Let us live in peace! – Kontroverse Flucht nach vorne in Uganda

Es ist ein Novum in der Geschichte Ugandas: die LGBT-Gruppe Sexual Minorities Uganda (SMUG) hat sich am 16. August 2007 mit der Forderung nach Gleichbehandlung an die Öffentlichkeit gerichtet.

„Heute gehen wir an die Öffentlichkeit, um allen, die täglich in unserem Land diskriminiert werden, ein Gesicht zu geben.“ Es ist ein Novum in der Geschichte Ugandas: die LGBT-Gruppe Sexual Minorities Uganda (SMUG) hat sich am 16. August 2007 mit der Forderung nach Gleichbehandlung an die Öffentlichkeit gerichtet.

In einer Pressekonferenz berichtete die Vorsitzende der Organisation Victor Juliet Mukasa ausführlich über Diskriminierung an Lesben, Schwulen und Transgender in Uganda.

„Viele von uns leiden unter ungerechter Behandlung. Heute sind wir hier um kundzutun, dass diese Menschenrechtsverletzungen absolut inakzeptabel sind“, erklärte SMUG in einer Presseerklärung. Die Organisation plante eine 45-tägige Medienkampagne unter dem Motto „Let us live in peace“ – Öffentlichkeitsarbeit für gleiche Rechte. Die AktivistInnen wagten damit einen mutigen Schritt nach vorne. Doch aus Angst vor Repressalien trugen manche auf der Pressekonferenz Masken, um unerkannt zu bleiben.

Insgesamt acht Aktivistinnen und Aktivisten von SMUG berichteten in der Pressekonferenz über ihr Leben als Lesbe, Schwuler oder Transgender in Uganda. Darüber hinaus sprachen ein anerkannter Arzt sowie führende Personen der Frauenbewegung über die große Wichtigkeit, die Menschenrechte aller Personen zu respektieren.

Die Reaktionen auf den Schritt an die Öffentlichkeit folgten prompt: Am 17. August sagte der Ethikminister James Nsaba Buturo der BBC, dass Homosexualität „unnatürlich“ sei. Zwar wies er den Vorwurf polizeilicher Verfolgung von LGBT zurück, machte aber klar: „Wir kennen sie. Wir haben die Details, wer sie sind.“

Wenige Tage später kündigte der Staatsanwalt General Fred Ruhindi im „Radio 1“ an, dass das bestehende Strafgesetz gegen Lesben und Schwule angewendet werden müsse. „Ich rufe die relevanten Institutionen auf zu handeln, weil Homosexualität gegen das ugandische Recht verstößt.“ Am selben Tag folgten über 1.000 Menschen einem Demonstrationsaufruf einer christlich-muslimischen Koalition gegen Homo-Rechte. In der „Regenbogenkoalition gegen Homosexualität“ hatten sich christliche und muslimische Gruppen zusammengeschlossen und die Demonstration organisiert.

Den Gipfel der Gegenpropaganda lieferte die Wochenzeitung Red Pepper, die sich regelmäßig mit homophober Rhetorik zu Wort meldet. Wie bereits in den vergangenen Jahren geschehen, veröffentlichte die Zeitung am 9. September eine Liste mit über 20 Namen vermeintlicher schwuler Männer inklusive einer Beschreibung des Aussehens und der Arbeitsstelle. Doch dem nicht genug: In dem Artikel mit der Überschrift „Homo Terror“ wurden beliebte LGBT-Treffpunkte in der ugandischen Hauptstadt Kampala genannt und sogar die „Terminologie“, die Schwule verwenden, veröffentlicht.

Trotz des Widerstands lässt SMUG sich nicht beirren und bewertet die Entscheidung zum Gang an die Öffentlichkeit als richtig. Die Kampagne habe zu einem größeren Verständnis der Anliegen von LGBT geführt, so SMUG in einer Pressemitteilung zum Abschluss der Kampagne am 8. Oktober. Dennoch sind die sehr offensiven Methoden der Organisation nicht allseits willkommen: Viele Homosexuelle in Uganda distanzieren sich von dem Weg an die Öffentlichkeit. So sagte z.B. Sam Opio von „Queer Youth Uganda“ gegenüber MERSI, dass die Zeit für derartige Schritte noch nicht reif sei. Die Gefahr kontraproduktiver Auswirkungen sei zu groß.

Doch Sexual Minorities Uganda gibt sich überzeugt: „Ich möchte der Öffentlichkeit danken, die unser Dialogangebot angenommen hat. Für alle die dachten, Homosexualität sei ein Mythos, war das eine große Herausforderung“, sagt Julian Pepe von SMUG. “Unser Wunsch ist es, ein ruhiges Leben in unserem geliebten Land leben zu können.“

In diesen unruhigen Zeiten fand am 13. und 14. Oktober im Herzen von Kampala ein großes LGBT-Meeting statt, das als Startpunkt der Beteiligung Ugandas am Internationalen Tag gegen Homophobie (IDAHO) bekannt gegeben wurde. An der Konferenz beteiligten sich unter anderem der Ostafrika-Repräsentant von der International Lesbian and Gay Association (ILGA) Sam Ganafa sowie Sam Opio, Vorsitzender von „Queer Youth Uganda“, einer engagierten Organisation, die sich mit den Rechten homosexueller Jugendlicher beschäftigt. Als prominenter Gast nahm Professor Louis-Georges Tin, Gründer und internationaler Koordinator des IDAHO, an dem Treffen teil.

Über 100 TeilnehmerInnen diskutierten bei der Konferenz über den „way forward“ für LGBT-Rechte in Uganda.

Richard Harnisch

erstellt am: 01.12.2007