casa #2340, HONDURAS
Fax: (00 504) 2236 7273
E-Mail: cptrt@cablecolor.hn

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
S.E. Herrn Efrain Anibal Diaz Arrivillaga
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: 030-3974 9712
E-Mail: informacion@embahonduras.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 2. März 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling for an independent, thorough and impartial investigation into the threats made against Alex David Sánchez Álvarez, with the results made public and those responsible brought to justice.
  • Urging that the authorities take immediate steps to fully provide appropriate protection to Alex David Sánchez Álvarez in accordance with his wishes.
  • Reminding the authorities that human rights defenders have a right to carry out their activities without any unfair restrictions or fear of reprisals, as set out in the UN Declaration on Human Rights Defenders.