Argentinien - Sorge um Sicherheit

Vanessa Piedrabuena (alias Roque Virgilio Piedrabuena), Vorsitzender der Transvestitenvereinigung von Córdoba

Polizisten drangen in das Haus von Vanessa Piedrabuena (richtiger Name: Roque Virgilio Piedrabuena) ein und bedrohten ihn mit dem Tode, weil er an einer Demonstration teilgenommen hatte, auf der eine Untersuchung der Umstände des Todes von Vanessa Lorena Ledesma gefordert wurde, der in der Haft gestorben war.

Am 17. Februar fuhr gegen 2:30 Uhr nachts ein Polizeiauto vor dem Haus von Vanessa Piedrabuena in Córdoba vor. Die Insassen des Wagens, vier uniformierte Polizeibeamte brachen die Eingangstür auf und sagten zu Vanessa Piedrabuena „alles ruhen zu lassen“, sonst würde es ihm „schlechter ergehen als Vanessa Ledesma” (“que dejara todo como estaba ... te va a pasar peor que a Vanessa Ledesma”). Sie warnten ihn davor, sich weiter auf der Straße blicken zu lassen und einer der Polizisten hielt ihm, bevor sie wieder gingen, seine Pistole an den Kopf.

Später ist Vanessa Piedrabuena Berichten zufolge erneut bedroht worden, was alles der Polizeiabteilung für interne Angelegenheiten (División de Asuntos Internos de la Policía) gemeldet wurde. Soweit bekannt, sind jedoch bislang keine Ermittlungen eingeleitet worden.

Vanessa Piedrabuena ist Vorsitzender der Transvestitenvereinigung von Córdoba (Asociación Travestis Unidas de Córdoba – ATUC). Der ATUC-Aktivist Vanessa Ledesma (richtiger Name: Miguel Angel Ledesma) starb im Februar 2000 in Polizeigewahrsam und soll Berichten zufolge zuvor gefoltert worden sein. Daraufhin wurden Ermittlungen eingeleitet und im Juli vergangenen Jahres mehrere Polizeibeamte im Zusammenhang mit dem Tod von Vanessa Ledesma angeklagt. Das Strafverfahren wurde später jedoch eingestellt. Vanessa Piedrabuena setzt sich seitdem dafür ein, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden. Obwohl er wiederholt Drohungen erhalten hat, haben die Behörden es bislang unterlassen, diese zu untersuchen oder Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Am 16. Februar 2001, dem Todestag von Vanessa Ledesma, nahm Vanessa Piedrabuena an einer Demonstration in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires teil, auf der die Wiederaufnahme der Ermittlungen in dem Todesfall gefordert wurde.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

amnesty international hatte im April 2000 im Zusammenhang mit Vanessa Lorena Ledesmas Tod in der Haft einen Bericht veröffentlicht („Argentina: Transvestite dies in Detention“). Darin heißt es, dass die argentinischen Behörden keine angemessenen Maßnahmen ergriffen haben, um Berichte über Folter und staatlichen Mord durch die Bundes- oder die Provinzpolizei zu überprüfen. Des Weiteren wird hervorgehoben, dass diejenigen, die über diese Menschenrechtsverletzungen Bericht erstatten, durch Vergeltungsakte möglicherweise derart eingeschüchtert werden, dass eine effektive Untersuchung der Beschwerden nicht mehr möglich ist.

EMPFOHLENE AKTIONEN: 

Schreiben Sie bitte weitere Telefaxe oder Luftpostbriefe in denen Sie:

  • Ihre Sorge um die Sicherheit von Vanessa Piedrabuena (alias Roque Virgilio Piedrabuena) zum Ausdruck bringen, in dessen Haus am 17. Februar 2001 Polizisten eingebrochen waren und ihn bedroht hatten;
  • eine sofortige, gründliche und unparteiische Untersuchung des Vorfalls fordern;
  • die Behörden auffordern, sofortige Maßnahmen zu ergreifen, um seine Sicherheit zu gewährleisten, damit er seine Arbeit für die „Asociación Travestis Unidas de Córdoba“ fortführen kann,
  • sich nach den Ergebnissen der Untersuchung bezüglich des Todes von Vanessa Lorena Ledesma (alias Miguel Angel Ledesma) in Polizeigewahrsam erkundigen und fragen, ob die in dem Zusammenhang angeklagten Polizeibeamten verhaftet oder vom Dienst suspendiert worden sind.

Appelle an:

Sr José Manuel de la Sota
Sr Gobernador de la Provincia de Córdoba
Casa de Gobierno
Calle Boulevard Chacabuco 1300
5000 Córdoba, Córdoba, ARGENTINIEN
(Gouverneur der Provinz Córdoba - korrekte Anrede: Sr. Gobernador)
Telefax: (00 54) 351 434 3013

Dr. Ricardo Gil Lavedra
Sr Ministro de Justicia y Derechos Humanos
Ministerio de Justicia y Derechos Humanos
Sarmiento 329, 5o. piso
1041 Buenos Aires, C.F.
REPUBLIK ARGENTINIEN (Justizminister - korrekte Anrede: Sr. Ministro)
Telefax: (00 54) 11-4328 5395

KOPIEN AN:

Dr. José María Zamanillo,
Defensor del Pueblo de la Provinvia de Córdoba,
Tucuman 25, 4 piso,
5000 Centro Córdoba, Córdoba, REPUBLIK ARGENTINIEN
(Ombudsmann der Provinz Córdoba – korrekte Anrede: Sr. Defensor)
Telefax: (00 54) 351 434 2060; (00 54) 351 434 2061

Unidhos, Artigas 218, Córdoba,
REPUBLIK ARGENTINIEN (Menschenrechtsorganisation) 

Kanzlei der Botschaft der Republik Argentinien,
Dorotheenstr. 89,
10117 Berlin
(S. E. Herrn Enrique José Alejandro Candioti)
Telefax: 030-229 14 00
E-Mail: Iin@ealem.mrec.ar

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. April 2001 keine Appelle mehr zu verschicken.

UA-237/2000-1
Index: AMR 13/006/2001