Sorge um Sicherheit / Morddrohungen

El Salvador: William Hernández, Direktor einer Nichtregierungsorganisation, die sich für die Rechte sexueller Minderheiten einsetzt

amnesty international ist in großer Sorge um die Sicherheit von William Hernández, der am 5. November 1999 mehrere telefonische Morddrohungen erhalten hat. Berichten zufolge gingen drei Anrufe in seinem Büro ein, in denen die Anrufer drohten, sie würden dorthin kommen, um ihn zu töten. In den Anrufen wurde genau der Weg zu seinem Arbeitsplatz sowie das Aussehen von William Hernández beschrieben. Der Anrufer sagte dann: "Sag dem Hurensohn, er soll heute abend nicht rausgehen" ("digale a ese hijo de puta que no salga esta noche"). 
 
William Hernández ist Direktor der regierungsunabhängigen Organisation "Entre Amigos" (Unter Freunden), "Asociación Salvadoreña de Desarrollo Integral para Minorías Sexuales" (Salvadorianische Vereinigung für die uneingeschränkte Entwicklung sexueller Minderheiten) in der Hauptstadt San Salvador. Die Organisation bietet Sexualberatungsprogramme für Homosexuelle, Bisexuelle und Transsexuelle sowie für die interessierte Öffentlichkeit an. "Entre Amigos" informiert außerdem über Menschenrechtsverletzungen an Angehörigen sexueller Minderheiten und kritisiert die mangelnde Bereitschaft der Behörden, diese Verstöße aufzuklären. 

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

"Entre Amigos" hat mehrere Fälle dokumentiert, in denen Angehörige sexueller Minderheiten und Mitglieder dieser Organisation Einschüchterungen und Gewalt ausgesetzt waren. Am 7. März 1999 erhielt William Hernández eine Morddrohung. Am 26. Juni 1999 hielt ein Angehöriger eines Bataillons der Präsidentengarde bei einer Schwulen- und Lesbenparade unter der Androhung von Gewalt eine transsexuelle Person von der Teilnahme an der Veranstaltung ab. Wenige Tage darauf wurde jemand angeschossen, der gerade zusammen mit William Hernández das Büro von "Entre Amigos" verlassen hatte.

Am 9. August 1999 schlugen in einem anderen Stadtteil von San Salvador Polizisten sechs Homosexuelle, beschimpften sie und bedrohten sie mit dem Tode. Berichten zufolge wurden im vergangenen Jahr mehrere weitere Angehörige sexueller Minderheiten getötet. Bislang sind nach Kenntnis von amnesty international weder umfassende Untersuchungen dieser Morde durchgeführt worden, noch wurde jemand in diesem Zusammenhang vor Gericht gestellt. 

UA-Nr: UA-EX-159/99-2 
AI-Index: AMR 29/006/2000 
Datum: 12.11.1999