Venezuela - MUTMASSLICHER STAATLICHER MORD / SORGE UM SICHERHEIT

getötet: Michelle Paz,gefährdet: Paola Sánchez, Vicky Martínez, Kevin Capote, Gabriela Ojeda ,Maury Oviedo und andere Transsexuelle in Valencia (Bundesstaat Carabobo)

Nach der Ermordung der Transsexuellen Michelle Paz (offizieller Name Janny Paz) am 11. Januar 2002, die Berichten zufolge von Polizisten getötet wurde, fürchtet amnesty international um die Sicherheit der oben genannten Personen und aller übrigen Transsexuellen in Valencia im Bundesstaat Carabobo. Die genannten Personen sind bedroht, angegriffen bzw. willkürlich festgenommen worden.

Zwei Tage nach dem Tod von Michelle Paz schoss ein Mann in Zivil – vermutlich ein Polizist – auf der Straße auf einen anderen Transsexuellen namens Paola Sánchez (offizieller Name unbekannt). Es gelang ihr, unverletzt zu entkommen, aber wenige Stunden später drang die Polizei ohne Durchsuchungsbefehl in ihr Haus ein und nahm sie fest. Paola Sánchez wurde drei Tage später ohne Anklageerhebung wieder freigelassen.

Vicky Martínez und Kevin Capote, die sich ebenfalls für die Rechte von Transsexuellen einsetzen, wurden am 16. Januar 2002 festgenommen und drei Tage lang im örtlichen Gefängnis „La Isabelica“ festgehalten. Kevin Capote war Berichten zufolge vor der Einlieferung ins Gefängnis von Polizisten schwer geschlagen worden.

Am 5. Februar 2002 drängten Polizisten, die der Einheit „La comandancia General de Policia“ angehören, Gabriela Ojeda (offizieller Name Ronny Ojeda), eine transsexuelle Freundin der ermordeten Michelle Paz, in ein Polizeiauto. Nach vorliegenden Informationen wurde sie in die Polizeizentrale gebracht, wo man sie über den Verbleib von Maury Oviedo, die Vorsitzende der Transsexuellenorganisation „Respeto a la Personalidad“, verhörte.

Am 8. Februar 2002 erließ die Geheimdienstabteilung der Polizeizentrale von Carabobo einen Haftbefehl gegen Maury Oviedo. Im Oktober 2000 hatte Maury Oviedo bei der Interamerikanischen Menschenrechtskommission Anzeige erstattet, in der sie einem Polizisten den Mord an der Transsexuellen Dayana Nieves (offizieller Name José Luis Nieves) zur Last legte (s. UA 247/00 vom 18. August 2000). Maury Oviedo hält sich gegenwärtig versteckt und fürchtet um ihr Leben.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Obwohl es auf der Grundlage des venezolanischen Rechts illegal ist, Personen ohne Haftbefehl festzunehmen, sofern man sie nicht bei der Begehung einer Straftat erwischt, sind Homo-, Bi- und Transsexuelle in der Stadt Valencia ständig in Gefahr, von der Polizei drangsaliert, misshandelt und willkürlich festgenommen zu werden. Der Gouverneur des Bundesstaates Carabobo, Henrique Salas Feo-Römer, hat sich Berichten zufolge bislang geweigert, dieses Problem anzugehen.

Der Polizeichef von Carabobo hat erklärt, dass „Homosexuelle und Prostituierte sich den Regeln der Polizei unterwerfen müssen. Sie dürfen sich nicht frei auf der Straße bewegen.“ Dies bedeutet, dass die Polizei zahlreiche Personen ohne Genehmigung der Justizbehörden festnimmt. Die betroffenen Transsexuellen gehen davon aus, dass sie verfolgt werden, weil sie öffentlich Verstöße der Polizei anprangern und der internationalen Öffentlichkeit bekannt machen.

EMPFOHLENE AKTIONEN: 

Bitte schreiben sie Telefaxe, E-Mails oder Luftpostbriefe, in denen Sie

  • Ihre Bestürzung über die Ermordung von Michelle Paz zum Ausdruck bringen, da die Umstände darauf hindeuten, dass sie Opfer eines staatlichen Mordes geworden ist;
  • die Behörden auffordern, sofort eine umfassende Untersuchung des Mordes einzuleiten und sicherzustellen, dass die Täter vor Gericht gestellt werden;
  • sich besorgt über die fortgesetzten Drangsalierungen und rechtswidrigen Festnahmen von Transsexuellen im venezolanischen Bundesstaat Carabobo äußern, und insbesondere auf die jüngsten Fälle hinweisen, in denen Paola Sanchez, Vicky Martínez, Kevin Capote und Gabriela Ojeda betroffen waren;
  • die Behörden auffordern, den Vorwürfen über Misshandlungen und unfaire Behandlung, die von Transsexuellen erhoben worden sind, in einer Untersuchung nachzugehen;
  • Ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck bringen, dass ein Haftbefehl gegen Maury Oviedo erlassen wurde, der offenbar mit einer von ihr gegen eine Polizisten erstatteten Anzeige in Zusammenhang steht, und darlegen, dass alle Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Identität den Schutz des Gesetzes genießen;
  • die Behörden auffordern, wirksame Maßnahmen einzuleiten, um die Sicherheit aller Transsexuellen zu garantieren.

APPELLE AN:

Econ. Henrique Fernando Salas Feo-Römer, Gobernador del Estado de Carabobo, Palacio de Gobierno, Calle Montes de Oca con calle Paez, Valencia, Estado de Garabobo, VENEZUELA (Gouverneur von Carabobo - korrekte Anrede: Sr. Gobernador)
Telefax: (00 58) 241 857 0783

Jesús Manuel Ramírez, Comisario General de la PTJ, Avenida Navas Espinolas, entre Paseo Cabriales y Martin Tovar, Valencia, Estado de Carabobo, VENEZUELA
(Polizeichef von Carabobo – korrekte Anrede: Estimado Comandante General) 
Telefax: (00 58) 241 859 5940

Sr. Ramón Rodríguez Chacín, Ministro del Interior y Justicia, Ministerio del Interior y Justicia, Av. Urdaneta, esquina de Platanal Parroquia Candelaria, municipio Libertador, Caracas, REPUBLIK VENEZUELA (Innen- und Justizminister - korrekte Anrede: Estimado Sr. Ministro)
Telefax: (00 58) 212 861 1967

Defensoría del Pueblo, Dr.Germán Mundaraín, Bellas Artes Comienzo Avenida México , Plaza Morelos, Caracas, REPUBLIK VENEZUELA (Ombudsmann für Menschenrechte – korrekte Anrede: Estimado Señor)
Telefax: (00 58) 212 575 4467
E-Mail: gmundarain@defensoria.gov.ve 

KOPIEN AN:

Respeto a la Personalidad, Avenida Martin Tovar 99-51, Valencia, Estado Carabobo, REPUBLIK VENEZUELA (Menschenrechtsorganisation, die sich für die Rechte von Homo-, Bi- und Transsexuellen einsetzt)

Kanzlei der Botschaft der Republik Venezuela, Große Weinmeisterstraße 53, 14469 Potsdam
(S. E. Herrn Dr. Erik Becker Becker)
Telefax: 0331-231 0977

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. März 2002 keine Appelle mehr zu verschicken.