der ermordete LGBTI-Aktivist Xhulhaz Mannan, © Amnesty International
der ermordete LGBTI-Aktivist Xhulhaz Mannan, © Amnesty International

Bangladesch: Brutaler Mord an LGBTI-Aktivisten Xulhaz Mannan

Am 25. April 2016 wurden die LGBTI-Aktivisten Xulhaz Mannan und Mahbub Rabbi Tonoy brutal von Angehörigen der Gruppierung Ansar al - Islam ermordet, einer bangladeschischen bewaffneten Islamistentruppe, die nach eigenen Angaben Verbindungen zu AI Qaeda hat.

Xulhaz und Mahbub waren beide maßgeblich an der Einführung und der Herausgabe von Bangladeschs erstem und einzigem Magazin für LGBTI-Themen "Rupban" (auf Deutsch etwa "gut aussehend") beteiligt. Xulhaz, der Chefredakteur, und Mahbub, der Generalsekretär, waren seit der Gründung im Jahr 2014 an der Herausgabe des Magazins beteiligt.

Nach Berichten saßen Xhulhaz and Mahbub zum Zeitpunkt des Anschlags zusammen in Xulhaz' Wohnung, der 15 Minuten früher von der Arbeit zurückgekehrt war. Gegen 17:30 Uhr wandte sich eine Gruppe von Männern an den Wachmann und sagte, dass sie ein Paket an Xulhaz zustellen wollten. Als der Wachmann zu den Männern zurückkehrte und ihnen sagte, dass kein Paket erwartet würde, begannen sie, ihn anzugreifen und drangen, mit Macheten bewaffnet, in Xulhaz' Wohnung ein. Xulhaz und Mahbub wurden bei diesem Überfall getötet. Er war laut Experten sorgfältigst geplant. Während des Anschlags hörten mehrere Zeugen Rufe wie"Nara e takbeer - Allahu Akbar (Gott ist groß)".

Sakhina Khatun, Xulhaz' 75 Jahre alte Mutter, war zum Zeitpunkt des Angriffs in der Wohnung anwesend. Sie wachte durch die Schreie auf und wurde, als sie sich den Mördern in den Weg stellte, von den Angreifern zur Seite gestoßen, die dabei ihr Bein verletzten. Seit dem Überfall vergisst Sakhina Khatun manchmal, dass ihr Sohn ermordet wurde, da das Gedächtnis der pensionierten Lehrerin wohl auch durch dieses traumatische Erlebnis deutliche Anzeichen des Alterns aufweist. Wenn sie nach Xulhaz fragt, antwortet ihr die Familie, er sei im Ausland.

Ein Jahr später und trotz der überwältigenden Beweislage in dem Fall (darunter Augenzeugen, eindeutige Aufnahmen der mutmaßlichen Täter bei der Flucht durch eine Überwachungskamera, und ein örtlicher Polizist, der einem der Täter einen Rucksack entreißen konnte) wurde noch niemand wegen der brutalen Morde angeklagt.

Obwohl die Polizei einige Personen im Zusammenhang mit den Morden festgenommen hat und behauptet, andere Tatverdächtige identifiziert zu haben, wurde noch niemand formell angeklagt. Am 8. Mai 2017 ließ die Polizei einmal mehr eine weitere Frist zur Einreichung des Untersuchungsberichts zu den Morden verstreichen. Sie fordert nun einen unbefristeten Aufschub. Offensichtlich wird die Dringlichkeit bei der Verfolgung der Angreifer nicht gesehen. Dies scheint durch Äußerungen wie die des Innenministers Asaduzzaman Kamal im April 2016 bestätigt zu werden, dass jegliche Bewegung, die "unnatürlichen Sex" befürworte, in der Gesellschaft von Bangladesch nicht erlaubt sei.

Die Verschleppung der Untersuchungen und mangelnde offizielle Reaktion der Regierung auf die Morde haben dazu geführt, dass die Familien zunehmend daran zweifeln, ob sie jemals Gerechtigkeit für ihre Angehörigen erfahren werden. Dies ist auch symptomatisch für die allgemeine Schockstarre in der Öffentlichkeit nach der Reihe von Überfällen und Morden an Bloggern in den Jahren 2015/2016 (siehe auch die Hintergrundinformationen).

Die Morde sind ein massiver Rückschritt für die LGBTI-Gemeinde. Obwohl gleichgeschlechtliche Beziehungen weitgehend verpönt und nach bangladeschischem Recht illegal sind, hatten öffentliche Kampagnen der LGBTI-Gemeinde zuletzt eine wachsende Akzeptanz von LGBTI bewirkt. Kleine Gruppen von schwulen Männern trafen sich offener und hatten begonnen, sich politisch zu organisieren. Ein Ergebnis dieser Kampagnen war Dhakas erste Regenbogenparade im April 2014. Allerdings ist zu beachten, dass Lesben noch kaum öffentlich in Erscheinung treten, da sie noch weitere Diskriminierungen erfahren. Neben "Rupban" gab es eine Homepage der Organisation "Boys of Bangladesh" (BOB) mit einer Comic-Fortsetzungsgeschichte über die Erfahrungen einer lesbischen Frau in Bangladesch.

Aller erreichter Fortschritt ist nun zurückgedrängt. Die Anschläge haben die klare Botschaft an die LGBTI-Gemeinde ausgesandt, ihr Verhalten sei moralisch verwerflich und sie solle deshalb davon Abstand nehmen, ihre sozialen und politischen Rechte einzufordern. Als Amnesty International mit Xulhaz' Bruder sprach, sah dieser ganz klar, was die Untätigkeit der Polizei bedeutet: "Die Regierung schert sich überhaupt nicht um diese Sache... man kann sagen, dass die Regierung jetzt glaubt, dass 'diese Sache' (d.h. das Recht auf selbstbestimmte Sexualität) mit Xulhaz gestorben ist."

In den Monaten nach den Mordanschlägen wurde Rupban mit Drohungen über das Telefon und die sozialen Medien überschwemmt. Nur wenige Tage vor dem Anschlag hatten Aktivist_innen entschieden, die jährliche LGBTI-"Regenbogenparade" in Dhaka für 2016 abzusagen. Zuvor waren sie von der Polizei über ein hohes Maß an Bedrohung gegen die Parade und einzelne Aktivist_innen, die teilnehmen wollten, informiert worden. Allerdings sind solche Drohungen und Schikanen alltäglich für die LGBTI-Gemeinde in Bangladesch. Viele melden sie und und selbst erlittene Misshandlungen erst gar nicht der Polizei aus Furcht dort wieder schikaniert zu werden.

Werdet nun aktiv und schickt den Brief an den Innenminister von Bangladesch! Fordert die Aufklärung des brutalen Mordes an Xulhaz Mannan.

Oder unterzeichnet die Petition online auf Englisch:

Dateien:
Protestbrief Xulhaz Mannan web